Diplomarbeit, 2009
146 Seiten, Note: 1,6
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
I. Einleitung
II. Produktive Ausschließung – die Herleitung der Fragestellung
2.1 Warum Foucault?
2.2 Die methodischen Grundschritte
2.3 Diskurse und Subjekte
2.4 Diskursive und dispositive Einschränkungen
III. Die heutigen Strukturen – die Analyse der Elemente der Fragestellung
3.1 Zur Komplementarität der Perspektiven Foucaults und Luhmanns
3.2 Die Grundprinzipien der Demokratie
3.3 Faktoren gesellschaftlichen Wandels
3.4 Die Medien in der Demokratie - Öffentlichkeit
3.5 Akteure und Prozesse der Politischen Kommunikation
3.5.1 Zentrale politische Akteure
3.5.2 Periphere politische Akteure
3.5.3 Ausgewählte Prozesse politischer Kommunikation
3.6 Aktuelle Entwicklungen
IV. Bestimmung der Norm
4.1 Überblick über die Funktionen des Mediensystems
4.2 Deliberale Öffentlichkeitstheorie
4.3 Ein Modell zur Messung demokratischer Medienperformanz
4.3.1 Objektivität
4.3.2 Kritik
4.3.3 Strukturierung
4.3.4 Vielfalt
V. Verzerrung
5.1 Nachrichtenwerttheorie
5.2 Der Framing-Ansatz
5.2.1 Begründung der Auswahl des Framing-Ansatzes
5.2.2 Definition Framing
5.2.3 Grundbegriffe und Hauptaussagen
5.2.4 Zur Methodik des Framing-Ansatzes
5.2.5 Der Framing-Ansatz und andere Konzepte der Selektions- und Verzerrungsforschung
5.2.6 Framing und Konsonanz
5.2.7 Die Qualitäten des Framing-Ansatzes
5.2.8 Der Status des Framing-Ansatz
VI. Empirische Analyse
6.1 Die Kapitalismusdebatte
6.2 Erläuterung der gewählten Methodik
6.2.1Auswahl der Mediengattung und der Publikationsorgane
6.2.2. Auswahl der Zeiträume: die Schlüsselereignisse
6.2.3Generierung und Darstellung des Datenkorpus: Auswahl der Artikel
6.2.4Anlage der Framing-Analyse
6.2.5Details zur Vorgehensweise der Analyse auf Frame-Elemente
6.3 Präsentation und Diskussion der Ergebnisse
6.3.1. Die Heuschreckendebatte vor dem Schlüsselereignis (17.03.-17.04.2005)
6.3.2 Heuschreckendebatte nach Schlüsselereignis (18.04.-17.05.2005)
6.3.3 Die Homogenität des Framing-Prozesses in der Heuschreckendebatte
6.3.4. Finanzmarktkrise vor dem Schlüsselereignis (15.08.-15.09.2008)
6.3.5. Finanzmarktkrise nach dem Schlüsselereignis (16.09.-15.10.2008)
6.3.6 Die Homogenität des Framing-Prozesses in der Debatte um die Finanzmarktkrise
6.4 Erkenntnisse zu Framing-Prozessen in der Kapitalismusdebatte
VII. Fazit
VIII. Literatur
Die Arbeit untersucht, wie mediale Selektionsprozesse politische Diskurse beeinflussen und inwiefern diese Prozesse eine informierte gesellschaftliche Problemlösung behindern, wobei der Fokus auf der Analyse der Kapitalismusdebatte liegt.
2.4 Diskursive und dispositive Einschränkungen
In seiner berühmten Antrittsvorlesung am Collège de France präsentiert Foucault seine Typologie der Einschränkungsmechanismen – die Ordnung des Diskurses. Sie bestimmten die in einem Diskurs thematisierbaren Gegenstände, einnehmbaren Positionen, verwendbaren Begriffe und anwendbaren Strategien. Foucault unterscheidet verschiedene Klassen dieser Prozeduren:
Zunächst könnten die Prozeduren der Ausschließung gewisse Gegenstände und Vorgänge zu einem Tabu erklären oder es könnten durch Rituale des Umstandes manche Sprecher vom Diskurs ausgeschlossen werden. Beispielsweise wird ein akademischer Abschluss und werden bestimmte sprachliche Anforderungen verlangt, um im Wissenschaftsdiskurs zu publizieren. Parlamentsdebatten sind ein Beispiel für besonders hochgradig geregelte Diskurse mit minutiös zugestandenen Redezeiten für die einzelnen ausgewählten Sprecher.
