Magisterarbeit, 2009
107 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theoretische Einordnung und Methodik
2.1. Internationale Organisationen im Konstruktivismus
2.1.1. Quellen der Autorität
2.1.2. Mechanismen der Machtausübung
2.2. Framing
2.2.1. Kernfunktionen von Framing
2.2.2. Prozesse der Frame-Anpassung
2.3. Politische Gelegenheitsstruktur
2.4. Methodik
3. Historischer Abriss des Tabaks und seiner Kontrolle
3.1. Konsolidierung der Tabakindustrie (1880 – 1930)
3.2. Aufkommende Gesundheitsbedenken (1930 – 1965)
3.3. Aktivismus und Gesetzgebung auf nationaler Ebene (1965 – 1998)
3.4. Globale Tabakkontrolle in Form der FCTC (seit 1998)
4. Framing globaler Tabakkontrolle durch die WHO
4.1. Medizinische Problematisierung des Tabakkonsums
4.1.1. Opfer des Passivrauchens
4.1.2. Nikotin-Sucht
4.2. Feindbild Tabakindustrie
4.3. Tabakkontrolle als ökonomischer Entwicklungsbeitrag
4.3.1. Wirtschaftlicher Schaden des Tabaks
4.3.2. Tabak als Problem von Entwicklungsländern
4.4. Frauen und Kinder als Risikogruppen
4.4.1. Frauen
4.4.2. Kinder und Jugendliche
4.5. (Menschen-)Rechtsansatz
5. Schluss
5.1. Resümee
5.2. Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit den 1970er Jahren die weltweite Verbreitung des Tabakkonsums durch gezielte Interpretationsschemata (Frames) problematisierte und sich als Akteur für globale Tabakkontrolle etablierte. Ziel ist es, die strategische Argumentationsweise der WHO und deren Einfluss auf die internationale Politik zu analysieren.
4.2. Feindbild Tabakindustrie
Das vorausgegangene Kapitel hat bereits verdeutlicht, dass das durch die WHO betriebene Framing zugunsten globaler Tabakkontrolle dem Counterframing der Tabakindustrie ausgesetzt ist. Dass mit ihrem eigenen Einsatz gegen die weltweite Verbreitung des Tabakkonsums bisweilen erhebliche Schwierigkeiten verbunden sind, drückte die WHO auch durch militärische Metaphorik aus.
Im Kontext der im großen Maßstab geplanten Markterweiterung von Kau- und Schnupftabak in Asien sagte eine WHO-Verantwortliche beispielsweise: “If we could do, as they say in the army, a pre-emptive strike and ban it [smokeless tobacco products, J.M.] before it comes here, I think that would be very important“ (Kirr 1987: 1). Auch findet sich im von der WHO publizierten Tabakatlas ein Zitat aus dem militärstrategischen Werk Die Kunst des Krieges des chinesischen Generals Sun Tzu: “To be sure of victory the wise in warfare see to it that they first have a strong moral cause and that the army is well disciplined” (WHO 2002a: 72).
Die explizite Nennung der Tabakindustrie als Gegner der WHO-Anstrengungen blieb jedoch bis Ende der 1990er aus. Seitens der WHO hieß es 1998 bezüglich der gezielten Desinformation über ihre zehnjährige Studie zum Passivrauchen zwar, dass die Falschmeldungen in Großbritannien nicht zufällig kurz vor symbolischen Anti-Tabak-Ereignissen gestreut wurden, eine Benennung der Täter folgte allerdings nicht (WHO 1998b).
