Masterarbeit, 2025
93 Seiten, Note: 1,6
1. Einleitung
2. Die Stellung von Selbstbildnissen in SBZ und DDR
3. Formen kollektiver Selbstbildnisse in SBZ und DDR
3.1. Rückgriff auf altmeisterliche Vorbilder
3.1.1. Neuorientierung im Selbstbildnis der Nachkriegszeit
3.1.2. Der sozialistische Staatskünstler als Deus Artifex
3.2. Der Künstler als gleichgestellter Arbeiter
3.2.1. Das Selbstporträt im sozialistischen Wandbild
3.2.2. Begegnungen von Künstlern und Arbeitern
3.3. Gemeinschaft und Individuum
3.3.1. Freunde, Künstlergruppen und Dissidenten
3.3.2. Multiple Selbstbefragung
4. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und die spezifischen Merkmale kollektiver Selbstbildnisse in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR, mit dem Ziel nachzuweisen, dass das Selbstverständnis der Künstler in dieser Ära maßgeblich durch die staatlich verordnete Kollektivität geprägt wurde.
3.1.1. Neuorientierung im Selbstbildnis der Nachkriegszeit
Ein in der DDR viel publiziertes Selbstbildnis der Nachkriegszeit ist Otto Griebels „Selbstbildnis gemalt nach der Zerstörung Dresdens“ aus dem Jahr 1945. (Abb. 1) Augenscheinlich ist das Bildnis ein Zitat spätmittelalterlicher Porträttypen. Zum einen ist an der Wand in der oberen linken Ecke ein Cartellino, ein verstecktes Schriftbanner, wie sie seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts Verwendung fanden, mit dem Titel des Bildes und der Signatur des Künstlers befestigt. Zum anderen hat der Künstler sich in klassischer Pose im Dreiviertelprofil nach links gedreht, vor einer dunklen Wand mit einer Fensteröffnung dargestellt. Der obligatorische Blick aus dem Fenster im Mittelgrund zeigt keine unbedeutende Landschaft, sondern das lodernde Flammeninferno nach der Bombardierung Dresdens am 14. Februar 1945. Griebel verzieht im Angesicht dieses entsetzlichen Ereignisses kaum die Miene. „Die ernste Gelassenheit des Künstlers und die deutliche Trennung von Innen- und Außenraum vermitteln den Eindruck eines distanzierten, aber nichts desto weniger sorgenvollen Rückblicks auf das Geschehene.“ Griebels Blick ist auf den Betrachter gerichtet, mit der erhobenen linken Hand hält er eine Weizenähre vor sich. Die Ähre war nicht nur ein Symbol der Nationalsozialisten, sondern wurde auch zum Leitmotiv im Arbeiter- und Bauernstaat. Sie versinnbildlicht in dem Bildnis „Hoffnung auf Saat und Ernte und auf den sich ordnenden Kreislauf des Lebens“.
Allgemein lässt sich, in den Selbstbildnissen der ersten Nachkriegsjahre eine deutliche Tendenz zum „klassischen Selbstporträttypus“ erkennen. Innerhalb der Kunstpolitik der DDR, in der die Legitimation des Staates im Vordergrund stand, bedeutete die Orientierung an traditionellen Verfahren der Vergangenheit zunehmend eine künstlerische Selbstbehauptung außerhalb staatlicher Wertvorstellungen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie sich das künstlerische Selbstverständnis durch kollektive Strukturen in der SBZ und DDR veränderte.
2. Die Stellung von Selbstbildnissen in SBZ und DDR: Dieses Kapitel erläutert die untergeordnete Rolle der Gattung Selbstporträt in der offiziellen Kunstpraxis und ihre ideologische Instrumentalisierung.
3. Formen kollektiver Selbstbildnisse in SBZ und DDR: Der Hauptteil analysiert verschiedene Typologien des Selbstbildnisses, von der Rückbesinnung auf alte Meister bis hin zur Inszenierung als Arbeiter oder Teil einer Gemeinschaft.
4. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse über die Transformation künstlerischer Selbstdarstellung im Kontext der sozialistischen Gesellschaft zusammen.
Selbstbildnis, DDR-Kunst, Sozialistischer Realismus, Künstlerkollektiv, Arbeiterbild, SBZ, Kunstgeschichte, Kollektivität, Selbstporträt, Bildtradition, Ideologie, Moderne, Bildende Kunst, Identität, DDR.
Die Arbeit untersucht, wie Künstler in der SBZ und der späteren DDR ihr eigenes Bildnis gestalteten und wie dieser Prozess durch die geforderte Kollektivität und staatliche Ideologie beeinflusst wurde.
Zu den zentralen Themen gehören die Beziehung zwischen Individuum und Kollektiv, die Rolle des Künstlers im Arbeiter- und Bauernstaat sowie die Aneignung tradierter Bildmotive für zeitgenössische politische Zwecke.
Das Ziel ist der Nachweis, dass das Selbstverständnis der Künstler in der DDR maßgeblich durch die Unterordnung unter kollektive gesellschaftliche Anforderungen bestimmt war.
Die Arbeit nutzt eine chronologisch aufgebaute kunsthistorische Bildanalyse, um verschiedene Werkgruppen und deren Transformation über den Untersuchungszeitraum hinweg zu beleuchten.
Der Hauptteil analysiert die Rückgriffe auf altmeisterliche Vorbilder, den Typus des Künstlers als Arbeiter sowie die informellen Wege, die Künstlergruppen bei der Suche nach individueller und gemeinschaftlicher Identität beschritten.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Selbstbildnis, Sozialistischer Realismus, DDR-Kunst, Künstlerkollektiv und die Spannung zwischen privater Selbstbefragung und öffentlichem Auftrag.
Der "Bitterfelder Weg" forderte den Kontakt zwischen Künstlern und Arbeitern; dies schlug sich in Werken nieder, in denen Künstler sich selbst als Teil oder Beobachter der arbeitenden Klasse im Atelier oder Betrieb inszenierten.
Die Inszenierung als gottgleicher Schöpfer (Deus Artifex), wie bei Werner Tübke, stand im direkten Widerspruch zum marxistischen Ideal des Künstlers als Arbeiter und führte häufig zu kunstpolitischen Konflikten.
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