Diplomarbeit, 1990
66 Seiten, Note: 2,5
Diese Diplomarbeit beleuchtet tiefgehend die Dynamik von Frauenbeziehungen, insbesondere vor dem Hintergrund der Mutter-Tochter-Beziehung. Das Hauptziel ist es, die komplexen psychologischen, sozialen und generationsübergreifenden Faktoren zu analysieren, die die Identitätsentwicklung und Machtstrukturen zwischen Frauen prägen, und dabei auch Lösungsansätze für Konflikte aufzuzeigen.
Magersucht - Ein Kampf um Identität und Macht? Ein Kampf um den Status einer Erwachsenen Frau?
Neben der Suche nach einer eigenen Identität schildert Sheila Mac Leod wesentliche Bereiche ihrer Mutter-Tochter-Beziehung. "Auch gegen meine Mutter hegte ich Groll, Ich fand, dass sie meine Partei hätte ergreifen und mich irgend- wie vor meinem Vater hätte verteidigen müssen... Doch fügte sie sich entweder gleich oder am Ende, und ich war wütend über ihre Nachgiebigkeit, und zwar nicht nur wegen der Folgen für mich, sondern weil ich nicht verstand, dass sie, eine Erwachsene, ihm nicht die Stirn bieten wollte oder konnte." (ebenda S.52) Wütend gemacht hat sie meiner Einschätzung nach auch die Situation, dass ihre Mutter ihr gegenüber Macht ausübte, während sie sich selber als ohnmächtig dar- stellte. Ein wichtiger Bereich in der Identitätsfindung von Frauen ist die Sensation der Menstruation, die von Sheila Mac Leod allerdings weniger als Sensation erlebt wird. “Ich bekam meine erste Regel ziemlich spät, mit fast Fünfzehn, und zwar während des Schuljahres. Ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet .. .Ich glaube, das Problem bestand darin, dass ich niemals offiziell - d. h. von einem Erwachsenen darüber informiert worden war und so dieses Wissen irgendwie von mir fern- gehalten und nicht mit mir, mit meinem eigenen Körper in Verbindung gebracht hatte." (ebenda S.61)
Sie schreibt weiter : “Das Geheimnisvolle, mit dem in meiner Jugend die Menstruation umgeben war, war ein Zeichen für den minderwertigen Status von Frauen in der Gesellschaft." (ebenda S.64) Wäre es nicht sinnvoll, an dies er Stelle zu schreiben, ein Zeichen für den minderwertigen Status von Frauen unter Männern und ein Zeichen für den minderwertigen Status von Frauen unter Frauen? Aus ihrer weiteren Darstellung der Situation lässt sich unschwer erahnen, dass es sich um eine reine Frauen- welt handelt, in der das Erleben von Menstruation totgeschwiegen wird. "Wenn ein Mädchen ihre Periode erwartete, trug sie sich in ein kleines rotes Buch ein, das an einer Schnur am Medikamentenschrank hing, und eine Aufseherin leg- te dann diskret ein sperriges Bindenpaket in den Wäscheschrank der Betreffenden... Vielleicht scheuerte es bei mir noch mehr als gewöhn- lich und ließ noch mehr durch, weil meine Mutter sol- che Dinge für überflüssig hielt und mir keinen Binden- gürtel schickte. Jedesmal kam meine Unterwäsche mit der Bemerkung aus der Wäscherei zurück:"sehr stark verschmutzt." Ich empfand mich selbst als Verschmutzungs- ursache, und mir graute immer mehr vor meiner Periode, besonders weil ich nie genau wußte,wann ich sie be- kommen würde. Über diese ganzen Angelegenheiten wurde kaum geredet, nicht einmal unter den Mädchen selbst." (ebenda S. 64) Aus Sheila Mac Leods Ausführungen lässt sich erkennen, dass sich zu keinem Zeitpunkt eine andere/ ältere Frau Oder wie Sheila Mac Leod schreibt, ein Erwachsener, die Mühe gemacht hat, sie an den Status einer erwachsenen Frau heranzuführen.
Vorwort: Die Autorin reflektiert über die Schwierigkeiten beim Zugang zum Thema Frauenbeziehungen und betont die Bedeutung anderer Frauen für ihre eigene Entwicklung.
1. Die Darstellung der Mutter-Tochter-Beziehung in der Psychoanalyse: Dieses Kapitel beleuchtet Freuds, Oliviers und Deutschs psychoanalytische Perspektiven auf die Mutter-Tochter-Beziehung und die damit verbundenen Konflikte wie Neid und Eifersucht.
2. Die andere Göttinnen - Von der Bedeutung der Frauen außerhalb der Mutter-Tochter-Beziehung: Es wird untersucht, wie andere Frauen neben der Mutter eine entscheidende Rolle in der Identitätsentwicklung der Tochter spielen und ambivalente Gefühle innerhalb der Mutter-Tochter-Beziehung beleuchten können.
3. Was hat mir meine Mutter mit auf den Weg gegeben (was hat Sie mir nicht mitgegeben) und was haben mir andere Frauen mit auf den Weg gegeben?: Die Autorin schildert persönliche Erfahrungen einer Pubertätskrise und die unterstützende Rolle einer Tante, die Solidarität und Akzeptanz jenseits der mütterlichen Beziehung bot.
