Masterarbeit, 2010
72 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Konzeptionelle Grundlagen zum prozyklischen Kreditvergabeverhalten
2.1 Überblick über theoretische Modelle zur Erklärung von Kreditvergabeverhalten
2.1.1 Modelle mit Risikoneutralität, Informationsasymmetrien und Kundenbindung
2.1.2 Portfoliomodelle mit Risikoaversion
2.1.3 Ökonometrisches Modell mit getrennter Betrachtung von Kreditangebot und Kreditnachfrage
2.1.4 Sonstige und ältere Erklärungsansätze
2.2 Interdependenz zyklischer Konjunkturentwicklungen und zyklischer Kreditvergabe
2.2.1 Erklärungsansätze für Konjunkturzyklen als Grundlage für Kreditzyklen
2.2.2 Kreditversorgung der Wirtschaft als Voraussetzung für Investitionen und konjunkturelles Wachstum
2.3 Betriebswirtschaftliche Ursachen und Treiber für Prozyklizität in der Kreditvergabe
2.3.1 Eigenkapital als die Risikotragfähigkeit limitierende Determinante
2.3.2 Ergebnisbeiträge durch Kredite als Vergütungsanforderung
2.3.3 Refinanzierbarkeit von Krediten über Einlagenmärkte als liquiditätsbezogene Determinante
2.3.4 Weitere Determinanten des Kreditangebots sowie Determinanten der Kreditnachfrage
3 Relevante neuere Normensetzungen mit potenziell prozyklischen Auswirkungen auf die Determinanten von Kreditangebot und Kreditnachfrage
3.1 Neuere Normensetzungen der internationalen Rechnungslegung mit potenziell prozyklischen Auswirkungen auf die Determinanten von Kreditangebot und Kreditnachfrage
3.1.1 Bewertungsvorschriften: Die Fair Value Bewertung und das Incurred Loss Principle im Rahmen des Mixed-Model-Approach nach IAS 39 als potenziell prozyklische Rechnungslegungsnorm
3.1.2 Weitere Bewertungsvorschriften, Ansatzvorschriften und außerbilanzielle Rechnungslegungsvorschriften mit potenziell prozyklischen Auswirkungen
3.2 Neuere Normensetzungen der Bankenaufsicht nach Basel II mit potenziell prozyklischen Auswirkungen auf die Determinanten von Kreditangebot und Kreditnachfrage
3.2.1 Eigenmitteldefinition, Sicherheiten und Risikogewichtung als Normen der quantitativen Bankenaufsicht mit potenziell prozyklischen Auswirkungen
3.2.2 Normen der qualitativen Bankenaufsicht mit Bezug zur Geschäftsleitung und internen Prozessen der Bank mit potenziell prozyklischen Auswirkungen
4 Analyse der prozyklischen Wirkung der betrachteten Normen mit Bezug auf angepasste Modelle zur Erklärung des Kreditvergabeverhaltens
4.1 Berücksichtigung der Determinanten in den Kreditvergabemodellen
4.1.1 Anpassung eines Modells mit Risikoneutralität
4.1.2 Anpassung eines Portfoliomodells mit Risikoaversion
4.1.3 Anpassung eines ökonometrischen Modells
4.2 Analyse prozyklischer Wirkmechanismen im Abschwung aufgrund von Einwirkungen durch Rechnungslegungs- und Bankenaufsichtsnormen anhand der angepassten Kreditvergabemodelle
4.2.1 Prozyklische Wirkungen aufgrund von Kundenbonitätsverschlechterungen und Marktwertverringerungen im frühen Stadium des Abschwungs
4.2.2 Prozyklische Wirkungen aufgrund von Incurred-Loss-Wertberichtigungen und Wertverlusten bei Sicherheiten im späteren Stadium des Abschwungs
4.2.3 Weitere Wirkmechanismen, Handlungsalternativen und -automatismen der Geschäftsleitung der Bank und die Gefahr der Destabilisierung
