Diplomarbeit, 2004
168 Seiten, Note: 1
1. Einführung
2. Zur Semantik
2.1 Utopie
2.1.1 Allgemeines zur Begriffsgeschichte
2.1.2 „Utopie“ als aktueller Diskurs
2.1.3 Utopien und Utopisches in Peru
2.1.3.1 Mythische Utopien
2.1.3.2 Historische Utopien
2.1.3.3 Politisch-ökonomische Utopien
2.1.3.4 Kulturell-literarische Utopien
2.2 Archaisch
2.2.1 Allgemeines zur Begriffsgeschichte
2.2.2 „Archaisch“ als „traditionell“
2.2.3 Archaisch-Traditionelles in Peru
2.2.3.1 Mythisches
2.2.3.2 Historisches
2.2.3.3 Politisch-Ökonomisches
2.2.3.4 Kulturelles
2.3 Oxymoron: Archaische Utopie
2.3.1 Mythos / Logos
2.3.2 Zyklisches / Lineares Zeitverständnis
2.3.3 Gemeinschaft / Gesellschaft
2.3.4 Vormoderne / Moderne
2.4 Bestimmung des Begriffs als Oxymoron
2.4.1 Kulturkonflikt und „archaische Utopie“
2.4.2 Auflösung des Oxymorons: Funktionalisierung der Begriffe
3. Literarische Formen der archaischen Utopie: Indigenismo und Neo-Indigenismo
3.1 Vorgeschichte und Vorläufer des Indigenismo
3.1.1 Zwei Schlüsselepochen: Conquista und 19. Jahrhundert
3.1.2 Der Proto-Indigenismo: Manuel González Prada
3.1.3 Hispanismo, Modernismo, Indianismo
3.2 Der Indigenismo
3.2.1 Der politische Indigenismo
3.2.2 Die Existenzbedingungen des Indigenismo
3.2.3 Der literarische Indigenismo
3.2.3.1 Definition und Entwicklung des literarischen Indigenismo
3.2.3.2 Luis E. Valcárcel: „Tempestad en los Andes“
3.3 Indigenistische Romankunst: „El mundo es ancho y ajeno“
3.3.1 Inhaltsangabe
3.3.2 Die Erzählsituation: Auktorialer Erzähler
3.3.3 Wichtige Figuren und innerer Aufbau des Romans
3.3.4 Zeit: Mythos und Geschichte
3.3.5 Raum: Comunidad und Nation
3.4 Der Neo-Indigenismo
3.4.1 Neo-Indigenismo als Begriff
3.4.2 Die Unterschiede zum orthodoxen Indigenismo
3.4.3 José María Arguedas: Die Biographie
3.4.4 José María Arguedas: Das Werk
3.5 Neo-indigenistische Romankunst: „Los ríos profundos“
3.5.1 Inhaltsangabe
3.5.2 Die Erzählsituation: Ich-Erzähler
3.5.3 Wichtige Figuren um den Protagonisten
3.5.4 Zeit: Erinnerung und Gegenwart
3.5.5 Raum: Geschlossenheit und Befreiung
3.5.6 Die Synthese: Ernestos magische Weltsicht
3.6 Vergleich der Romane nach Escajadillos Kriterien
4. Mario Vargas Llosa: „La utopía arcaica“
4.1 Mario Vargas Llosa: Geistiger Werdegang
4.1.1 Vorbilder und Weltbilder
4.1.2 Politische Romane und Literaturtheorie
4.2 „La utopía arcaica“
4.2.1 Rationalismus und Wissenschaftsgläubigkeit
4.2.1.1 Mythisches Denken als archaisch und irrational
4.2.1.2 Mythisches Denken als literarisches Mittel
4.2.1.3 Der „postmoderne“ Mythos
4.2.2 Fortschritt statt Rückblick
4.2.2.1 Zyklisches Denken als archaisch
4.2.2.2 Historische Wahrheit versus subjektive Geschichte
4.2.2.3 Linearität und Teleologie der Historie
4.2.3 Kapitalismus statt Kollektivismus
4.2.3.1 Kollektivistisches Denken als archaisch
4.2.3.2 Der Sozialismus – ein überholtes System
4.2.3.3 Der Neoliberalismus und die „informelle Wirtschaft“
4.2.4 Eine Moderne nach europäischem Vorbild
4.2.4.1 Die Ablehnung des Archaischen und des Utopischen
4.2.4.2 Modernisierung als unvereinbar mit der archaischen Utopie
4.2.4.3 Die homogenisierende Moderne
5. Kritik an Vargas Llosas Position
5.1 Cornejo Polar: Das Konzept der Heterogenität
5.1.1 „Escribir en el aire“
5.1.2.1 Der Beginn der Heterogenität
5.1.2.2 Versuche zur Homogenisierung
5.1.2.3 Die heterogene Modernisierung
5.1.2.4 Der indigenistische Roman
5.2 Néstor García Canclini: Das Konzept der Hybridität
5.2.1 Vormoderne, Moderne, Postmoderne
5.2.2 Der Begriff der Hybridität
6. Schlußbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturwissenschaftliche Diskussion um den Begriff der „archaischen Utopie“ im peruanischen Kontext. Sie erforscht, wie das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne, Vergangenheit und Zukunft, sowie die Rolle der indigenen Bevölkerung in nationalen Identitätsentwürfen literarisch und politisch verhandelt wird, wobei der Schwerpunkt auf den Positionen des Indigenismo, von José María Arguedas und Mario Vargas Llosa liegt.