4. Magersucht - Ein Kampf u Identität und Macht? Ein Kampf um den Status einer Erwachsenen Frau?: Magersucht wird als Kampf um Identität und gegen Fremdbestimmung im Kontext der Mutter-Tochter-Beziehung analysiert, wobei auch die Rolle der Menstruation und die Projektion mütterlicher Perfektion thematisiert werden.
5. Das Märchen „Der süße Brei“ - Beschreibung eines Statuswechsels zwischen Mutter und Tochter: Das Märchen wird als Symbol für den Macht- und Statuswechsel zwischen Mutter und Tochter interpretiert, wobei das Töpfchen die generative Macht repräsentiert und die Mutter ihre Kontrolle verliert.
6. Das unbewusste Programm - Vom Erlernen der Frauenrollen durch das Vorbild der Mutter bis zur Machtlosigkeit gegenüber dem „Zauberspruch einer bösen Fee": Dieses Kapitel beschreibt die generationsübergreifende Weitergabe von Verhaltensmustern, Ängsten und Einstellungen von Müttern an Töchter, insbesondere im Hinblick auf Männer und Sexualität.
7. Frauenbeziehungen - Die Beziehung zu Frauen- die Beziehung zu einer Frau - die Beziehung einer Frau zu sich selbst: Anhand einer Kurzgeschichte von Marie Luise Kaschnitz wird der innere Kampf um Selbstakzeptanz und Transformation im Rahmen weiblicher Beziehungen diskutiert.
8. Schlusswort: Die Autorin zieht ein positives Fazit ihrer Arbeit, hebt die Bedeutung externer weiblicher Unterstützung hervor und kritisiert den Mangel an weiblichen Vorbildern und Konfliktlösungsmodellen in traditionellen Erzählungen.
Frauenbeziehungen, Mutter-Tochter-Beziehung, Psychoanalyse, Identitätsentwicklung, Magersucht, Machtdynamiken, Konkurrenz, Solidarität, Menstruation, weiblicher Masochismus, Märcheninterpretation, Generationskonflikt, Frauenrollen, Weibliche Autonomie, Psychologie.
Die Arbeit befasst sich mit der komplexen Natur von Frauenbeziehungen, wobei der Fokus auf der Mutter-Tochter-Beziehung liegt und deren Einfluss auf die Identität und Entwicklung von Frauen analysiert wird.
Zentrale Themenfelder umfassen die psychoanalytische Betrachtung der Mutter-Tochter-Beziehung, die Rolle anderer weiblicher Bezugspersonen, individuelle Erfahrungen von Krisen wie Magersucht, die symbolische Interpretation von Märchen sowie die generationsübergreifende Weitergabe von Rollen und Ängsten.
Das primäre Ziel ist es, die Macht- und Beziehungsdynamiken innerhalb von Frauenbeziehungen zu verstehen und aufzuzeigen, wie diese die weibliche Identitätsfindung beeinflussen und welche Möglichkeiten zur Konfliktlösung und Stärkung der Autonomie bestehen.
Die Arbeit verwendet eine qualitative, explorative Herangehensweise, die psychoanalytische Theorien, autobiographische Berichte, Fallstudien und die Interpretation von Märchen und Literatur miteinander verbindet, um tiefere Einblicke in die psychischen und sozialen Prozesse zu gewinnen.
Der Hauptteil behandelt die Darstellungen der Mutter-Tochter-Beziehung in der Psychoanalyse (Freud, Olivier, Deutsch), die Bedeutung anderer Frauen, persönliche Erfahrungen mit Krisen (Magersucht), die Analyse des Märchens "Der süße Brei" sowie die Auswirkungen unbewusster Programme und gesellschaftlicher Frauenrollen.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Frauenbeziehungen, Mutter-Tochter-Beziehung, Psychoanalyse, Identitätsentwicklung, Magersucht, Machtdynamiken und Generationskonflikt.
Die Arbeit argumentiert, dass die Theorie des Penisneids den Blick auf andere, möglicherweise relevantere Ursachen von Neid und Eifersucht zwischen Mutter und Tochter verstellt und eine überflüssige Umwegerklärung darstellt.
Andere Frauen spielen eine entscheidende Rolle als Identifikationsmodelle, Unterstützerinnen und Quellen von Solidarität, die der Tochter helfen, sich von der mütterlichen Prägung zu lösen und eine eigene erwachsene Identität zu entwickeln, insbesondere in Zeiten der Krise.
Das Märchen "Der süße Brei" symbolisiert durch das "Töpfchen" und die Worte, die es zum Kochen bringen oder stoppen, die generative Macht und den Statuswechsel von der Mutter zur Tochter. Das Überkochen des Breis steht für den Kontrollverlust der Mutter und die Notwendigkeit des Generationswechsels.
Die Arbeit stellt fest, dass die Aufwertung der Menstruation als Sensation im Leben einer Frau nicht nur biologisch, sondern direkt mit der gesellschaftlichen Rolle der Frau und ihrer Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung zusammenhängt, jenseits rein biologischer Funktionen.
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