Bachelorarbeit, 2024
42 Seiten, Note: 9/10
1. Einleitung
2. Grass und die Literatur in der deutschen Nachwendezeit
2.1. Literarischer Streit nach der Wiedervereinigung
2.2. Günter Grass und die Wiedervereinigung
2.3. Günter Grass’ Roman Ein weites Feld
3. Die Hochzeitsgesellschaft
3.1. Der Erzähler weiß nicht alles – verschiedene Perspektiven auf die Wiedervereinigung
3.2. Die gesellschaftlichen Prototypen und ihre Vielstimmigkeit
3.2.1. Martha Wuttke – Konformität und erlangte Mündigkeit
3.2.2. Heinz-Martin Grundmann – Einheitsmensch und Schnäppchenjäger
3.2.3. Bettina Bunsen – zukünftige Großgrundbesitzerin
3.2.4. Friedel Wuttke – entfremdeter Sohn und Ankläger
3.2.5. Martina Grundmann – mit dem Rücken zum Osten
3.2.6. Theo Wuttke / Fonty – der Schriftsteller in der DDR
3.2.7 Emmi Wuttke – Ehefrau und Mutti
3.2.8. Priester Bruno Matull – Dem Glauben abschwören, sich dem Zweifel verpflichten
3.2.9. Inge Scherwinski – orientierungsloser Einheitsmensch
4. Spannungsfeld der Vielstimmigkeit
4.1. Dominantes Narrativ über die Wiedervereinigung
4.2. ‚Die‘ sind anders - Dominante westdeutsche Selbst- und Fremdbilder
4.3. Vergangenheitsbewältigung und Dichotomisierung einer Gesellschaft
4.4. ‚Wir‘ sind so – Identität vs. Ostalgie
5. Fazit
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Hochzeit im Roman „Ein weites Feld“ als Allegorie auf die deutsche Wiedervereinigung und die damit verbundene gesellschaftliche Vielstimmigkeit fungiert. Dabei wird analysiert, wie Günter Grass durch eine erzähltechnische Analyse und die Darstellung verschiedener gesellschaftlicher Prototypen das Spannungsfeld zwischen der ostdeutschen und westdeutschen Perspektive sowie die Konstruktion von Identitäten nach der Wende kritisch reflektiert.
Die gesellschaftlichen Prototypen und ihre Vielstimmigkeit
Romane stellen auf eine besondere Art und Weise soziale Sprachen und deren innere Logik dar. Jede Äußerung im Roman ist durch die spezifische Denk- und Sprechweise verschiedener sozialer Gruppen geprägt. Die verschiedenen Sprachen entsprechen unterschiedlichen Stimmen und streben im Roman eine Mehrsprachigkeit bzw. Vielstimmigkeit an. Diese unterschiedlich geprägten Stimmen interagieren in den Dialogen miteinander und streben oft nach einem Zustand, in dem das gegenseitige Missverstehen von Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen, zum Ausdruck kommt.
Die Kapitel, die die Hochzeitsfeier wiedergeben, weisen einen stark gesellschaftlichen Fokus auf. Es verwundert darum nicht, dass sich die Dialogizität in diesem Fragment erhöht, je weiter in den ideologischen Tiefen der Figuren eingedrungen wird. Der sprechende Mensch in diesem Kapitel ist ein gesellschaftlicher Mensch, „ein historisch konkreter und bestimmter Mensch, und sein Wort ist eine soziale Sprache […]“ Die Unmittelbarkeit der Stimmen eröffnet uns die verschiedenen Erfahrungshorizonte der Figuren, die im Zusammenhang stehen mit der Entstehung der Ehe zwischen Ost und West. Die Konstellation der Hochzeitsgäste – die Tischordnung – eröffnet dem Leser dabei bereits eine grobe Dichotomie: die westdeutschen Gäste sitzen den ostdeutschen Gästen gegenüber.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Status Quo der deutschen Einheit und führt in die Thematik von Günter Grass’ Roman „Ein weites Feld“ als differenzierte literarische Auseinandersetzung mit der Wendezeit ein.
