Diplomarbeit, 2010
111 Seiten, Note: 1
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
1 Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Forschungsfragen
1.3 Inhalt und Aufbau
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Zum Begriff der „Inneren Emigration“
2.2 Zeitgeist vs. Zeugenschaft
2.3 Das Spannungsverhältnis zwischen Identifikation und Identifizierung
2.4 Voraussetzungen des Schreibens im Nationalsozialismus
2.5 Historische Camouflage
2.6 Zum Verhältnis von Literatur und Politik
2.7 Naturlyrik
3 Ausgewählte deutsche Schriftsteller der inneren Emigration
3.1 Werner Bergengruen
3.1.1 Zum Autor
3.1.2 Werner Bergengruens Werk – Kurze Übersicht
3.1.3 Bergengruens Lyrik
3.1.4 „Der Großtyrann und das Gericht“ (1935)
3.1.5 „Am Himmel wie auf Erden“ (1940)
3.2 Reinhold Schneider
3.2.1 Zum Autor
3.2.2 Reinhold Schneiders Werk – Kurze Übersicht
3.2.3 „Las Casas vor Karl V.“ (1938)
3.3 Ernst Wiechert
3.3.1 Zum Autor
3.3.2 Ernst Wiecherts Werk – Kurze Übersicht
3.3.3 „Der weiße Büffel oder von der großen Gerechtigkeit“ (1937)
3.3.4 „Einfaches Leben“ (1939)
4 Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Werke ausgewählter Autoren der „Inneren Emigration“ – Werner Bergengruen, Reinhold Schneider und Ernst Wiechert – als Opposition oder Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu verstehen sind und ob die Autoren als Zeugen der NS-Verbrechen oder als Mitwisser agierten.
2.5 Historische Camouflage
So umstritten wie die „Innere Emigration“ allgemein ist auch die Anwendung der Technik der historischen Camouflage, die einige Autoren und Analysten für konstitutiv für diese Literaturrichtung halten, während andere, wie Ernst Jünger, diese Bezeichnung für ihre Art zu Schreiben ablehnten. Verständlich ist diese Ablehnung angesichts des Anrüchigen, welches der Literatur anhaftet, die nicht eindeutige Anti-Nazi-Position beziehen konnte, sondern innerhalb der Grenzen des Deutschen Reichs erzeugt und auch publiziert werden sollte, wobei es sowohl der Camouflage einerseits, andererseits aber auch der Anbiederung an die allgewaltigen Machthaber bedurfte, wie Charles w. Hoffmann betont:
„Veröffentlichen bedeutete per Definition, etwas getarnt auszudrücken und Kompromisse zu schließen. Und wenn auch die Erwartung gerechtfertigt ist, daß auf wirkliche Opposition bedachte Autoren daher für eine heimliche Verbreitung hätten schreiben sollen, gibt es einige zwingende Gründe für die Einschränkung der Erwartung, daß solche Werke die Menschen auf die Barrikaden getrieben hätten.“
Die historische Camouflage verwendet vergangene geschichtliche Episoden um untergründige Bezüge auf die Gegenwart zu gestalten, indem diese sich den Lesern als Parallelfall enthüllen, wofür es aber der Distanzierung des Lesers vom historischen Gegenstand der Erzählung bedarf, da sonst die wahre Bedeutung nicht entschlüsselt werden kann.
1 Einleitung: Die Einleitung umreißt die Problematik der literarischen „Inneren Emigration“ und stellt die leitenden Forschungsfragen hinsichtlich Widerstandspotenzial und Zeugenschaft.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erörtert Begriffe wie „Innere Emigration“, historische Camouflage und das Verhältnis von Literatur und Politik, um den theoretischen Rahmen für die Analyse zu setzen.
3 Ausgewählte deutsche Schriftsteller der inneren Emigration: In diesem Kapitel werden Werner Bergengruen, Reinhold Schneider und Ernst Wiechert anhand ihrer Biographien und exemplarischer Werke detailliert untersucht.
4 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Analyseergebnisse und beleuchtet kritisch die ambivalenten Positionen der betrachteten Autoren im Spannungsfeld zwischen NS-Regime und eigener Integrität.
Innere Emigration, Nationalsozialismus, historische Camouflage, Widerstand, deutsche Literatur, Diktaturkritik, christliche Dichtung, Werner Bergengruen, Reinhold Schneider, Ernst Wiechert, Zeitzeugenschaft, Anpassung, Systemstabilisierung, Exilliteratur, politische Dichtung.
Die Arbeit analysiert die literarische Richtung der „Inneren Emigration“ während des NS-Regimes und hinterfragt den oppositionellen Gehalt von Texten, die in Deutschland verbliebenen Autoren veröffentlicht wurden.
Zentrale Felder sind die Definition der „Inneren Emigration“, die Anwendung der „historischen Camouflage“ als Schutzmechanismus sowie die Untersuchung von Werkbeispielen auf ihre politische Reichweite.
Das Ziel ist zu klären, ob die untersuchten Autoren als wirkliche Widerstandskämpfer gelten können oder ob ihre Werke eher eine systemstabilisierende oder unpolitische Funktion hatten.
Es wird eine werkanalytische und literaturhistorische Methode angewandt, die biografische Kontexte mit der Untersuchung rhetorischer und narrativer Tarntechniken in den Texten verknüpft.
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Grundlegung und eine tiefgehende Einzelanalyse der Schriftsteller Werner Bergengruen, Reinhold Schneider und Ernst Wiechert.
Wichtige Begriffe sind „Innere Emigration“, historische Camouflage, Widerstandspotenzial, christliche Symbolik, NS-Kulturpolitik und die Ambivalenz zwischen Anpassung und Dissens.
Der Glaube diente den Autoren oft als geistiger Rückzugsraum und als Basis für eine moralische, wenn auch meist nicht offen politische, Ablehnung des NS-Regimes.
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass von einem aktiven Widerstand im modernen Sinne kaum gesprochen werden kann, da die gewählten Formen der Tarnung und des Rückzugs oft eher eine unpolitische oder systemstabilisierende Wirkung hatten.
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