Diplomarbeit, 2010
115 Seiten, Note: 1,0
0. Einleitung
1. Hauptteil
1.1 Gesprochene Sprache als Gegenstand der Linguistik
1.1.1 Rückblick
1.1.2 Das Gespräch – Definition, allgemeine Merkmale, Grundbegriffe
1.1.2.1 Gesprächsformen
1.1.2.2 Die Gesprächsanalyse
1.1.2.2.1 Methodik
Schritt 1: Aufzeichnung
Schritt 2: Verschriftlichung
1.1.2.1.2 Transkriptionssysteme
Schritt 3: Analyse
1.2 Merkmale der geschriebenen und der gesprochenen Sprache im Vergleich
1.3 Spezifika der gesprochenen Sprache
1.3.1 Aspekte und Folgen der Kopräsenz der Gesprächsteilnehmer: Deixis, wechselseitige Wahrnehmung, Multimodalität
1.3.2 Besonderheiten bei der Bedeutungsherstellung durch Sprecher und Hörer im verbalsprachlichen Prozess
1.3.3 Vielfältigkeit, Variabilität und Normiertheit
1.3.4 Aussprachevarietäten
1.3.5 Stimme und Prosodie
1.3.6 Phonetische Besonderheiten
1.3.7 Syntaktische Besonderheiten
1.3.8 Gliederungsindikatoren
1.3.9 Analyse eines Beispieltranskriptes
Transkriptionszeichen nach GAT
Dialogausschnitt „Ehediskussion“
1.3.9.1 Prosodische Phänomene
1.3.9.2 Phonetische Phänomene
1.3.9.3 Syntaktische Phänomene
1.3.9.4 Gliederungsindikatoren
1.4 Das Nähe-Distanz-Modell von Koch und Oesterreicher
1.4.1 Unterscheidung zwischen Medium und Konzeption nach Söll
1.4.2 Nähe und Distanz: Kommunikationsbedingungen und Versprachlichungsstrategien
1.4.3 Charakterisierung des Beispieltranskriptes durch das Nähe-Distanz-Modell
1.5 Fingierte Mündlichkeit
1.5.1 Was ist fingierte Mündlichkeit und in welchen Formen gibt es sie?
1.5.2 Fingierte Mündlichkeit als Schreibstrategie
1.5.3 Funktionen der fingierten Mündlichkeit – gleicht sie ein Defizit der Schrift aus?
1.5.4 Wie kann durch das Fingieren von Mündlichkeit die Illusion einer Nähesprachlichkeit erzeugt werden?
1.5.5 Charakterisierung der fingierten Mündlichkeit durch das Nähe-Distanz-Modell
1.6 Die Charakteristika fingierter Dialoge in „Der Zauberberg“ von Thomas Mann und in „Mondscheintarif“ von Ildikó von Kürthy
1.6.1 Analysen der Dialogteile aus „Der Zauberberg“ hinsichtlich mimetisch dargestellter nähesprachlicher Merkmale
Ausschnitt 1
Ausschnitt 2
1.6.2 Analysen der Dialogteile aus „Mondscheintarif“ hinsichtlich mimetisch dargestellter nähesprachlicher Merkmale
Ausschnitt 3
Ausschnitt 4
1.6.3 Vergleich der Nähesprachlichkeit simulierenden Mittel in „Der Zauberberg“ und in „Mondscheintarif“
1.6.4 Analysen der Charakteristika und der Funktionen der fingierten Mündlichkeit in „Der Zauberberg“ und in „Mondscheintarif“ durch das Nähe-Distanz-Modell
2. Fazit
3. Bibliografie
Die vorliegende Arbeit untersucht das Stilmittel der fingierten Mündlichkeit in literarischen Prosatexten, insbesondere in den Romanen „Der Zauberberg“ von Thomas Mann und „Mondscheintarif“ von Ildikó von Kürthy. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, wie Schriftsteller dieses Mittel einsetzen, welche Wirkungen damit beim Leser erzielt werden sollen und inwieweit diese künstlichen Dialoge mit natürlichen Alltagsgesprächen vergleichbar sind, wobei das Nähe-Distanz-Modell nach Koch und Oesterreicher als theoretisches Analysekontinuum dient.