4.3 Analyse prozyklischer Wirkmechanismen im Aufschwung aufgrund von Einwirkungen durch Rechnungslegungs- und Bankenaufsichtsnormen anhand der angepassten Kreditvergabemodelle
4.3.1 Prozyklische Wirkungen aufgrund von Kundenbonitätsverbesserungen und Marktwertsteigerungen
4.3.2 Weitere prozyklische Wirkungen und Konsequenzen für die Bankleitung im Aufschwung
5 Empirische Aspekte zur prozyklischen Wirkung der betrachteten Normen
5.1 Messprobleme bei der Ergebnisüberprüfung der theoretischen Analyse zur Prozyklizität der betrachteten Normen
5.2 Ausgewählte empirische Quellen als Indikatoren prozyklischer Wirkungen der betrachteten Normen
5.2.1 Vergleichende Betrachtung der Entwicklungen von nationaler Wirtschaftsleistung und Kreditvergabe durch Banken vor und nach Einführung der erörterten neueren Normen im Hinblick auf Prozyklizität
5.2.2 Empirische Anhaltspunkte für prozyklische Wirkungen der betrachteten Normen aus den Offenlegungsberichten von Deutscher Bank und Commerzbank
5.2.3 Weitere empirische Indizien für prozyklische Wirkmechanismen durch Bankenaufsichts- und Rechnungslegungsnormen
6 Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit analysiert theoretisch und empirisch, inwiefern neuere Normensetzungen in der internationalen Rechnungslegung (IFRS) und der Bankenaufsicht (Basel II) das Kreditvergabeverhalten von Banken in Deutschland beeinflussen und prozyklische Tendenzen verstärken können. Ziel ist die Untersuchung der Wirkungsmechanismen, durch die bankbetriebliche Kennzahlen in zyklischen Abschwung- und Aufschwungphasen durch regulatorische Vorgaben derart beeinflusst werden, dass eine Verstärkung der konjunkturellen Dynamik resultiert.
3.1.1 Bewertungsvorschriften: Die Fair Value Bewertung und das Incurred Loss Principle im Rahmen des Mixed-Model-Approach nach IAS 39 als potenziell prozyklische Rechnungslegungsnorm
Dieses Kapitel untergliedert sich zunächst in die beiden Bereiche Rechnungslegung und Bankenaufsicht. Bei den betrachteten neueren Normen der IFRS stehen dabei in diesem Abschnitt die Bewertungsregelungen im Vordergrund, die eine Prozyklizität des Kreditvergabeverhaltens begünstigen können. Im nächsten Abschnitt werden dann weitere wesentliche Normen sowohl zum Ansatz von Bilanzpositionen als auch zu außerbilanziellen Regelungen z.B. in Bezug auf den Anhang vorgestellt. Im Teilkapitel 3.2 wird anschließend eine größere Zahl prozyklischer Normen der Bankenaufsicht nach Basel II, untergliedert nach Normen der quantitativen und der qualitativen Bankenaufsicht, eingeführt. Im Zuge der jeweiligen Regelungen werden die Ansatzpunkte für die Untersuchung prozyklischer Mechanismen genannt, indem bereits ein Begriff, bzw. eine Abkürzung geprägt wird, die in der Folge in den angepassten Formeln und den Analysen des Kapitels 4 verwendet wird.
Rechnungslegungsstandards müssen in zweifacher Hinsicht betrachtet werden. Auf Seiten der kreditgebenden Bank können Regelungen die Bilanzsituation beeinflussen und so zu Unterschieden in der Eigenkapitalausstattung und damit verbunden in der Risikotragfähigkeit und -neigung führen. Gleichzeitig beeinflussen Gewinnermittlungs- und Ausweispflichten die Erfolgslage und damit die Bonität der Kreditnehmer, was wiederum die Risikosituation der Bank berührt.
