Masterarbeit, 2015
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Selbstwertschätzung von Sekundarschülerinnen und -schülern in mittlerer Adoleszenz im Kontext herkunfts- sowie institutionell bedingter Bildungsungleichheiten. Das Hauptziel ist es, herauszufinden, wie sich diese Selbstwertschätzung angesichts von Faktoren wie Migrationshintergrund, sozialer Herkunft, schulischer Selektion und institutioneller Diskriminierung artikuliert.
Einleitung
Der Ausgangspunkt dieser Master Thesis ist das Phänomen der Homogenisierung aufgrund der Überforderung der Schule mit der zuwachsenden Heterogenität (siehe Kap. 2.1.). In der Pädagogik wurde zuerst defizitorientiert anhand Ausländerpädagogik versucht, mit der Heterogenität klar zu kommen, und anschließend differenzorientiert mit der interkulturellen Pädagogik (siehe Kap. 2.2.). Bei beiden Paradigmen wurde jedoch die Bildungsungleichheit legitimiert und auch produziert. Es kann darüberhinaus auch die schulische Selektion als ein Resultat der Bildungspolitik aufgrund der Überforderung im Umgang mit Heterogenität verstanden werden. Dies hat zur Folge, dass zahlreiche Klassenwiederholungen und Rückstufungen beansprucht werden, um Leistungshomogenität in der Schulklasse zu gewährleisten (Brake & Büchner, 2012, S. 151). Es sind namentlich die PISA-Studien der letzten Jahre, die besagen, dass das Schulsystem in der Schweiz bezüglich der zu leistenden Kompetenzen selektiv ist (Wernstedt & John-Ohnesorg, 2008, S. 6; OECD, 2010 und 2012; Zahner Rossier & Holzer, 2007, S 37; Regeth, 2011). Zudem produziert das Schulsystem mit seinen Selektionsprozessen soziale Ungleichheiten hinsichtlich Bildungserfolgs (ebd.). Dabei sollte das Ziel des Bildungssystems die Durchbrechung und nicht die Reproduktion der traditionellen Schichten sein (Kreckel, 1992, S. 94ff.). In schulsicher Bildung trifft diese Form von Benachteiligung am Härtesten die Schüler/innen mit nicht privilegiertem Sozialstatus und / oder Migrationshintergrund (Solga & Dobrowski, 2009, S. 17). Sie werden des Öfteren in Sonderschulen oder niedrigeren Schulstufen überwiesen. Diese separierende Tendenz nimmt stetig zu (Kronig, 2005). Zudem wird diese Schüler/innengruppe institutionell diskriminiert, indem sie beispielsweise kaum Empfehlungen für einen Eintritt ins Gymnasium erhält (Valtin, 2008, S. 12; Klemm, 2008, S. 27; Brake & Büchner, 2012, S. 142). Demzufolge ist die soziale Ungleichverteilung der Zugänge ungerecht. Vornämlich dann, wenn dabei die persönliche Leistung eine kleinere und die soziale Herkunft eine größere Rolle spielt (Oelkers, 2006, S. 91). Die Schüler/innen mit Migrationshintergrund sind einer noch gravierende Benachteiligung ausgesetzt, denn sie sind von vornherein in zweifacher Hinsicht benachteiligt: Sie gehören einerseits Sozialschichten mit wenig verfügbarem ökonomischen, sozialen und vor allem kulturellen Kapital an, und anderseits sind sie verschiedenen Mechanismen vom sozialen Ausschluss unterworfen (Juhasz & Mey, 2009, S. 87). Also diese Schüler/innen treten mit „höchst unterschiedlichen Schulsäcken“ (Lamprecht & Stamm, 1997, S. 43) ins Bildungssystem ein (siehe Kap. 3.1.).
Einleitung: Führt in die Problematik der Homogenisierung, Bildungsungleichheit und schulischen Selektion im Kontext der Heterogenität ein und beleuchtet die Benachteiligung von Schüler/innen mit Migrationshintergrund und niedrigem Sozialstatus.
I Einführender Teil: Gibt einen Überblick über die Bildungsexpansion in der Schweiz, die Problemstellung und den Forschungsstand, um den Untersuchungsgegenstand zu definieren.
1. Ausgangslage: Beschreibt das schweizerische Bildungssystem als selektiv und untermauert dies mit aktuellen Zahlen und Fakten zur Schule Kappeli in Zürich, um die Grundlage für die Untersuchung zu legen.
2. Problemstellung: Erläutert anhand theoretischer Ansätze die Herausforderungen der Heterogenität in Schulen und die damit verbundenen sozialen Ungleichheiten, die durch Selektion verstärkt werden.
3. Forschungsstand: Bietet einen mehrperspektivischen Überblick über vorhandene empirische Daten zu Bildungsungleichheiten, Adoleszenz und Selbstwert, um Forschungslücken zu identifizieren und die eigene Studie zu positionieren.