Ausschnitt 1
Settembrini lächelte.
Es mag sein, daß ich mich gelegentlich so ausgedrückt habe«, sagte er. »Nun, und Sie fanden sie kurzweilig, diese Lebensweise?«
»Kurzweilig und langweilig, wie Sie nun wollen«, erwiderte Hans Castorp. »Das ist zuweilen schwer zu unterscheiden, wissen Sie. Ich habe mich durchaus nicht gelangweilt, – dazu ist es doch ein allzu munterer Betrieb bei Ihnen hier oben. Man bekommt so viel Neues und Merkwürdiges zu hören und zu sehen… Und doch ist mir auch andererseits wieder, als ob ich nicht nur einen Tag, sondern schon längere Zeit hier wäre, – geradezu, als ob ich hier schon älter und klüger geworden wäre, so kommt es mir vor.«
»Klüger auch?« sagte Settembrini und zog die Brauen hoch.
»Wollen Sie mir die Frage erlauben: Wie alt sind Sie eigentlich?«
Aber siehe da, Hans Castorp wußte es nicht! Er wußte im Augenblick nicht, wie alt er sei, trotz heftiger, ja verzweifelter Anstrengungen, sich darauf zu besinnen. Um Zeit zu gewinnen, ließ er sich die Frage wiederholen und sagte dann:
»… Ich… wie alt? Ich bin natürlich im vierundzwanzigsten. Demnächst werde ich vierundzwanzig. Verzeihen Sie, ich bin müde!« sagte er.
0. Einleitung: Hinführung zum Thema des Gespräches als Grundeinheit der Kommunikation und Definition des Untersuchungsgegenstandes der fingierten Mündlichkeit in Romanen.
1. Hauptteil: Detaillierte linguistische Erläuterung der gesprochenen Sprache, der Gesprächsanalyse und der Anwendung des Nähe-Distanz-Modells auf die literarische Mündlichkeit.
2. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der fingierten Mündlichkeit als künstliche, aber bereichernde Erweiterung des schriftlichen Mediums zur Simulation von Unmittelbarkeit und Lebensnähe.
3. Bibliografie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Gesprächsanalyse und Literaturwissenschaft.
Fingierte Mündlichkeit, Gesprächsanalyse, Nähe-Distanz-Modell, Mediensimulation, Alltagsgespräch, Romanform, Thomas Mann, Ildikó von Kürthy, Koch und Oesterreicher, Nähesprache, Distanzsprache, Dialog, Kommunikation, Mündlichkeit, Schriftlichkeit.
Die Arbeit untersucht, wie in literarischen Texten mündliche Sprache „fingiert“ wird, um beim Leser den Eindruck von Nähe und Authentizität zu erzeugen.
Die linguistische Gesprächsanalyse, der Vergleich zwischen gesprochener und geschriebener Sprache sowie die Analyse literarischer Dialoge als Stilmittel.
Die Forschungsfrage ist, wie Autoren fingierte Mündlichkeit in Romanen einsetzen, um die Illusion einer „Sprache der Nähe“ zu erzeugen und welche Funktionen diese in der Romanwelt erfüllen.
Es wird hauptsächlich das Nähe-Distanz-Modell von Koch und Oesterreicher angewandt, ergänzt durch gesprächsanalytische Methoden nach GAT.
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen zur gesprochenen Sprache gelegt, um anschließend konkrete Dialoge aus den Romanen „Der Zauberberg“ und „Mondscheintarif“ linguistisch zu analysieren.
Die wichtigsten Begriffe sind fingierte Mündlichkeit, Nähe-Distanz-Modell, Mediensimulation und literarischer Dialog.
Während Mann eher selektiv und partiell nähesprachliche Merkmale in philosophische Debatten integriert, ist der Stil von Kürthy durchgängig und global an der Umgangssprache orientiert, um eine Identifikation der Zielgruppe zu ermöglichen.
Die Dialoge fungieren oft als „Sondererscheinung“, da sie bei Mann philosophisch inhaltsschwer sind und teils komplexe Satzstrukturen aufweisen, die nicht der spontanen Alltagssprache entsprechen, aber dennoch authentisch wirken.
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