Bachelorarbeit, 2021
65 Seiten
1 Einleitung
1.1 Fragestellung und Zielsetzung
1.2 Methodisches Vorgehen und Aufbau
2 Segregation und benachteiligte Quartiere
2.1 Bedeutung von Segregation, Entstehung und Ursachen
2.2 Merkmale benachteiligter Quartiere
2.3 Milieu und Habitus
2.4 Zusammenfassung des Kapitels
3 Sozialisation und Entwicklungsaufgaben von Kindern
3.1 Sozialisation
3.2 Entwicklungsaufgaben
3.3 Die Bedeutung des Sozialraums für das Aufwachsen
3.4 Die Bedeutung von Aneignungsprozessen für die Entwicklung – Sozialräumliche Modelle zur Aneignung von Räumen
3.5 Zusammenfassung des Kapitels
4 Chancen und Herausforderungen für die Bewältigung der Entwicklungsaufgaben
4.1 Entwicklungsaufgabe Binden
4.2 Entwicklungsaufgabe Qualifizieren
4.3 Entwicklungsaufgabe Konsumieren
4.4 Entwicklungsaufgabe Partizipieren
4.5 Zusammenfassung und kritischer Diskurs
5 Mögliche Rolle der PSA zur Unterstützung gelingender Aneignungsprozesse
5.1 Handlungsfelder der Sozialen Arbeit
5.2 Möglichkeiten auf verschiedenen Ebenen
5.3 Das Beispiel Offene Arbeit mit Kindern
6 Schlussfolgerungen und Erkenntnisse
6.1 Beantwortung der Fragestellung
6.2 Fazit und weiterführende Überlegungen
Die Arbeit untersucht, inwiefern das Aufwachsen von Kindern in benachteiligten Quartieren deren Entwicklung beeinflusst und wie die Soziale Arbeit dabei unterstützend wirken kann, um die Bewältigung entwicklungspsychologischer Anforderungen zu fördern.
4.2 Entwicklungsaufgabe Qualifizieren
Carla lebt in einem benachteiligten Quartier. Sie ist die Tochter eines Langzeitarbeitslosen, der Alkoholiker geworden ist, und einer depressiven, co-abhängigen Mutter, die ihren Mann niemals verlassen würde. Carla träumt vom Tanzen, aber sowohl Tanzschule als auch Tanzstudio liegen ausserhalb ihres Quartiers. Beides kostet Geld, aber Carla fragt nicht mal ihre Eltern, sie dorthin zu bringen, denn sie kennt die Folgen der psychischen Krankheiten ihrer Eltern: Sie sind emotional unzuverlässig und nicht konsequent handlungsfähig. Die Mutter verlässt ja nicht einmal die Wohnung, ausserdem hat der Vater den Führerschein wegen Alkohol am Steuer verloren.
Carla ist acht Jahre alt. Die Tanzfilmserie Anna ist ihre Lieblingsserie. Auf dem alten Computer der Familie sieht sie sich diese im Internet an, in der Mediathek des deutschen Fernsehens. Während der Vater seinen Rausch ausschläft und die Mutter fernsieht, tanzt sie im Kinderzimmer, das sie sich mit ihrem kleinen Bruder teilen muss, obwohl die Wohnung nicht zu klein für zwei Kinderzimmer wäre. Aber der Raum, der für Anna optimal wäre, wird von ihrer Mutter als Wäsche- und Bügelzimmer genutzt. Hier stapelt sich die Wäsche, da die psychisch kranke Mutter mit dem Haushalt nicht hinterherkommt. Die ganze Wohnung sieht verwahrlost aus. Sehr oft muss Carla Erwachsenenarbeit verrichten: dem Bruder Essen machen, aufräumen, den Boden saugen und Wäsche in die Waschmaschine füllen. Dann bleibt keine Zeit zum Lernen, und das kann sie ohnehin nur dann, wenn ihr kleiner Bruder nicht im Kinderzimmer ist, alle anderen Räume in der Wohnung sind ja belegt. Die unberechenbaren Eltern nehmen ihr ausserdem die Ruhe zur Konzentration.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik sozialer Segregation in Städten ein und begründet die Relevanz der Untersuchung für die Soziale Arbeit.
2 Segregation und benachteiligte Quartiere: Dieses Kapitel definiert Segregation als räumliche Konzentration sozialer Ungleichheit und beleuchtet die Entstehung benachteiligter Quartiere sowie die Rolle von Milieu und Habitus.
3 Sozialisation und Entwicklungsaufgaben von Kindern: Hier werden die theoretischen Grundlagen zur Sozialisation sowie das Konzept der Entwicklungsaufgaben und die Bedeutung von Aneignungsprozessen im Sozialraum erörtert.
4 Chancen und Herausforderungen für die Bewältigung der Entwicklungsaufgaben: Anhand von vier Fallbeispielen werden die spezifischen Hürden analysiert, die benachteiligte Quartiere für die Bewältigung zentraler Entwicklungsaufgaben mit sich bringen.
5 Mögliche Rolle der PSA zur Unterstützung gelingender Aneignungsprozesse: Dieses Kapitel widmet sich den Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit sowie praktischen Interventionsmöglichkeiten, insbesondere am Beispiel der Offenen Arbeit.
6 Schlussfolgerungen und Erkenntnisse: Die Arbeit schließt mit einer Beantwortung der Ausgangsfrage und einem Fazit, das die Notwendigkeit von Engagement und Sensibilität in der professionellen Arbeit betont.
Soziale Segregation, benachteiligte Quartiere, Entwicklungsaufgaben, Soziale Arbeit, Aneignungsprozesse, Sozialraum, Sozialisation, Kindheit, Habitus, Milieu, Chancengleichheit, Bildungsbarrieren, Schulsozialarbeit, Offene Arbeit, soziale Mobilität.
Die Arbeit untersucht den Einfluss des Aufwachsens in benachteiligten, segregierten Wohnquartieren auf die Entwicklung von Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren.
Die zentralen Felder umfassen soziale Segregation, die Theorie der Entwicklungsaufgaben, sozialräumliche Aneignungsprozesse sowie die Rolle und Handlungsfelder der Sozialen Arbeit.
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie Kinder in benachteiligten Quartieren in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden und wie pädagogische Interventionen der Sozialen Arbeit diese Prozesse stützen können.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die sozialphilosophische und entwicklungspsychologische Ansätze (wie die von Pierre Bourdieu, Robert J. Havighurst und Klaus Hurrelmann) mit aktuellen Erkenntnissen zur Stadtsoziologie und Sozialen Arbeit verknüpft.
Der Hauptteil analysiert anhand von Fallbeispielen vier zentrale Entwicklungsaufgaben – Binden, Qualifizieren, Konsumieren und Partizipieren – unter den erschwerten Bedingungen sozialer Benachteiligung.
Wesentliche Begriffe sind Segregation, Sozialraum, Habitus, Aneignungsprozesse und die verschiedenen Ebenen (Mikro, Meso, Makro) der Sozialen Arbeit.
Der Habitus, basierend auf Pierre Bourdieu, dient dazu zu erklären, wie soziale Ungleichheit verinnerlicht wird und warum Kinder aus benachteiligten Milieus spezifische Schwierigkeiten bei der Erfüllung bildungsbezogener Erwartungen haben.
Während das Zonenmodell von einer stufenweisen Erweiterung des Lebensraums ausgeht, betont das Inselmodell von Zeiher die funktional getrennten, isolierten Räume, zwischen denen Kinder kaum zusammenhängende Erfahrungen machen.
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