Bachelorarbeit, 2023
66 Seiten, Note: 14
1 Einleitung
2 Geschlechterrollen im Wandel
2.1 Geschlecht als soziale Kategorie
2.2 Das soziale Geschlecht und dessen Facetten
2.3 Entwicklung von Geschlechterrollen
2.3.1 Erste Welle
2.3.2 Zweite Welle
2.3.3 Dritte Welle
2.4 Ist–Zustand
3 Die Incelszene
3.1 Entstehung und Ideologie
3.2 Elliot Rodger und sein ideologischer Einfluss
3.3 Bedeutung und Wirkung szenetypischer Symbole
3.4 Misogynie als Einstieg in den Rechtsextremismus
4 Wandel von Geschlechterrollen und Etablierung misogyner Ideologien
4.1 Incels und Hegemoniale Männlichkeit
4.2 Das Konzept der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit
4.2.1 Ursachen für die Entstehung von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit im Kontext des Geschlechterverhältnisses
4.2.2 Heitmeyers Konzepte der „Entsicherten Jahrzehnte“
4.3 Männliche Identität
4.3.1 Arbeit als identitätsstiftende Konstante
4.3.2 „Tradwifes“ und die Glorifizierung alter Rollenbilder
4.3.3 Biologismus und Geschlechterrollen
4.4 Antifeminismus damals und heute
5 Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das Verhältnis zwischen dem gesellschaftlichen Wandel von Geschlechterrollen und der Verbreitung subkultureller Ideologien sogenannter „Incels“. Ziel der soziologischen Analyse ist es zu beantworten, ob die Verbreitung dieser Ideologien kausal mit dem Wandel der Geschlechterverhältnisse zusammenhängt.
3.1 Entstehung und Ideologie
Die Incelbewegung wurde 1997 von einer jungen Frau namens Alana Boltwood ins Leben gerufen.79 Sie gründete die Online-Plattform „Alana’s involuntary Celibacy Project“, das jungen Menschen, egal welchen Geschlechts, die noch keine sexuellen oder romantischen Erfahrungen gemacht haben, eine Plattform zum Austausch bieten sollte. Dabei habe es sich laut der Gründerin selbst zunächst um einen „freundlichen Ort“ gehandelt, in dem sich gegenseitig moralisch unterstützt wurde.80
Inzwischen besteht die Incel-Community jedoch hauptsächlich aus „weißen heterosexuellen jungen Männern, die vor allem in Nordamerika und Europa leben“81 und die auf unterschiedlichen Online-Plattformen und Gewaltfantasien gegen Frauen verbreiten, da sie ihnen die Schuld für ihr nicht vorhandenes Sexual- und Liebesleben geben.
"Misogynie [...] bezeichnet einen weltanschaulich oder psychisch verankerten Frauenhaß, in abgeschwächter Form auch Frauenfeindlichkeit. (Misogynie) findet in spezifischen Verhaltensweisen Ausdruck und kann in politischen und gesellschaftlichen Strukturen institutionalisiert sein."82
Incels vertreten die Meinung, dass sie als Mann ein Recht auf Sex haben, das ihnen durch Frauen verwehrt werde, da sich diese stattdessen für visuell attraktivere, wohlhabendere und sportlichere Männer entscheiden.83 Die Partnerwahl einer Frau wird hierbei mittels einer Skala generalisiert und veranschaulicht, die das Attraktivitätslevel einer Person von eins bis zehn anordnet. Hauptannahme der Incel-Ideologie ist hierbei, dass Frauen keine Partner derselben „Attraktivitätsstufe“ wählen, wie es früher der Fall gewesen sei, sondern ihre Ansprüche derart hochgeschraubt haben, dass der Großteil von ihnen lediglich mit einem Mann ab Attraktivitätslevel „acht“ zufrieden sei, während die überwiegende Mehrheit aller Männer darunter leer ausgehe.84
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Phänomen der Incel-Bewegung ein, stellt die Forschungsfrage nach dem kausalen Zusammenhang zum Geschlechterwandel und skizziert den methodischen Aufbau der Arbeit.
2 Geschlechterrollen im Wandel: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Geschlechts als soziale Kategorie und zeichnet die historische Entwicklung der Geschlechterrollen anhand der drei Wellen der Frauenbewegung nach.
3 Die Incelszene: Das Kapitel bietet eine detaillierte Analyse der Entstehung, Ideologie, spezifischer Memes und Symbole sowie der Radikalisierungspotenziale innerhalb der Incel-Community.
4 Wandel von Geschlechterrollen und Etablierung misogyner Ideologien: Hier erfolgt die theoretische Verknüpfung der Incel-Ideologie mit soziologischen Konzepten wie hegemonialer Männlichkeit und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Ideologien der Incels als Verteidigunsmechanismus gegen den Wandel der Geschlechterrollen und die steigende Autonomie der Frau zu verstehen sind.
Incels, Geschlechterrollen, Hegemoniale Männlichkeit, Misogynie, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Feminismus, Patriarchat, Internet-Kultur, Radikalisierung, Soziologie, Involuntary Celibacy, Geschlechterverhältnis, soziale Identität, Antifeminismus, Gender Gap
Die Arbeit analysiert die Incel-Bewegung und untersucht deren ideologische Grundlagen sowie die Frage, inwieweit diese Ideologien durch den gesellschaftlichen Wandel von Geschlechterrollen beeinflusst wurden.
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Frauenbewegung, die Online-Subkultur der Incels, die Dynamiken hegemonialer Männlichkeit sowie die Auswirkungen von ökonomischen und sozialen Veränderungen auf das traditionelle Rollenbild des Mannes.
Die Arbeit geht der Frage nach, in welchem Verhältnis die Verbreitung der subkulturellen Ideologien der Incels zum gesellschaftlichen Wandel von Geschlechterrollen steht und ob dabei ein kausaler Zusammenhang existiert.
Es handelt sich um eine soziologische Analyse, die auf der Auswertung bestehender Literatur, empirischer Daten und der Anwendung soziologischer Theorien (insb. Connell und Heitmeyer) basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Wandels der Geschlechterrollen, eine fundierte Analyse der Incel-Szene und schließlich die theoretische Verknüpfung beider Komplexe mittels der Konzepte der hegemonialen Männlichkeit und gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.
Wichtige Begriffe sind Incels, Hegemoniale Männlichkeit, Misogynie, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sowie der Wandel der Geschlechterrollen im ökonomischen und gesellschaftlichen Kontext.
In der Incel-Szene beschreibt dieses Prinzip die Annahme, dass 80 % der Frauen sich auf dem Beziehungsmarkt nur für die attraktivsten 20 % der Männer entscheiden, wodurch die Mehrheit der Männer benachteiligt werde.
Incels nutzen das Konzept, um ihre eigene Wahrnehmung von Dominanz und Unterordnung zu legitimieren und sich als Opfer eines Systems zu stilisieren, das ihre traditionelle männliche Rolle bedroht.
Das Beispiel dient der Veranschaulichung, wie gesellschaftliche Debatten um Diversität und Inklusion in den Medien präsent sind, was wiederum bei antifeministischen Gruppen als Angriff auf traditionelle Strukturen wahrgenommen wird.
Der Autor schätzt es als wahrscheinlich ein, dass Radikalisierungsprozesse in der Szene zunehmen und diese in Zukunft für Sicherheitsbehörden eine größere Rolle spielen könnten.
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