Bachelorarbeit, 2020
32 Seiten, Note: 1
Diese Bachelorarbeit untersucht die grundlegende Frage „Was sind Spezies?“ aus verschiedenen philosophischen Blickwinkeln, insbesondere im Kontext des kritischen Posthumanismus. Sie problematisiert gängige Definitionen und den ontologischen Status von Spezies, um einen verantwortungsvollen und ethischen Umgang mit der Einteilung von Lebensformen zu entwickeln.
Über Spezies – Kriterien zur Unterteilung
Auf die Frage, wie Arten als solche eingeteilt werden können, ist die älteste Antwort ein morphologisches (engl: typololigcal) Konzept (Godfrey-Smith 2004: S.100). Diese zumindest bis auf Aristoteles zurückgehenden Versuche Arten aufzuteilen, sehen Organismen als Teil einer Gruppe, ihrer Spezies, mit der sie gewissen Eigenschaften teilen. Spezies wiederum teilen sich Eigenschaften mit anderen und bilden höhere Einheiten, wie Familien, Ordnungen oder Reiche. Dieses wahrscheinlich auf den ersten Blick bekannte, essentialistische Modell führt spätestens angesichts Darwinistischer Evolutionsbiologie zu Problemen (Godfrey-Smith 2014: S.101). Denn darin sind Arten in stetiger Veränderung begriffen, die es ihnen erlaubt natürlicher Selektion zu trotzen und genug Nachwuchs zu zeugen. Damit gehen Evolution und Essenzen angesichts der Veränderungen, die alle Spezies unentwegt durchlaufen, nur schwer Hand in Hand, obwohl dies nicht zu einem Ausschluss des morphologischen Modells führt. Eine Anpassung an diese veränderte Ausgangslage kann es so sein, nicht mehr eine Liste an unveränderlichen Merkmalen zu erstellen, sondern im Gegenteil Arten nach genereller Übereinkunft (orig: overall similarity) einzuordnen (Godfrey-Smith 2014: S.101). Dies findet anhand einer Gruppe an Eigenschaften statt und bündelt Organismen damit zu Arten zusammen. Dies wird als phenetic view bezeichnet. Doch ergeben sich ebenso für dieses Modell Probleme (Godfrey-Smith 2014: S. 101f). So gibt es viele unterschiedliche Arten von Fruchtfliegen, die dieselben Bündel an Eigenschaften vorweisen. Obwohl diese Kritik ein anderes Konzept von Arten voraussetzt (die verschiedenen Fruchtfliegenarten sind nur eine Art), gibt es in Bezug auf viele Fischarten Unterschiede zwischen als männlich und weiblich markierten Fischen, darunter etwa Anglerfischen (Godfrey-Smith 2014: S. 102).
Eine andere Möglichkeit der Unterteilung schlägt Godfrey-Smith darin vor, Arten in reproduktive Gemeinschaften einzuteilen (Godfrey-Smith 2014: S.102). Höhere Einheiten wären, dieser Analyse nach, allein fiktive Ansammlungen von real existierenden Arten. Ernst Mayr, der als einer der bekanntesten Befürworter dieses Systems vorgestellt wird, gibt dafür die folgende Einteilung: „groups of actually or potentially interbreeding natural populations which are reproductively isolated from other such groups.” (Mayr in Godfrey-Smith 2014: S. 102). Diese Definition geht durch die Betonung der Möglichkeit im Gegensatz zum tatsächlich stattfindenden reproduktiven Erfolg dem Einwand voraus, dass es innerhalb von Populationen immer Individuen gibt, die sich selbst nicht reproduktiv miteinander verbinden können, und doch gemeinsame Nachkommen haben können, wie viele als gleichgeschlechtlich markierte Individuen innerhalb von Spezies.
Einleitung: Stellt die Forschungsfrage "Was sind Spezies?" vor und beleuchtet die vielschichtigen Probleme bei der Definition biologischer Arten, führt in die philosophischen Perspektiven von Godfrey-Smith, Barad und Haraway ein und betont die ethischen Implikationen.
Kapitel 1: Was sind Spezies?: Untersucht die Sicht der Philosophie der Biologie, insbesondere von Peter Godfrey-Smith, bezüglich der Kriterien zur Einteilung von Arten und deren ontologischem Status, wobei verschiedene Spezieskonzepte und ihre Grenzen beleuchtet werden.
