Bachelorarbeit, 2025
78 Seiten, Note: 1,56
1. Einleitung
1.1 Forschungshintergrund
1.2 Literaturüberblick
1.2.1 Inhaltsangabe zu Ludwig Tiecks Version von Der gestiefelte Kater
1.2.2 Der gestiefelte Kater und Forschungsstand des Werks im In- und Ausland
1.2.3 Romantische Ironie und Kunstmärchen: Forschungsstand und dessen Entwicklung
1.3 Bedeutung und Zielsetzung
2. Theoretischer Rahmen: Romantische Ironie und Kunstmärchen als doppelte Dekonstruktionsmethoden
2.1 Konzeption der romantischen Ironie
2.1.1 Einleitung
2.1.2 Friedrich Schlegels Theorie der romantischen Ironie
2.1.3 Entwicklung der Theorie der romantischen Ironie und Tiecks praktische Neugestaltung
2.2 Konzeption des Kunstmärchens
2.2.1 Ursprung und Merkmale des Kunstmärchens
2.2.2 Ludwig Tiecks Der gestiefelte Kater als Praxis des Kunstmärchens
2.3 Doppelte Dekonstruktion: Die kritische Verbindung von romantischer Ironie und Kunstmärchen
3. Romantische Ironie und Kunstmärchen als Werkzeuge der Tieckschen Kulturkritik
3.1 Dekonstruktion der Empfindsamkeit: Tiecks Parodie der populären Gefühlskultur
3.2 Tiecks Kritik an trivialliterarischen Konventionen im Gestiefelten Kater
3.2.1 Jenseits der Formel: Tiecks Dekonstruktion trivialliterarischer Konventionen am Beispiel der „Geistergeschichte“
3.2.2 Tiecks Kritik am oberflächlichen Exotismus im zeitgenössischen Drama
3.3 Ironische Brechungen: Tiecks Dialog mit literarischen Autoritäten
4. Machtspiegel und Zeitkritik: Die vielschichtige politische Satire in Tiecks Der gestiefelte Kater
4.1 Verspottung der Monarchie und höfische Zustände: Preußische Spiegelungen im Schatten Friedrich Wilhelms II.
4.1.1 Die Satire auf die Königsfigur – Anspielung auf die Verblendung und Ohnmächtigkeit Friedrich Wilhelms II.
4.1.2 Die Satire auf das höfische Milieu – Ein Nährboden für Verstellung, Gefühlsschwelgerei und intellektuelle Armut
4.2 Literaturparodie und Zensurumgehung: Die doppelte Satire auf Kotzebues Possen und den Prinzen von Malsinki
4.2.1 Die politische Anspielungsebene des Prinzen von Malsinki – Hinweis auf den russischen Zaren Paul I.
4.2.2 Satirische Kunst unter Zensurbedingungen: Literaturkritik als „Rauchvorhang“
4.3 Der Mythos des „Dritten Standes“ und das Wesen des Machtspiels: Eine satirische Allegorie auf Revolutionsdesillusionierung und Neuordnung
4.3.1 Die satirische Darstellung der Herrschaft des „Dritten Standes“: Die Aushöhlung revolutionärer Ideale
4.3.2 Das Wesen des Machtwechsels – Hinzes Manipulation und Gottliebs Marionettendasein: Eine allegorische Dekonstruktion der „Realpolitik“
4.4 Fazit
5. Schlussfolgerung
Diese Arbeit analysiert Ludwig Tiecks Komödie Der gestiefelte Kater unter dem Aspekt der „doppelten Dekonstruktion“, wobei die theoretischen Konzepte der romantischen Ironie und des Kunstmärchens genutzt werden, um die tiefgreifende Kulturkritik und politische Satire des Werkes freizulegen.
1.1 Forschungshintergrund
Ludwig Tiecks Der gestiefelte Kater wurde 1797 in Berlin im Verlag von Carl August Nicolai, dem Sohn Friedrich Nicolais, veröffentlicht. Dass Friedrich Nicolai selbst ein Aufklärer war und dieses Werk mit seinen deutlich anti-aufklärerischen Zügen verlegte, stellt an sich bereits eine tiefgreifende Ironie dar. Das Stück erschien im zweiten Band der dreibändigen Sammlung Volksmärchen von Peter Leberecht, die Tieck unter dem Pseudonym Peter Leberecht herausgab. Diese Sammlung enthielt neben dem Gestiefelten Kater auch bedeutende Werke wie Der blonde Eckbert und Ritter Blaubart. Allein die Betitelung dieser Sammlung hochartifizieller und selbstreflexiver Texte als Volksmärchen besitzt programmatischen und ironischen Charakter. Tieck spielte damit geschickt den Erwartungen des Publikums an die Einfachheit und Naivität von „Volksmärchen“ und spiegelte zugleich die romantische Auseinandersetzung mit Volkspoesie und mündlicher Überlieferung wider.