Die wirkungsmächtigste Ausschließungsprozedur stellt der Wille zum Wissen bzw. der Wille zur Wahrheit dar. So bezeichnet Foucault die Entscheidung über die Akzeptanz einer Aussage auf Grund der Unterscheidung wahr/falsch. Das Schicksal Galileis verdeutlicht, was gemeint ist: Im damaligen Weltbild war es schlichtweg falsch, dass die Erde sich um die Sonne drehte. Der argumentative Beweis war vom ersten Satz an vergebliche Liebesmüh. Hier blitzt ein erstes Mal das Problem der Konsonanz auf: etwas ist so, weil alle es so sehen. Dabei tendiert der Wille zum Wissen dazu, sich über die anderen Ausschließungsmechanismen zu erheben: beispielsweise wird jemand ausgeschlossen, weil er eine unkonventionelle These.
I. Einleitung: Die Arbeit thematisiert das Spannungsfeld zwischen der analytischen Medientheorie und normativen Gesellschaftstheorie, um Verbesserungen im Zusammenwirken von Medien und Politik zu identifizieren.
II. Produktive Ausschließung – die Herleitung der Fragestellung: Dieses Kapitel begründet den Einsatz der Foucaultschen Diskurstheorie als Werkzeug zur Untersuchung von Machtverhältnissen und Selektionspraktiken.
III. Die heutigen Strukturen – die Analyse der Elemente der Fragestellung: Hier wird mittels Systemtheorie analysiert, wie Medien und Politik als Teilsysteme interagieren und gesellschaftlichen Wandel beeinflussen.
IV. Bestimmung der Norm: Basierend auf der deliberativen Öffentlichkeitstheorie werden Kriterien für die Leistung eines demokratischen Mediensystems entwickelt.
V. Verzerrung: Durch die Zusammenführung von Nachrichtenwerttheorie und Framing-Ansatz wird theoretisch begründet, wie Selektionsprozesse die Realitätswahrnehmung beeinflussen.
VI. Empirische Analyse: In diesem Hauptteil wird die Kapitalismusdebatte mittels einer Framing-Analyse quantitativ und qualitativ auf ihre demokratische Performanz untersucht.
VII. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach die Dominanz zentraler Akteure und eine homogene Berichterstattung die Problemlösungsfähigkeit der Gesellschaft beeinträchtigen.
Politische Kommunikation, Mediensystem, Diskursanalyse, Framing-Ansatz, Systemtheorie, Kapitalismusdebatte, Öffentlichkeitstheorie, Medienperformanz, Selektion, Agenda-Setting, Demokratie, Partizipation, Finanzkrise, Machtverhältnisse, Nachrichtenfaktoren.
Die Arbeit analysiert, wie Massenmedien durch ihre Selektionsmechanismen politische Diskurse strukturieren und ob sie damit die demokratische Problemlösungsfähigkeit der Gesellschaft eher fördern oder einschränken.
Die Arbeit stützt sich primär auf die Diskurstheorie von Michel Foucault sowie die Systemtheorie nach Niklas Luhmann, ergänzt durch die deliberative Öffentlichkeitstheorie nach Jürgen Habermas.
Ziel ist es, Schwachstellen im Zusammenwirken von Mediensystem und Politik aufzudecken, die eine rechtzeitige Identifikation gesellschaftlicher Krisen verhindern, und Anregungen für eine demokratischere Kommunikation zu geben.
Der Autor verwendet eine selbst entwickelte, vergleichende quantitative Inhaltsanalyse, die Framing-Elemente (Problemdefinition, Ursachenzuschreibung, Lösungsvorschlag) auf die Kapitalismusdebatte anwendet.
Es werden zwei spezifische Ausschnitte der Kapitalismusdebatte untersucht: die sogenannte Heuschreckendebatte um 2005 und die internationale Finanzmarktkrise rund um die Lehman-Insolvenz 2008.
Schlüsselereignisse dienen als methodische Ankerpunkte, um zu untersuchen, ob und wie sich journalistische Selektionskriterien und die Berichterstattung in krisenhaften Phasen schlagartig ändern.
Die Analyse zeigt eine erdrückende Präsenz der Regierungs- bzw. Zentrumsakteure und eine starke Unterrepräsentation peripherer Akteure, was die These der strukturellen Homogenität stützt.
Journalisten werden nicht als neutrale Vermittler, sondern als aktive Akteure verstanden, die durch ihre eigene Deutungshoheit maßgeblich zur Framing-Struktur beitragen und eigene Positionen in den Diskurs einbringen.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die systembedingte Homogenität der Medienberichterstattung wichtige Lösungsalternativen ausblendet und so das Vertrauen in die Problemlösungsfähigkeit demokratischer Prozesse untergraben kann.
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