Bachelorarbeit, 2022
34 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Vorwort
1.2 Persönlicher Bezug
1.3 These und Methodik
2. Hauptteil
2.1. Begriffsbestimmungen
2.1.1 Der Begriff „Kind“
2.1.2 Der Begriff „Missbrauch“
2.1.3 Der Begriff „Misshandlung“
2.1.4 Der Begriff „Institution“
2.2 Fallbeispiele institutionellen Kindesmissbrauchs
2.2.1 Das Canisius-Kolleg
2.2.2 Die Odenwaldschule
2.2.3 Das Internat des Ettal-Klosters
2.3 Interdisziplinäre Erklärungsansätze
2.3.1 Soziologische Faktoren
2.3.2 Psychologische Faktoren
2.3.3 Die Perspektive der nichtjuristischen Kriminologie
2.3.4 Die Finkelhor’sche Perspektive
3. Fazit
Die Arbeit untersucht das Phänomen des institutionellen Kindesmissbrauchs, um die begünstigenden Faktoren innerhalb geschlossener Strukturen zu identifizieren und die Frage zu klären, ob organisatorische Merkmale von Institutionen systematisch Machtmissbrauch durch Prädator*innen fördern.
2.3.4 Die Finkelhor’sche Perspektive
Der Soziologe und Kriminologe David Finkelhor hat ein Konzept entwickelt, welches die kriminologischen Aspekte der Phänomenologie, Ätiologie und Viktimologie mit den geisteswissenschaftlichen Aspekten der Soziologie und Psychologie vereint, um nachvollziehbar zu machen, was innerhalb der Köpfe von Prädator*innen vor sich geht.
Laut dem Mitglied der amerikanischen Gesellschaft für Kriminologie müssen bei Täter*innen vier Bedingungen erfüllt werden, damit es zur eigentlichen Tat an sich, also dem Missbrauch, kommt.63
Die erste Bedingung ist die Motivation zur Straftat an sich. Eine solche Motivation ergibt sich entweder aus einer eigenen emotionalen Übereinstimmung mit Kindern, einer sexuellen Erregung durch Kinder oder dadurch, dass Täter*innen nicht in der Lage sind, Sexualität oder andere Intimitäten mit Erwachsenen auszutauschen.
Als zweiter Punkt folgt dann die Überwindung eigener, innerlicher Hemmungen der Täter*innen, auch internale Hindernisse genannt. Diese können angelernte und verinnerlichte gesellschaftliche Wertvorstellungen und Normen sein oder die Angst vor Sanktionen, also möglichen Konsequenzen. Einer Überwindung dieser Hindernisse äußert sich meist in der gedanklichen Akzeptanz der Überschreitung des Tabus, sexuelle Handlungen an Kindern einzugehen, der Etablierung von Rechtfertigungen, die das angepeilte Ausführen des Missbrauchs für sie entschuldigt und verteidigt. Ist diese Hürde genommen, durchleben Täter*innen die dritte Etappe, in der es die sogenannten externalen Hemmungen zu überwinden gilt. Damit ist die Schaffung von Gelegenheiten gemeint. Täter*innen durchleben eine stete Suche nach einer geeigneten Situation, in der es sowohl zeitlich als auch örtlich möglich ist, den Missbrauch zu vollziehen, ohne dabei entdeckt bzw. sanktioniert zu werden.
Ist auch diese Hürde genommen, gilt es den Widerstand des Kindes zu brechen. Täter*innen differenzieren ganz bewusst ihre Opfer und präferieren Kinder, welche aus problematischen oder der Norm abweichenden Lebensbedingungen stammen. Das können Kinder sein, die vernachlässigt sind, zuhause misshandelt werden oder gar bereits missbraucht worden sind, da diese gegenüber Manipulationsversuchen weniger resistent sind.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des sexuellen Kindesmissbrauchs in Institutionen ein und legt die Forschungsfrage sowie die Zielsetzung der wissenschaftlichen Arbeit dar.
2. Hauptteil: Der Hauptteil umfasst die begriffliche Definition relevanter Termini, analysiert Fallbeispiele institutioneller Gewalt und erarbeitet interdisziplinäre Erklärungsansätze aus soziologischer und psychologischer Sicht.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, kritisiert die begünstigenden Strukturen institutioneller Machtgefüge und fordert dringend notwendige Reformen sowie eine Stärkung der Prävention.
Kindesmissbrauch, Institutionen, Machtgefüge, Prädator, Soziologie, Psychologie, Kriminologie, Finkelhor, totale Institution, Pädophilie, Aufarbeitung, Prävention, sexualisierte Gewalt, Opfer, Täter
Die Arbeit untersucht die strukturellen Charakteristika von Institutionen, die sexuellen Kindesmissbrauch begünstigen können, und prüft die These, dass Institutionen bewusst durch Täter unterwandert werden.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Wechselwirkung zwischen hierarchischen Organisationsstrukturen, psychologischen Täterprofilen und soziologischen Faktoren wie Machtmissbrauch und dem Konzept der "totalen Institution".
Die Forschungsfrage lautet: „Gibt es einen Zusammenhang zwischen organisatorischen Strukturen innerhalb Institutionen und Machtausübung durch Prädator*innen?“
Der Autor nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse, der Heranziehung fachwissenschaftlicher Disziplinen und der Auswertung empirischer Fallstudien, um eine multimethodische und objektive Beweisführung zu ermöglichen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung (Kind, Missbrauch, Misshandlung, Institution), die Dokumentation prominenter Fallbeispiele wie der Odenwaldschule und eine tiefgehende Analyse durch Erklärungsansätze wie die Finkelhor’sche Perspektive.
Besonders prägend sind Begriffe wie „Institutioneller Kindesmissbrauch“, „Machtbasentheorie“, „Prädator“, „Totale Institution“ und „Täteraufarbeitung“.
Die weite Definition umfasst sämtliche schädliche Handlungen auf sexueller Basis, während die enge Definition zwingend körperlichen Kontakt voraussetzt; die Arbeit bevorzugt eine Definition, die das Machtgefälle und die Abhängigkeit miteinbezieht.
Das Konzept beschreibt Institutionen, die den gesamten Alltag ihrer Mitglieder vereinnahmen und durch soziale sowie räumliche Abschottung einen idealen Nährboden für Machtmissbrauch und die Entstehung von Parallelgesellschaften schaffen.
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