Diplomarbeit, 2010
124 Seiten, Note: 1,1
1 Einleitung
1.1 Untersuchungsgegenstand und Aktualität der Thematik
1.2 Forschungsstand und Forschungslücken
1.3 Methodische Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit
2 Die Regulierung geistiger Eigentumsrechte im Softwarebereich
2.1 Die Regulierungspraxis in der EU
2.2 Internationale Regulierung
2.3 Zusammenfassung
3 Theoretische Grundlagen
3.1 Europäische Integrationsforschung
3.2 Europäische Integration: Definition und Abgrenzung
3.3 Theorien europäischer Integration: Prämissen und Hypothesen
3.3.1 Supranationalismus
3.3.1.1 Transnationale Gesellschaft
3.3.1.2 Europäische Institutionen
3.3.2 Liberaler Intergouvernementalismus
3.3.3 Kritik
4 Die Richtlinie über die Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen
4.1 Entstehung und Hintergründe
4.1.1 Die „Status Quo“ Problematik
4.1.2 Das Grünbuch und die Konsultationsphase
4.1.3 Sondierungsphase und Richtlinienvorschlag
4.1.4 Zwischenfazit: Relevante Streitfragen und Konfliktdimensionen
4.2 Der Gesetzgebungsprozess
4.2.1 Die Rahmenbedingung: Gesetzgebung im Mitentscheidungsverfahren
4.2.2 Verhandlungsverlauf und das Scheitern der Richtlinie
4.2.2.1 Erste Stellungnahmen
4.2.2.2 Die erste Lesung im EP und die Reaktionen danach
4.2.2.3 Die erste Lesung im Rat
4.2.2.3.1 Die politische Einigung im Rat
4.2.2.3.2 Der Gemeinsame Standpunkt
4.2.2.4 Die zweite Lesung im EP und die Reaktionen unmittelbar nach dem Scheitern der Richtlinie
5 Integrationstheoretische Erklärungen für das Scheitern der Softwarepatentrichtlinie
5.1 Test der supranationalistischen Theorie
5.1.1 Warum kommt es zum Scheitern der Richtlinie: Die supranationalistische Erklärung
5.1.2 Kritik und offene Fragen
5.2 Test der intergouvernementalistischen Theorie
5.2.1 Warum kommt es zum Scheitern der Richtlinie: Die intergouvernementalistische Erklärung
5.2.2 Kritik und offene Fragen
6 Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht das Scheitern der Richtlinie über die Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen in der Europäischen Union. Ziel ist es, dieses historische Ereignis der europäischen Gesetzgebung unter Rückgriff auf zwei zentrale Integrationstheorien – den Supranationalismus und den Liberalen Intergouvernementalismus – zu erklären und deren jeweilige Erklärungsleistung zu prüfen.
Die „Status Quo“ Problematik
Auf die Regulierungspraxis im Softwarebereich in der EU wurde schon in Kapitel 2 näher eingegangen. Für die Darstellung des Status Quo wird an dieser Stelle auf eine tiefere historische Entwicklung des Patentwesens in Europa verzichtet, da sie für das Verständnis der konkreten Problematik nicht notwendig ist. Es ist jedoch nötig, auf die Heterogenität der Patentierungspraxis innerhalb der EU hinzuweisen, weil das Patentwesen noch keiner einheitlichen Regulierung unterliegt und im Wesentlichen in den einzelnen Mitgliedstaaten je nach Rechtsprechung unterschiedlich geregelt wird.
Bisherige Versuche in dieser Richtung, wie das EPÜ und das Gemeinschaftspatentübereinkommen, endeten wenn überhaupt nicht als Teil des europäischen Gemeinschaftsrechts, sondern als zwischenstaatliche Verträge auf Regierungsebene. Somit bleibt die gerichtliche Instanz im Bereich des Patentwesens ausschließlich den Mitgliedstaaten und die Patenterteilung den nationalen Patentämtern überlassen. Für den Softwarebereich bedeutet dies nach wie vor, dass in manchen Staaten Software patentierbar ist, in anderen Mitgliedstaaten wiederum nicht. Einen weiteren Grund für Besorgnis stellt zusätzlich zur europäischen Rechtsunsicherheit die internationale Rechtspraxis dar. Diese führt zu Marktverzerrungen, indem, wie die EK feststellt, allein im Jahr 1999 etwa 75 % der beim EPA registrierten Softwarepatente in Besitz außereuropäischer Großunternehmen sind.
