Masterarbeit, 2023
87 Seiten, Note: 1,8
I. Einleitung
II. Methodik
III. Die Modalpartikeln des Deutschen
III.1 Syntaktische Eigenschaften der Modalpartikeln
III.2 Modalpartikeln als schwache Adverbien
III.3 Modalpartikeln und die funktionale Struktur des Satzes
IV. Epistemizität und Evidentialität
IV.1 wohl und reportative Evidenz
IV.2 wohl und personal Evidenz
IV.3 wohl und inferentielle Evidenz
V. Commitment und degree of strength
VI. Weitere Verwendungsweisen von wohl
VI.1 wohl in Fragen
VI.2 wohl in Exklamativsätzen
VI.3 wohl in unselbstständigen Sätzen
VI.4 wohl in Adversativsätzen
VI.5 wohl in Konzessivsätzen
VI.6 wohl in Konditionalsätzen
VI.7 wohl in Konsekutivsätzen
VI.8 wohl in Kausalsätzen
VI.9 wohl in Finalsätzen
VI.10 wohl in weiteren Konstruktionen
VII. Die Entstehung von wohl – wohl als skalares Element
VII.1 Die Skalar-Hypothese nach Grosz (2022)
VII.2 leicht, locker, easy und gut
VII.3 leicht, locker easy und gut in epistemischer Verwendung
VIII. Fazit
Diese Masterarbeit untersucht den syntaktischen Status sowie die semantische Ebene der Modalpartikel "wohl" im Deutschen und klärt ihr Verhältnis zu Evidentialität und epistemischer Modalität. Darüber hinaus analysiert die Arbeit systematisch die bisher wenig erforschten, intensivierenden Lexeme "leicht", "easy", "gut" und "locker" hinsichtlich ihrer Einordnung in das System der deutschen Epistemizität.
I. Einleitung
Die Modalpartikel wohl findet seit dem Beginn der Modalpartikelforschung mit Weydt (1969) eine rege Betrachtung in der Literatur. So wurde das Lexem sowohl diachron (z.B. Molnár 2002; Grosz 2022; Diewald 2011) als auch synchron (u.a. Coniglio 2011, Zimmermann 2004; 2011, Gutzmann & Turgay 2016) intensiv betrachtet. In der kommenden Masterarbeit soll ein neues Licht auf die Modalpartikel wohl geworfen werden und es sollen neue Erkenntnisse geliefert werden, die sowohl den syntaktischen Status von wohl als auch die semantische Ebene betreffen. Des Weiteren soll das durchaus diffuse Verhältnis von Evidentialität und epistemischer Modalität hinsichtlich wohl geklärt werden.
In einem zweiten Teil dieser Masterarbeit sollen weitere Lexeme untersucht werden, die bis dato keinen Einzug in die breite Landschaft der linguistischen Literatur gefunden haben. Die Lexeme leicht, easy, gut und locker. Diese Elemente besitzen alle eine intensivierende Lesart, befinden sich aber ebenfalls in der synchronen Betrachtung an einem Anfangspunkt, in dem sie sich in das komplexe System der Epistemizität des Deutschen einordnen.
Aufgebaut ist die Arbeit dabei wie folgt: Zunächst soll ein Überblick über den Status von wohl geliefert werden. Dieses Unterfangen gestaltet sich als durchaus schwierig, da eine abschließende Klassifikation des Lexems bis heute aussteht und es diverse Ansätze gibt, wohl in ein syntaktisches System einzuordnen. Bereits in frühen Untersuchungen der Modalpartikeln war unklar, wie wohl einzuordnen ist. Hierbei ist umstritten, ob wohl im Mittelfeld eine Modalpartikel darstellt. Von Bublitz (1978) wird es als Satzadverb eingestuft, Doherty (1987) hingegen klassifiziert es als Modalpartikel. Bei Helbig (1988) erscheint es als Modalpartikel, bei Helbig/Helbig (1990) wiederum als 'Modalwort', dem in diesem Werk gewählten Begriff für Satzadverb; beide Male heißt es, die Grenzen zwischen beiden sei schwer zu ziehen.
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsgeschichte von "wohl" ein und formuliert das Ziel, dessen syntaktischen und semantischen Status sowie das Verhältnis zu Evidentialität zu klären und weitere ähnliche Lexeme zu untersuchen.