2.1.3.1 Mythische Utopien
Das erste, was einem in den Blick gerät, wenn man nach Utopischem in Peru sucht, sind die sogenannten posthispanischen Ursprungsmythen. Sie handeln vom Ursprung der Menschheit und ihrer zukünftigen Entwicklung; und die meisten enthalten Elemente aus der prähispanischen als auch aus der katholischen Religion.
Entscheidend für die Entstehung der mythischen Utopie in den Anden ist das Erlebnis der Conquista, die aus Sicht der Besiegten ein Kataklysmus, eine erdgeschichtliche Katastrophe, war. In der prähispanischen Tradition gab es die Vorstellung des pachacuti, übersetzt etwa: „die Erde formt sich um“. Gemeint ist damit etwas – eine Persönlichkeit, eine tellurische Kraft –, das das ganze Land und das ganze Leben, das Raum und Zeit auf den Kopf stellt. Der Begriff bezieht sich einerseits auf den Übergang von einem Zeitalter ins nächste, andererseits auch auf das Resultat, also die Umkehrung der Dinge. Für viele der Andenbewohner war die Conquista ein solcher pachacuti, die Umkehrung der Ordnung. Der Kosmos teilte sich damals in zwei: die untere Welt (hananpacha) und die obere Welt (hurinpacha), das Licht und die Dunkelheit. Die posthispanischen Mythen dienen den Andenbewohnern nun dazu, diesen pachacuti der Conquista zu verarbeiten.
Von zentraler Bedeutung ist vor allem der „Inkarrí-Mythos“ in seinen verschiedenen Versionen. Der Name der Zentralfigur, Inkarrí, ist eine Zusammenziehung aus dem Quechua-Wort Inka und dem spanischen rey („König“): „Inka-König“. Eine der bekanntesten Erzählungen stammt aus dem Ort Puquio im Departamento Ayacucho. Der „Mythos von Puquio“ erklärt den Ursprung und das Schicksal der aktuellen peruanischen Gesellschaft, die ethnisch geteilt ist.
1. Einführung: Die Einleitung steckt den Rahmen für die Diskussion um eine peruanische Moderne ab, die untrennbar mit Fragen der Identität, Tradition und der Rolle des Indio verbunden ist.
2. Zur Semantik: Dieser Abschnitt analysiert die Begriffsgeschichte von „Utopie“ und „archaisch“, um sie als „archaische Utopie“ in ein theoretisches Verhältnis zu setzen.
3. Literarische Formen der archaischen Utopie: Indigenismo und Neo-Indigenismo: Hier werden die literarischen Ausprägungen des Indigenismo untersucht, insbesondere die Romane von Ciro Alegría und José María Arguedas.
4. Mario Vargas Llosa: „La utopía arcaica“: Dieses Kapitel erörtert die Haltung Vargas Llosas, der das Indigenismo-Konzept als „archaische Utopie“ und literarische Fiktion kritisiert.
5. Kritik an Vargas Llosas Position: Hier werden Gegenentwürfe diskutiert, namentlich das Konzept der Heterogenität von Cornejo Polar und der Hybridität von Néstor García Canclini.
6. Schlußbetrachtung: Das Fazit zieht eine Bilanz der Identitätsdiskussion und reflektiert die Frage, wie eine Moderne in Peru unter Einbeziehung kultureller Vielfalt gestaltet werden kann.
Archaische Utopie, Peru, Indigenismo, Moderne, Identität, Inka-Reich, José María Arguedas, Mario Vargas Llosa, Heterogenität, Hybridität, Mythos, Ideologie, Kulturkonflikt, Postmoderne, Kulturwissenschaft.
Die Arbeit untersucht die komplexe intellektuelle Diskussion in Peru darüber, wie das Land eine moderne Identität finden kann, ohne dabei die indigenen Wurzeln und Traditionen zu negieren.
Die Arbeit behandelt die Begriffe der Utopie und des Archaischen, die indigenistische Literaturströmung, das Werk von José María Arguedas und die kritische Auseinandersetzung durch den Schriftsteller Mario Vargas Llosa.
Das Ziel ist es, die Entwicklung der Identitätsdebatte vom Indigenismo bis zur Moderne nachzuvollziehen und den oxymoralen Begriff der „archaischen Utopie“ als Ausdruck dieser Debatte theoretisch aufzulösen.
Die Arbeit nutzt kulturwissenschaftliche, literatursoziologische und diskursanalytische Ansätze, um literarische Texte und gesellschaftspolitische Analysen in einen theoretischen Kontext zu stellen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine semantische Fundierung, eine Analyse der indigenistischen Romankunst, eine Erörterung der Position von Mario Vargas Llosa sowie eine kritische Auseinandersetzung durch Konzepte der Heterogenität und Hybridität.
Schlüsselwörter sind unter anderem Archaische Utopie, Peru, Indigenismo, Identität, Mario Vargas Llosa, José María Arguedas und Heterogenität.
Vargas Llosa sieht darin eine irrationale, rückwärtsgewandte Fiktion, die den Fortschritt behindert und den Indio einer prähispanischen Welt verhaftet lässt, statt ihn in die moderne demokratische Gesellschaft zu integrieren.
Cornejo Polar schlägt vor, die Heterogenität als nicht aufhebbare, aber produktiv nutzbare Realität zu akzeptieren, statt eine erzwungene Homogenisierung nach westlichem Vorbild anzustreben.
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