2. Grass und die Literatur in der deutschen Nachwendezeit: Dieses Kapitel analysiert den ideologischen Literaturstreit nach der Wiedervereinigung und stellt Günter Grass’ politisches Engagement sowie sein literarisches Bestreben, ein komplexes Bild der Wende zu zeichnen, dar.
3. Die Hochzeitsgesellschaft: Der Hauptteil untersucht die als Allegorie fungierende Hochzeitsgesellschaft, beleuchtet die Rolle des Erzählers und analysiert die verschiedenen Figuren als gesellschaftliche Prototypen.
4. Spannungsfeld der Vielstimmigkeit: Hier werden die zwischen den Figuren resultierenden Spannungsfelder, wie Ostalgie, Identitätskonflikte und das dominante Einheitsnarrativ, anhand der Romanhandlung kritisch diskutiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass „Ein weites Feld“ durch eine vielstimmige, allegorische Struktur ein kritisches Spiegelbild der komplexen gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland bietet.
Günter Grass, Ein weites Feld, deutsche Wiedervereinigung, Hochzeitsgesellschaft, Vielstimmigkeit, DDR, Identität, Ostalgie, Vergangenheitsbewältigung, Literatur, Gesellschaft, Erzählstruktur, gesellschaftliche Prototypen, Transformationsphase, Erinnerungskultur.
Die Arbeit analysiert Günter Grass’ Roman „Ein weites Feld“ als kritische Allegorie auf die deutsche Wiedervereinigung, indem sie die Vielstimmigkeit einer fiktiven Hochzeitsgesellschaft als Spiegel gesellschaftlicher Spannungen untersucht.
Zentrale Themen sind die Wahrnehmung der Wiedervereinigung, der Umgang mit der ostdeutschen Vergangenheit, die Konstruktion nationaler Identität sowie die Konfrontation zwischen ost- und westdeutschen Lebensrealitäten.
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, inwieweit die Hochzeit im Roman als Allegorie der Vereinigung zweier Länder gelesen werden kann und wie die Vielstimmigkeit der Figuren zur kritischen Reflexion über den Einigungsprozess beiträgt.
Die Arbeit nutzt eine erzähltechnische Analyse, um die Position des Erzählers zu bestimmen, kombiniert mit einer Analyse der Romanfiguren als gesellschaftliche Prototypen und dem Vergleich mit relevanter Fachliteratur.
Im Hauptteil werden die einzelnen Figuren der Hochzeitsgesellschaft, wie Martha Wuttke, Heinz-Martin Grundmann und Theo Wuttke, auf ihre Bedeutung als gesellschaftliche Prototypen hin untersucht und in das Spannungsfeld zeitgeschichtlicher Diskurse eingeordnet.
Wichtige Schlüsselwörter sind Vielstimmigkeit, Allegorie, Identität, Ostalgie, Vergangenheitsbewältigung und die Auseinandersetzung mit der deutschen Nachwendezeit.
Der Erzähler wird als „Erzählerkollektiv“ („Wir vom Archiv“) verstanden, dessen extradiegetische, aber teilweise unzuverlässige Position den Leser dazu anregt, die verschiedenen Perspektiven und Interpretationen aktiv zu bewerten.
Die Hochzeit dient als „moment suprême“, da hier zum ersten Mal ost- und westdeutsche Charaktere in einer Situation aufeinandertreffen, die keinen staatlichen Restriktionen unterliegt, und somit unverfälschte gesellschaftliche Dialoge und Spannungen sichtbar werden.
Die Arbeit beleuchtet die Ambivalenz von Fonty als kritischer Intellektueller, der einerseits als Spitzelquelle agiert, jedoch gleichzeitig als Symbol für einen differenzierten, nicht schwarz-weiß gezeichneten ostdeutschen Erfahrungshorizont steht.
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