II. Methodik: Hier wird das qualitative Vorgehen beschrieben, wobei auf das Korpusmanagement-Programm COSMAS-II und den Deutschen Referenzkorpus (DeReKo) zurückgegriffen wird, um Daten für "wohl" und die weiteren Lexeme zu gewinnen.
III. Die Modalpartikeln des Deutschen: In diesem Kapitel werden grundlegende Eigenschaften der Wortart "Modalpartikel" erörtert, ihre Abgrenzung zu Satzadverbien diskutiert und die Schwierigkeiten bei der Definition ihrer Polyfunktionalität aufgezeigt.
IV. Epistemizität und Evidentialität: Dieses Kapitel ergründet das theoretische Verhältnis zwischen epistemischer Modalität und Evidentialität, wobei die Rolle von "wohl" als Marker für verschiedene Evidenzarten hinterfragt wird.
V. Commitment und degree of strength: Hier wird diskutiert, wie "wohl" das Sprecher-Commitment gegenüber einer Proposition beeinflusst und inwieweit dies auf einer Skala der Stärke ("degree of strength") verortet werden kann.
VI. Weitere Verwendungsweisen von wohl: Dieses Kapitel systematisiert das Auftreten von "wohl" in verschiedenen Satztypen, wie Fragen, Exklamativsätzen, negierten bzw. unselbstständigen Sätzen sowie verschiedenen Adverbialsätzen.
VII. Die Entstehung von wohl – wohl als skalares Element: Hier wird die "Skalar-Hypothese" nach Grosz (2022) angewandt, um die diachrone Entwicklung von "wohl" und die Ähnlichkeiten zu den intensivierenden Lexemen "leicht", "easy", "gut" und "locker" aufzuzeigen.
VIII. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Hypothese der ähnlichen Grammatikalisierungspfade und weist auf die Limitationen der Datenlage hin, während es Impulse für zukünftige Studien liefert.
Modalpartikel, wohl, Epistemizität, Evidentialität, Sprecher-Commitment, Grammatikalisierung, Satzadverbien, Syntax, DeReKo, Skalarität, Intensivierung, Illokution, Common Ground, Korpuslinguistik, Sprachwandel.
Die Arbeit untersucht die Modalpartikel "wohl" im Deutschen, um deren syntaktischen Status, semantische Funktionen und das Verhältnis zur evidentiellen und epistemischen Modalität neu zu bewerten.
Die zentralen Felder umfassen die Modalpartikelforschung, das Verhältnis von Evidentialität zu epistemischer Modalität, das Sprecher-Commitment sowie die Grammatikalisierung von modalen und skalaren Elementen.
Das primäre Ziel ist es, den syntaktischen Status von "wohl" im Mittelfeld zu klären, dessen evidentiellen Charakter nachzuweisen und eine Verbindung zu den Lexemen "leicht", "easy", "gut" und "locker" herzustellen.
Es handelt sich um eine qualitative Untersuchung, die auf Basis von Korpusdaten (COSMAS-II/DeReKo) sowie introspektiven Beispielen durchgeführt wird.
Der Hauptteil befasst sich mit der Abgrenzung von "wohl" zu Satzadverbien, der Untersuchung von Evidenzquellen, der Analyse von "wohl" in verschiedenen Satztypen und der diachronen Entwicklung als skalares Element.
Die Arbeit folgt unter anderem den Ansätzen von Willet und Plungian, um zwischen direkter und indirekter (reportativer/inferentieller) Evidenz zu unterscheiden und "wohl" entsprechend zu klassifizieren.
Die Schwierigkeit liegt in der Polyfunktionalität von "wohl", da es sowohl als Satzadverb fungieren kann als auch eine hohe Interaktion mit dem Satzmodus und dem Common Ground der Gesprächsteilnehmer zeigt.
Sie werden auf ihre intensivierende und skalare Lesart hin untersucht, um zu stützen, dass sie ähnliche Grammatikalisierungspfade wie "wohl" beschritten haben.
Nein. Die Forschung ist gespalten zwischen Autoren, die "wohl" als Modalpartikel oder Diskurspartikel einordnen, und solchen, die es als schwaches Satzadverb definieren.
Laut der Arbeit signalisiert der Sprecher damit nicht bloß eine Vermutung, sondern verweist auf Evidenz, wobei gleichzeitig der Grad an Sicherheit (das Commitment) gegenüber der Proposition leicht abgeschwächt wird.
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