Masterarbeit, 2024
86 Seiten, Note: 1,6
1. Einleitung
1.1 Einführung in den Forschungsschwerpunkt & Problemstellung
1.2 Forschungsfrage & Ziel der Arbeit
1.4 Struktur der Arbeit
1.5 Forschungsstand
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Theoretische Einordnung
2.2 Grundannahmen
2.2.1 Nationale Regierungen als zentrale strategische Akteure
2.2.2 Konzept der Ratifikation & Interdependenz der Spielebenen
2.2.3 Bedeutung & Bestimmung innerstaatlicher win-sets
2.2.4 Bedingungen zwischenstaatlicher Kooperation
2.3 Hypothesenbildung
3. Forschungsmethodik
3.1 Länderbeispiele
3.2. Begründung der Fallauswahl
3.3 Operationalisierung
3.3.1 Unabhängige Variablen
3.3.2 Abhängige Variable
3.4 Erwartete Forschungsergebnisse
4. Empirie
4.1 Die Bestimmung des innenpolitischen Handlungsspielraumes
4.1.1 Die Rechtliche Grundlage der europäischen Sanktionspolitik und Regularien der Umsetzung auf nationaler Ebene
4.1.2 Salienz außenpolitischer Fragestellungen in den nationalen Arenen
5. Zusammenfassung und Diskussion der empirischen Ergebnisse
5.1 Die Größe der win-sets der Länderbeispiele
5.2 Verhandlungsmacht & Durchsetzungsfähigkeit präferierter Sanktionsdesigns
5.3 Bewertung der Hypothesen
6. Konklusion
6.1 Zentrale Erkenntnisse
6.2 Kritische Reflexion und Implikationen für die Wissenschaft
Die vorliegende Arbeit analysiert, wie innerstaatliche Handlungsspielräume – konzeptualisiert als "win-sets" – die Verhandlungsmacht von EU-Mitgliedstaaten bei intergouvernementalen Sanktionsverhandlungen gegenüber Russland beeinflussen. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwiefern die Größe dieser nationalen Spielräume die Durchsetzbarkeit präferierter Sanktionsdesigns determiniert.
1. Einleitung
Wir schreiben das Jahr 2022 – russische Panzerkolonnen überqueren die Grenze zur Ukraine mit dem Ziel einer möglichst raschen Einnahme Kiews sowie eine vollständigen »Demilitarisierung« und »Entnazifizierung« des ukrainischen Staatsgebietes. (Ebim 2022; Kuzio 2022) Es ist der Beginn eines blutigen und völkerrechtswidrigen Angriffskrieges gegen die Ukraine, der die über 70 Jahre anhaltende Friedensperiode auf dem Kontinent abrupt beendete und eine Zeitenwende in der europäischen Sicherheitsordnung einläutete. (Möller et al. 2022) Denn erstmals seit dem Ende des kalten Krieges sieht sich die westliche Staatengemeinschaft wieder mit der Gefahr eines militärischen Flächenbrandes im Herzen Europas konfrontiert. (Cottey 2022) In bemerkenswerten Tempo griff die Europäische Union (EU) in enger Koordination mit ihren transatlantischen Partnern auf massive restriktive Maßnahmen zurück, um eine adäquate Reaktion auf die russische Aggression zu gewährleisten und ihre unangefochtene Solidarität mit der Ukraine zu demonstrieren. Ein Vorgehen, das in seiner Tragweite bis dato beispiellos war, da zuvor noch nie ein Staat in ähnlicher Weise sanktioniert und isoliert wurde wie Russland. (Syropoulos et al. 2023)
Die Geschlossenheit, mit der die EU in jener Hinsicht handelte, war für vielerlei Beobachter überraschend, dennoch ist die Anwendung von Sanktionen in der EU-Außenpolitik freilich kein Novum. (Giumelli et al. 2020) Seit März 2014 hat die EU als Antwort auf die russische Annexion der Krimhalbinsel eine Reihe von Sanktionspakete verhängt und schrittweise verschärft, um gegen die Verletzung des Völkerrechts zu protestieren sowie Druck auf Russland im Rahmen des Normandie-Formats und zur Umsetzung der Minsker Vereinbarungen zu erhöhen. Sanktionen avancierten in den letzten Jahren zu einem gängigen Werkzeug der EU-Außenpolitik. (Rudolf 2024; Cardwell & Moret 2022) Die restriktiven Maßnahmen gegen Russland sind jedoch sowohl in Bezug auf den Adressaten als auch auf ihre Reichweite präzedenzlos. So schließt die Form der gewählten Sanktionen nicht nur individuelle Sanktionen gegen russische Staatsangehörige ein, sondern erstrecken sich auch auf umfassende wirtschaftliche Restriktivmaßnahmen, wie etwa einem partiellen Energieembargo, Beschränkungen im Handel und Technologietransfer, sowie dem Ausschluss russischer Finanzinstitute aus dem internationalen Zahlungssystem Swift. (Van Bergeijk 2022: S. 572ff.) Die europäische Sanktionspolitik gegen Russland hat dabei zum Ziel, Russlands wirtschaftliche Grundlage zu schwächen, um so der russischen Führung die finanziellen Ressourcen zur Finanzierung ihrer Kriegsmaschinerie zu kappen.