Auf Seiten der Konzernbilanz einer Bank ist der Rechnungslegungsstandard IAS 39 „Finanzinstrumente: Ansatz und Bewertung“ von zentraler Bedeutung, da wegen der Funktion von Banken im Finanzsystem ein Großteil der Vermögenswerte und Schulden dieser Kategorie zuzuordnen ist.
1 Einleitung: Einführung in die Relevanz der Kreditvergabe für das deutsche Finanzsystem und Definition der Forschungsfrage hinsichtlich potenzieller prozyklischer Effekte neuerer Normen.
2 Konzeptionelle Grundlagen zum prozyklischen Kreditvergabeverhalten: Erarbeitung der theoretischen Kreditvergabemodelle und Erläuterung der Interdependenz zwischen Konjunkturzyklen und Bankverhalten.
3 Relevante neuere Normensetzungen mit potenziell prozyklischen Auswirkungen auf die Determinanten von Kreditangebot und Kreditnachfrage: Vorstellung und Charakterisierung der relevanten Rechnungslegungs- und Bankenaufsichtsnormen als Determinanten des Kreditangebots.
4 Analyse der prozyklischen Wirkung der betrachteten Normen mit Bezug auf angepasste Modelle zur Erklärung des Kreditvergabeverhaltens: Überführung der theoretischen Modelle in eine anwendungsorientierte Form und Analyse der Wirkmechanismen in Abschwung- und Aufschwungphasen.
5 Empirische Aspekte zur prozyklischen Wirkung der betrachteten Normen: Untersuchung von empirischen Indizien und Messproblemen mittels makroökonomischer Daten und Offenlegungsberichten großer Banken.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der theoretischen Erkenntnisse sowie kritische Reflexion über die empirische Validität und zukünftigen Forschungsbedarf.
Prozyklizität, Kreditvergabeverhalten, Bankenaufsicht, Basel II, Rechnungslegung, IFRS, IAS 39, Fair Value, Incurred Loss Principle, Eigenkapital, Kreditklemme, Risikotragfähigkeit, Finanzkrise, Bankmanagement, Kreditrisiko
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob moderne Bankenregulierungen und Rechnungslegungsstandards wie Basel II und IFRS das Verhalten von Banken in der Kreditvergabe prozyklisch beeinflussen, also Booms verstärken und Rezessionen verschärfen können.
Die zentralen Felder sind die theoretische Modellierung von Kreditentscheidungen, die Auswirkungen der Fair-Value-Bewertung, das Incurred-Loss-Modell bei Wertberichtigungen sowie die quantitativen und qualitativen Anforderungen der Bankenaufsicht.
Ziel ist es, die Mechanismen aufzuzeigen, durch welche diese regulatorischen Normen bei konjunkturellen Schwankungen als Treiber für eine unerwünschte Verstärkung der Kreditvergabezyklen fungieren.
Der Autor verwendet eine analytisch-theoretische Methode, bei der bestehende ökonomische Kreditvergabemodelle modifiziert und um die identifizierten regulatorischen Determinanten erweitert werden, ergänzt durch eine deskriptive empirische Einordnung.
Der Hauptteil gliedert sich in die Modellanpassung, die detaillierte Analyse der Wirkmechanismen im Abschwung und Aufschwung sowie die Untersuchung empirischer Anhaltspunkte aus den Berichten deutscher Großbanken.
Die Arbeit lässt sich am besten über die Begriffe Prozyklizität, Basel II, IFRS, Fair Value und Kreditrisikomanagement charakterisieren.
Die Arbeit erläutert, dass der IRBA, bei dem Banken Risikoparameter selbst schätzen, tendenziell sensibler auf Konjunkturveränderungen reagiert und somit stärker prozyklische Effekte bei der Eigenkapitalunterlegung erzeugen kann als der auf externen Ratings basierende KSA.
Sie spielt eine prozyklische Rolle, da bei sinkender Marktliquidität künstliche Volatilität entsteht, die das Eigenkapital belastet, die Risikotragfähigkeit einschränkt und Banken somit zur ungewollten Kreditverknappung zwingt.
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