Insgesamt lässt sich feststellen, dass der Status Quo durch einen enormes Konfliktpotenzial gekennzeichnet ist: unterschiedliche nationale Patentgesetze; Rechtsunsicherheit durch das Europäische Patenrübereinkommen, durch das trotz Patentierungsausschluss inzwischen tausende Patente auf Computerprogramme erteilt wurden; und schließlich internationaler Druck aufgrund abweichender Regulierungspraxis weltweit.
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, definiert den Untersuchungsgegenstand und stellt den aktuellen Forschungsstand sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit dar.
2 Die Regulierung geistiger Eigentumsrechte im Softwarebereich: Hier wird der theoretische und rechtliche Kontext der Regulierung von Softwarepatenten in Europa sowie auf internationaler Ebene skizziert.
3 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die für die Arbeit zentralen Integrationstheorien des Supranationalismus und des Liberalen Intergouvernementalismus und leitet daraus Hypothesen ab.
4 Die Richtlinie über die Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen: Eine detaillierte empirische Fallanalyse, die den Entstehungsprozess, die Hintergründe und den Gesetzgebungsverlauf der Richtlinie rekonstruiert.
5 Integrationstheoretische Erklärungen für das Scheitern der Softwarepatentrichtlinie: Das Kernkapitel der Arbeit, in dem die in Kapitel 3 aufgestellten Hypothesen mithilfe der empirischen Daten aus Kapitel 4 geprüft und kritisch bewertet werden.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse des Theorienvergleichs zusammen und reflektiert die Bedeutung der Erkenntnisse für die künftige europäische Integrationsforschung.
Softwarepatente, Europäische Union, Richtlinie, Supranationalismus, Liberaler Intergouvernementalismus, Gesetzgebungsprozess, Europäisches Parlament, Europäische Kommission, Rat, Patentrecht, Urheberrecht, Lobbyismus, Integrationsforschung, Fallanalyse, Rechtsunsicherheit.
Die Arbeit analysiert das politische Scheitern der EU-Richtlinie über die Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen im Jahr 2005.
Zentrale Themen sind der Schutz geistigen Eigentums im Softwarebereich, europäische Gesetzgebungsverfahren und die Dynamik politischer Integrationsprozesse.
Das Ziel ist die Überprüfung der Erklärungskraft zweier maßgeblicher Theorien der europäischen Integration – Supranationalismus und Liberaler Intergouvernementalismus – am konkreten Fall der gescheiterten Softwarepatentrichtlinie.
Die Autor verwendet eine Prozessanalyse, um den legislativen Verlauf der Richtlinie detailliert zu rekonstruieren und als empirische Basis für den Theorienvergleich zu nutzen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine empirische Fallanalyse des Gesetzgebungsverlaufs sowie eine anschließende theoretische Auswertung und Prüfung der aufgestellten Hypothesen.
Wichtige Begriffe sind Softwarepatente, europäische Gesetzgebung, Integrationstheorien, Lobbyismus und interinstitutionelle Konflikte innerhalb der EU.
Es war das erste Mal in der Geschichte der europäischen Gesetzgebung, dass eine Richtlinie in einer so frühen Phase durch das Europäische Parlament abgelehnt wurde.
Dieser Ansatz führt das Scheitern primär auf das schwache Interesse der wichtigsten Mitgliedstaaten an der Richtlinie und deren mangelnde Kompromissbereitschaft im Rat zurück.
Der Supranationalismus fokussierte sich auf die Rolle der Europäischen Kommission als "Entrepreneur" und die selektive Berücksichtigung transnationaler Interessen während der Vorbereitungsphase.
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