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der EU-Sanktionspolitik gegen Russland ein und formuliert die Forschungsfrage sowie das Ziel der Arbeit.
2. Theoretische Grundlagen: Hier wird das Zwei-Ebenen-Konzept nach Robert D. Putnam als theoretischer Rahmen zur Analyse von intergouvernementalen Verhandlungen und nationalen win-sets vorgestellt.
3. Forschungsmethodik: Das Kapitel beschreibt das qualitative Forschungsdesign, die Fallauswahl von Deutschland, Ungarn und Lettland sowie die Operationalisierung der Variablen.
4. Empirie: Hier erfolgt die konkrete Analyse der innenpolitischen Handlungsspielräume der ausgewählten Länder anhand von institutionellen, salienzbezogenen und strategischen Parametern.
5. Zusammenfassung und Diskussion der empirischen Ergebnisse: Dieses Kapitel führt die Befunde zusammen, evaluiert die Größe der win-sets und bewertet die aufgestellten Hypothesen.
6. Konklusion: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und reflektiert die wissenschaftlichen Implikationen sowie Limitationen der Studie.
EU-Sanktionspolitik, Russland, Zwei-Ebenen-Spiel, Robert D. Putnam, Win-Sets, Verhandlungsmacht, Außenpolitik, Deutschland, Ungarn, Lettland, Sanktionen, Interdependenz, Energieembargo, Ratifikation, Außenpolitische Salienz.
Die Arbeit untersucht, wie nationale politische Restriktionen – sogenannte win-sets – die Verhandlungspositionen und den Einfluss von EU-Mitgliedstaaten bei der gemeinsamen Sanktionspolitik gegenüber Russland im Kontext der Ukraine-Invasion 2022 beeinflussen.
Die zentralen Themenfelder umfassen die europäische Außenpolitik, die Dynamik von Zwei-Ebenen-Verhandlungen (international vs. national), wirtschaftliche Interdependenzen sowie die Rolle politischer Eliten und der öffentlichen Meinung bei der Gestaltung von Sanktionen.
Ziel ist es zu erklären, warum es trotz sehr unterschiedlicher nationaler Interessen und Abhängigkeiten zu einem einstimmigen EU-Konsens kam und wie es einzelnen Staaten, wie etwa Ungarn, gelang, durch strategische Selbstbindung ihre Verhandlungsmacht zu maximieren.
Es handelt sich um eine qualitative Einzelfallstudie. Dabei werden auf Basis des theoretischen Modells von Robert D. Putnam die Länderbeispiele Deutschland, Ungarn und Lettland vergleichend untersucht.
Der Hauptteil analysiert die Bestimmungsgrößen der win-sets in den drei Ländern, insbesondere die institutionellen Ratifikationsregeln, die Salienz des Themas durch Medien und öffentliche Meinung sowie die wirtschaftliche Substituierbarkeit von russischen Energieträgern.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "win-sets", "Verhandlungsmacht", "Zwei-Ebenen-Spiel", "EU-Sanktionen" und "Energieabhängigkeit" charakterisiert.
Ungarn nimmt eine Sonderrolle ein, da das Land als "Taube" im Sanktionskontext wiederholt Veto-Drohungen nutzte, um weitreichende Ausnahmeregelungen bei den Energieembargos durchzusetzen, was das theoretische Modell der "starken Verhandlungsmacht bei begrenztem win-set" eindrucksvoll illustriert.
Lettland als Vertreter der "Falken-Fraktion" befürwortete aufgrund seiner geopolitischen Sicherheitslage kompromisslos harte Sanktionen. Im Gegensatz zu Ungarn hatte Lettland ein großes win-set für Sanktionen, was das Land jedoch in eine eher schwächere Position bei der Durchsetzung eigener Maximalforderungen gegenüber anderen Mitgliedstaaten brachte.
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