Kapitel 2: Karen Barads Agentischer Realismus: Erörtert Karen Barads agentischen Realismus, der die Trennung von Materiellem und Kulturellem aufhebt und eine relational-ontologische Perspektive auf Spezies und wissenschaftliche Praktiken bietet, einschließlich der ethischen Dimension von Grenzziehungen.
Kapitel 3: Donna Haraways Situiertes Wissen: Präsentiert Donna Haraways Konzept des situierten Wissens als Kritik am objektivistischen Blick und plädiert für eine partiale, verkörperte Objektivität, die die Wirkmächtigkeit von Wissensobjekten und deren materiell-semiotische Konstitution hervorhebt.
Kapitel 4: Schluss: Fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen, indem es einen "unruhigen, agentischen Blick auf Spezies" postuliert, der die Komplexität und Relationalität von Spezies anerkennt und eine untrennbare Verbindung zwischen Ethik, Ontologie und Wissen betont.
Spezies, Arten, Philosophie der Biologie, Posthumanismus, Agentischer Realismus, Situiertes Wissen, Ontologie, Epistemologie, Karen Barad, Donna Haraway, Peter Godfrey-Smith, Evolution, Grenzziehungen, Materielle Praktiken, Verantwortung, Ethik, Kritter.
Die Arbeit befasst sich mit der grundlegenden Frage, was biologische Spezies sind, und kritisiert traditionelle Definitionsansätze aus einer posthumanistischen Perspektive, um zu einem verantwortungsvolleren Verständnis von Arten und ihren ethischen Implikationen zu gelangen.
Zentrale Themenfelder sind die Philosophie der Biologie, die Kritik an klassischen Spezieskonzepten, der agentische Realismus von Karen Barad, das situierte Wissen von Donna Haraway sowie die ethischen und ontologischen Aspekte von Artenklassifikationen.
Das primäre Ziel ist es, die Frage "Was sind Spezies?" umfassend zu untersuchen, die Grenzen bestehender Arteneinteilungen zu problematisieren und eine kritisch-posthumanistische Replik auf diese Frage zu formulieren, die auch ethische Dimensionen einbezieht.
Die Arbeit verwendet eine philosophisch-analytische Methode, die auf der Analyse und Kritik bestehender Konzepte der Philosophie der Biologie sowie den theoretischen Rahmen des agentischen Realismus und des situierten Wissens aufbaut.
Der Hauptteil behandelt zuerst die Kriterien zur Unterteilung und den ontologischen Status von Spezies nach Peter Godfrey-Smith, gefolgt von einer tiefgehenden Analyse von Karen Barads agentischem Realismus und Donna Haraways situiertem Wissen im Hinblick auf die Speziesfrage.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Spezies, Philosophie der Biologie, Posthumanismus, Agentischer Realismus, Situiertes Wissen, Ontologie, Epistemologie, Grenzziehungen und Ethik.
Die Arbeit zeigt auf, dass morphologische, reproduktive und phylogenetische Spezieskonzepte an ihre Grenzen stoßen, wenn es darum geht, die Vielfalt des Lebens (z.B. bei Bakterien oder asexuellen Organismen) eindeutig zu klassifizieren, und hinterfragt deren zeitliche und ontologische Stabilität.
Ethik wird in der Arbeit als untrennbar mit epistemologischen und ontologischen Fragen verbunden betrachtet. Es geht um die Verantwortung, die mit dem Ziehen von Grenzen und dem Umgang mit Spezies einhergeht, und darum, wie dies den Blick auf menschliche und nicht-menschliche Akteure prägt.
Barads agentischer Realismus vermeidet beide Extreme, indem er weder eine unabhängige, objektiv existierende Welt postuliert (naiver Realismus) noch die Realität rein als soziale Konstruktion betrachtet (Sozialkonstruktivismus), sondern materielle und kulturelle Kräfte in der Erzeugung von Ontologie als "Intraaktionen" zusammenführt.
Haraway versteht situiertes Wissen als eine partielle, verkörperte Perspektive, die Objektivität durch die Anerkennung vielfältiger, begrenzter Blickwinkel erreicht. Sie kritisiert den "göttlichen Trick" als die Illusion eines allmächtigen, distanzierten Blicks von nirgendwo, der Machtstrukturen verfestigt und die eigene Position und deren Implikationen verleugnet.
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