Wenige Jahre später hingegen fand die WHO deutlichere Worte zur Einschätzung der Rolle der Tabakkonzerne. Sich der Kriegsmetapher bedienend hieß es im März 2003 in Anspielung auf den Dritten Golfkrieg: “If it had an army, it could fight wars with its existing resources. But this entity is waging war – a war against human health worldwide [...] This entity is ‘Big Tobacco,’ the chilling name used to describe the world’s leading tobacco companies. [...] Unless there is a war on tobacco, cigarettes will cut short the lives of 500 million of the 6 billion people on earth. […] No doubt, tobacco is the REAL ‘weapon of mass destruction.’” (WHO 2003b: 2)
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Tabakkonsums als globale gesundheitliche Gefahr ein und umreißt die Rolle der WHO bei der Etablierung internationaler Tabakkontrollmaßnahmen.
2. Theoretische Einordnung und Methodik: Hier werden die theoretischen Grundlagen der WHO als Akteur sowie die methodischen Ansätze des Framings und der politischen Gelegenheitsstruktur dargelegt.
3. Historischer Abriss des Tabaks und seiner Kontrolle: Dieses Kapitel gibt einen chronologischen Überblick über die Entwicklung der Tabakindustrie sowie die Entstehung erster nationaler und schließlich globaler Regulierungsbemühungen.
4. Framing globaler Tabakkontrolle durch die WHO: Der Hauptteil analysiert, wie die WHO verschiedene Interpretationsrahmen wie medizinische Risiken, ökonomische Schäden und Menschenrechte nutzte, um Tabakkontrolle auf die globale Agenda zu setzen.
5. Schluss: Dieses Kapitel fasst die Forschungsergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Rolle der WHO in der globalen Tabakkontrolle.
Weltgesundheitsorganisation, Tabakkontrolle, Framing, FCTC, Konstruktivismus, Internationale Organisationen, Passivrauchen, Nikotin-Sucht, Tabakindustrie, Public Health, Entwicklungsländer, Menschenrechte, Gesundheitspolitik, Global Health Governance, Tabakepidemie.
Die Arbeit untersucht, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) durch strategische Kommunikation und Definitionen (Framing) den Tabakkonsum als ein globales, regulierungsbedürftiges Problem darstellte und so die internationale Tabakkontrollpolitik maßgeblich prägte.
Zentral sind die Analyse von WHO-Publikationen, die Strategien zur Etablierung der Rahmenkonvention FCTC, der Umgang der WHO mit der Tabakindustrie sowie die Einbindung sozio-ökonomischer und menschenrechtlicher Argumente in die gesundheitspolitische Debatte.
Die Untersuchung zielt darauf ab, systematisch aufzudecken, wie die WHO ihre Autorität und ihr Mandat nutzte, um mittels spezifischer Interpretationsschemata die globale Wahrnehmung von Tabak zu verändern und politische Unterstützung für Tabakkontrollmaßnahmen zu gewinnen.
Es wird ein konstruktivistischer Forschungsrahmen genutzt, wobei der Schwerpunkt auf einer Frame-Analyse liegt, die Dokumente, Reden und Resolutionen der WHO als Texte untersucht, um die Konstruktion von Bedeutungen und Problemen nachzuvollziehen.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene analytische Frames: die medizinische Problematisierung, das Feindbild Tabakindustrie, die Verknüpfung von Tabakkontrolle mit wirtschaftlicher Entwicklung, den Schutz vulnerabler Gruppen sowie den menschenrechtlichen Ansatz.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Framing, Tabakepidemie, Global Health Governance, WHO-Autorität, FCTC, Counterframing und die politische Gelegenheitsstruktur.
Die Tabakindustrie leistete massiven Widerstand durch sogenanntes Counterframing, diskreditierte wissenschaftliche Studien (z.B. als "Junk Science"), verdeckte ihr Wissen über Gesundheitsrisiken und betrieb lobbyistische Versuche, die WHO-Politik zu unterminieren.
Das MSA von 1998 führte zur Offenlegung von Millionen interner Industriedokumente, welche der WHO wertvolle Beweise für die globalen Unterminierungsstrategien der Tabakkonzerne lieferten und so einen Wendepunkt in der Konfrontationsstrategie der WHO darstellten.
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