II Theoretischer Teil: Stellt relevante Theorien aus Pädagogik, Soziologie und Sozialpsychologie vor, die das Erkenntnisinteresse der Arbeit untermauern und zur Formulierung der Forschungsfrage beitragen.
4. Systemtheorien: Erläutert verschiedene Systemebenen (Mikro-, Meso-, Exo-, Makro-Systeme) nach Bronfenbrenner und Luhmanns autopoietisches Konzept im Kontext sozialer Systeme und Adoleszenz.
5. Theorien um die Adoleszenz: Definiert Adoleszenz und untersucht ihren Zusammenhang mit Migration, sozialer Herkunft und der Selbstwertentwicklung, insbesondere hinsichtlich der Identitätsfindung und sozialen Anpassung.
6. Theorien um soziale Ungleichheit: Differenziert zwischen herkunfts- und institutionell bedingten Bildungsungleichheiten, wobei Bourdieu's Kapitaltheorie, schulische Selektion und Diskriminierung beleuchtet werden.
7. Theorien um den Selbstwert: Stellt Konzepte und Modelle zum Selbstwert, Selbstkonzept und Selbstwertschätzung dar und grenzt diese begrifflich voneinander ab, um deren Bedeutung für die Forschungsfrage zu verdeutlichen.
III Empirischer Teil: Leitet zur Formulierung der Forschungsfrage und des empirischen Modells über und beschreibt das methodische Vorgehen zur Datenerhebung und -auswertung.
8. Forschungsfrage und empirisches Modell: Formuliert die zentrale Forschungsfrage und präsentiert das empirische Modell zur Untersuchung der Selbstwertschätzung im Kontext von Bildungsungleichheiten, einschliesslich relevanter Unterfragen.
9. Methodisches Vorgehen: Beschreibt das qualitative Forschungsdesign, die Datenerhebung mittels Leitfadeninterviews, die Datenaufbereitung (Transkription) und die inhaltsanalytische Datenauswertung nach Mayring, einschliesslich der Intercoderreliabilität.
10. Ergebnisse: Präsentiert die durch inhaltsanalytische Auswertung gewonnenen Ergebnisse zu den verschiedenen Dimensionen der Selbstwertschätzung (emotional, sozial, leistungs- und körperbezogen) und deren Bezug zu herkunfts- und institutionell bedingten Bildungsungleichheiten.
11. Diskussion: Erklärt die Ergebnisse anhand theoretischer Ansätze, beantwortet die Forschungsfrage, zieht Schlussfolgerungen und gibt einen Ausblick, insbesondere in Bezug auf Interventions- und Präventionsmöglichkeiten in der Schulsozialarbeit.
Selbstwert, Bildungsungleichheiten, Adoleszenz, Migration, soziale Herkunft, schulische Selektion, institutionelle Diskriminierung, qualitative Forschung, Zürich, Schulsozialarbeit, PISA-Studien, Heterogenität, Selbstkonzept, soziale Ungleichheit, Interkulturelle Pädagogik.
Diese Masterarbeit untersucht, wie sich die Selbstwertschätzung von Jugendlichen in mittlerer Adoleszenz unter Berücksichtigung von Bildungsungleichheiten an einer Zürcher Schule artikuliert.
Die zentralen Themenfelder sind Selbstwertschätzung, Bildungsungleichheiten, Adoleszenz, Migrationshintergrund, soziale Herkunft, schulische Selektion und institutionelle Diskriminierung.
Die primäre Forschungsfrage lautet: "Wie artikuliert sich die Selbstwertschätzung in mittlerer Adoleszenz unter der Berücksichtigung institutionell- und herkunftsbedingter Bildungsungleichheiten?"
Es wird eine qualitativ-empirische Studie durchgeführt, die auf der inhaltsanalytischen Auswertung von vier Leitfadeninterviews basiert.
Der Hauptteil behandelt theoretische Konzepte zu Systemen, Adoleszenz, sozialer Ungleichheit und Selbstwert, gefolgt vom empirischen Teil, der das methodische Vorgehen, die Ergebnisse der Interviews und eine umfassende Diskussion einschliesslich Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen darstellt.
Schlüsselwörter wie Selbstwert, Bildungsungleichheiten, Adoleszenz, Migration, soziale Herkunft, schulische Selektion, institutionelle Diskriminierung und Schulsozialarbeit charakterisieren die Arbeit.
Die Schule Kappeli wurde aufgrund ihres hohen Migrantenanteils, ihres Status als „Problemschule“ und der persönlichen Kenntnis des Autors zu den Schüler/innen als Untersuchungsgegenstand ausgewählt.
Die schulische Selektion, insbesondere die Einteilung in die Sekundarstufe B, wird oft als Benachteiligung empfunden und wirkt sich negativ auf den Selbstwert aus, da sie zu Gefühlen der Selbstenttäuschung und eingeschränkten Bildungschancen führt.
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