Wissenschaftlicher Aufsatz, 2010
20 Seiten
1. Wie Kinder zu Opfer werden. Kritik an Familien im postmodernen Frauenkrimi.
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Familienstrukturen im postmodernen Frauenkrimi anhand der Werke „Der Kindersammler“ von Sabine Thiesler und „Der stille Herr Genardy“ von Petra Hammesfahr. Dabei wird analysiert, inwiefern dysfunktionale Familienverhältnisse und mangelnde Kommunikation innerhalb des Privaten als Katalysatoren für die Opferwerdung von Kindern dienen und wie diese Romane soziale Verantwortung sowie gesellschaftliche Deformationen thematisieren.
Die Gewalt innerhalb des Familienkreises
Die Gewalt innerhalb des Familienkreises ist dabei ein beliebter, sich immer wiederholender Gemeinplatz. Sexueller Missbrauch von Seiten eines nahen Familienangehörigen lassen Rachemorde bei Elizabeth Georges Missing Joseph, Minette Walters The Ice House oder der spanischen Alicia Giménez-Bartletts Nido vacío erklärlich, unsausweichlich und sogar gerecht erscheinen. Brutal zusammengeschlagene Ehefrauen, gewaltsam isolierte Menschen, Kinder die, umgeben von Kriminalität, später selbst kriminell werden, sind einfallsreich von Monika Geier in ihrem Wie könnt ihr schlafen oder von Helena von Zweigbergk in Was Gott nicht sah geschildert worden, wobei all diesen Romanen eine scharfe Gesellschaftskritik eigen ist, die die anregende Handlung weder verhüllen kann, darf, noch will. Insbesondere die so genannten Serienmörder-Romane, die meist in der Kindheit des brutalen Kriminellen und sogar innerhalb seines engeren, meist lieblosen Familienkreises, den Ausgangspunkt zu asozialem Verhalten suchen, kritisieren erbarmungslos das Versagen der angeblich zivilisierten modernen Gesellschaft, die auch im geschlossenen, häuslichem Milieu unüberbrückbare Fehlbestände aufweist.
Wie Kinder zu Opfer werden. Kritik an Familien im postmodernen Frauenkrimi.: Diese Arbeit untersucht die Darstellung von Familien im modernen Kriminalroman und analysiert, wie mangelnde Kommunikation und isolierte Familienverhältnisse Kinder als Opfer für Triebtäter prädestinieren.
Frauenkrimi, Kriminalroman, Familienstruktur, Kindesmissbrauch, Opferwerdung, Kommunikation, Soziale Kritik, Postmoderne, Serienmörder, Sabine Thiesler, Petra Hammesfahr, Gewalt, Dysfunktionale Familie, Triebtäter, Gesellschaftskritik
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Darstellung von Familienstrukturen in ausgewählten postmodernen Frauenkrimis, insbesondere in Bezug auf die Gefährdung von Kindern.
Im Fokus stehen das Versagen der Familie als Schutzinstanz, die Auswirkungen von Kommunikationslosigkeit und die Darstellung von Gewalt innerhalb des privaten Milieus.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Kriminalautoren durch die Darstellung von Opfern innerhalb der Familie gesellschaftliche Missstände und die Deformation des modernen Zusammenlebens reflektieren.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf der Textinterpretation der ausgewählten Romane sowie der Einbindung relevanter Theorieansätze zur Gattungsgeschichte des Kriminalromans basiert.
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der Romane von Sabine Thiesler und Petra Hammesfahr, wobei der Fokus auf dem "Whytheydie"-Modell liegt, das die Opferwerdung vor der Tat in den Mittelpunkt stellt.
Wichtige Begriffe sind Frauenkrimi, familiäre Instabilität, Opferperspektive und gesellschaftliche Apathie.
Die Autorin argumentiert, dass die fehlende Kommunikation eine Lücke in der Familienstruktur schafft, die von Tätern ausgenutzt wird, um als Ersatzfiguren auf die Opfer zuzugehen.
Im Gegensatz zum täterzentrierten klassischen Kriminalroman stellen diese Werke das Schicksal der Opfer und deren soziales Umfeld in den Fokus, statt nur die Aufklärung eines Mordes zu verfolgen.
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