1. Einleitung: Dieses Kapitel legt den Forschungshintergrund dar, bietet einen Literaturüberblick zu Ludwig Tiecks Werk und definiert die Ziele sowie den Umfang der Untersuchung.
2. Theoretischer Rahmen: Romantische Ironie und Kunstmärchen als doppelte Dekonstruktionsmethoden: Hier werden die zentralen theoretischen Konzepte erläutert, die zur Analyse der doppelten Dekonstruktion bei Tieck dienen.
3. Romantische Ironie und Kunstmärchen als Werkzeuge der Tieckschen Kulturkritik: Das Kapitel analysiert, wie Tieck mittels Parodie und ironischer Brechungen zeitgenössische literarische Konventionen und die Empfindsamkeit dekonstruiert.
4. Machtspiegel und Zeitkritik: Die vielschichtige politische Satire in Tiecks Der gestiefelte Kater: Dieser Teil untersucht die satirische Auseinandersetzung mit dem preußischen Königshof, höfischer Korruption und politischen Umbrüchen der damaligen Zeit.
5. Schlussfolgerung: Das letzte Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse der Analyse zusammen und reflektiert die Bedeutung von Tiecks Werk für die frühromantische Literatur.
Ludwig Tieck, Der gestiefelte Kater, Romantische Ironie, Kunstmärchen, politische Satire, Kulturkritik, Frühromantik, doppelte Dekonstruktion, Literaturparodie, Zensur, Friedrich Schlegel, Preußen, Aufklärung, Metatheater, Machtmissbrauch.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Komödie Der gestiefelte Kater von Ludwig Tieck und untersucht, wie der Autor durch die Kombination von romantischer Ironie und Kunstmärchen eine komplexe Kulturkritik und politische Satire entfaltet.
Die zentralen Themen umfassen die Dekonstruktion literarischer und gesellschaftlicher Konventionen, die Rolle der Romantischen Ironie als kritisches Instrument sowie die satirische Darstellung politischer Machtstrukturen im späten 18. Jahrhundert.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Tieck durch die Strategie der „doppelten Dekonstruktion“ sowohl die damalige Theaterästhetik als auch die soziopolitischen Zustände im Preußen unter Friedrich Wilhelm II. ironisch hinterfragt und kritisiert.
Die Arbeit stützt sich auf eine detaillierte Textlektüre (Close Reading) und verbindet diese mit literaturtheoretischen Ansätzen, insbesondere der Romantiktheorie von Friedrich Schlegel, um die metadramatischen und satirischen Ebenen des Werks zu entschlüsseln.
Der Hauptteil analysiert, wie Tieck die Gattungsmerkmale des Kunstmärchens zur Verspottung der Empfindsamkeit nutzt, literarische Autoritäten parodiert und eine tiefgründige politische Satire über das Herrschaftssystem und die Revolutionsideale seiner Zeit konstruiert.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Romantische Ironie, Metatheater, politische Satire, Dekonstruktion, Kulturkritik und das Konzept des Kunstmärchens geprägt.
Die Arbeit legt dar, dass die Zensur unter Friedrich Wilhelm II. Tieck dazu zwang, politische Kritik indirekt und durch „Rauchvorhänge“ (wie Literaturparodie) zu formulieren, um die „plausible Abstreitbarkeit“ seiner satirischen Aussagen zu wahren.
Hinze fungiert nicht nur als zentrale märchenhafte Figur, sondern als intelligenter Manipulator, der stellvertretend für einen machiavellistischen Pragmatismus steht und dadurch satirische Einblicke in Mechanismen von Machtwechseln und Realpolitik gibt.
Die Arbeit zeigt auf, dass Tieck durch die Figur des „Gottlieb“ und das Zitat über den „Dritten Stand“ eine kritische und desillusionierte Haltung gegenüber der Radikalisierung und den Idealen der Revolution einnimmt, was auf eine Tendenz zum Konservatismus hindeutet.
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