Bachelorarbeit, 2009
39 Seiten, Note: 1,5
1 Einleitung
2 Verhaltensauffälligkeiten bei Menschen mit Geistiger Behinderung
2.1 Begriffsbestimmung Verhaltensauffälligkeiten
2.2 Begriffsbestimmung Geistige Behinderung
3 Psychoanalytische Pädagogik
3.1 Was ist Psychoanalytische Pädagogik?
3.1.1 Übertragung und Gegenübertragung
3.1.2 Projektion und Projektive Identifizierung
3.2 Die Weg zur „Klassischen Psychoanalytischen Pädagogik“
3.3 Psychoanalytische Pädagogik und Geistige Behinderung
4 Ausgewählte Konzepte der Psychoanalytischen Pädagogik zu Verhaltensauffälligkeiten bei Menschen mit geistiger Behinderung
4.1 Dietmut Niedecken „Namenlos“
4.1.1 Was ist geistige Behinderung?
4.1.2 Die Organisierung von geistiger Behinderung
4.1.3 Verhaltensauffälligkeiten bei Menschen mit geistiger Behinderung aus Niedeckens Sicht
4.1.4 Bewertung
4.2 Das Konzept des Szenischen Verstehens
4.2.1 Szenisches Verstehen in der psychoanalytischen Pädagogik
4.2.2 Szenisches Verstehen in der Geistigbehindertenpädagogik
4.2.3 Bewertung
5 Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht Verhaltensauffälligkeiten bei Menschen mit geistiger Behinderung aus der Perspektive der psychoanalytischen Pädagogik. Ziel ist es, diese Verhaltensweisen nicht als bloße Symptome, sondern als sinnvolle, wenn auch verschlüsselte Mitteilungs- und Bewältigungsversuche der Betroffenen zu verstehen und pädagogische Handlungsoptionen durch eine reflexive Haltung aufzuzeigen.
4.1.3 Verhaltensauffälligkeiten bei Menschen mit geistiger Behinderung aus Niedeckens Sicht
Im Gegensatz zu den von Niedecken genannten Therapiemethoden, welche die Verhaltensweisen zur Normanpassung weg therapieren wollen, sieht sie in den Verhaltensweisen Ausdrucksformen und keine Symptome. Sie stellen für Sie einen Versuch des Kindes dar, auf seine eigene ihm mögliche Weise „Ich“ zu sagen.
Das Verstehen dieser, für außen Stehende störende Verhaltensweisen, im Sinne dieser Arbeit Verhaltensauffälligkeiten, ist für sie Ausgangspunkt ihres psychoanalytischen Therapiekonzeptes. Niedeckens zentrale Grundannahme lautet demnach:
„ […] in allem, was von der geistig behinderten Person geäußert wird, und erscheine es noch so absurd, stereotyp, sinnlos, ( sei ) Sinn und Bedeutung verborgen […] Ein unter Umständen sehr verschlüsselter, entstellter Sinn – und die Entstellung, sofern sie verstehend aufgegriffen werden kann, zeugt von der Sozialisationsgeschichte, in welcher ein autonomer Wunsch kaum entwickelt werden konnte, oder aber ins Korsett phantasmatischer Zuschreibungen gepresst wurde.“
Sie geht also grundsätzlich davon aus, ein Kind mit Wünschen vor sich zu haben, die jedoch durch die lebensgeschichtlich bedingte Entwicklungseinschränkung des Kindes verschüttet wurden. Hinzu kommt, dass Menschen mit geistiger Behinderung auf Grund dieser Entwicklungsgeschichte oft keine Möglichkeit hatten, ein verstehbares Ausdrücken dieser Wünsche zu erlernen. Sie werden verstellt sichtbar in auffälligen Verhaltensweisen, die sich nach Niedecken als „Symptomhandlungen“ zeigen. Ein Kind teilt demnach mit den entwickelten Verhaltensauffälligkeiten seiner Umwelt etwas mit. Nicht auf der symbolischen Ebene, also über Sprache oder mit Gesten, denn diese Ebene konnte es noch nicht erreichen, sondern in Symptomhandlungen. In der Mitteilung ist der Wunsch des Kindes, verstanden und damit angenommen zu werden enthalten. Gleichzeitig zeigt die Art und Weise der Mitteilung, nämlich über Verhaltensauffälligkeiten, die Lebenserfahrung die das Kind gemacht hat: „ dass es mit seinem Wunsch in der Welt nichts auszurichten“ hat und den Wunsch „nicht auf akzeptable Weise geltend“ machen kann.
1 Einleitung: Die Autorin begründet ihr Interesse an der psychoanalytischen Pädagogik anhand biografischer Erfahrungen in der Arbeit mit geistig behinderten Menschen und umreißt das Ziel der Arbeit.
2 Verhaltensauffälligkeiten bei Menschen mit Geistiger Behinderung: Dieses Kapitel erläutert die Ursachen und Häufigkeit von Verhaltensauffälligkeiten sowie die Notwendigkeit einer differenzierten Begriffsbestimmung von Verhaltensauffälligkeiten und geistiger Behinderung.
3 Psychoanalytische Pädagogik: Es werden die Grundlagen der Disziplin, zentrale Begriffe wie Übertragung und Projektion sowie die historische Entwicklung bis hin zu heilpädagogischen Ansätzen dargestellt.
4 Ausgewählte Konzepte der Psychoanalytischen Pädagogik zu Verhaltensauffälligkeiten bei Menschen mit geistiger Behinderung: Der Hauptteil analysiert das Konzept von Dietmut Niedecken und das Szenische Verstehen als wesentliche Instrumente zur verstehenden Auseinandersetzung mit Verhaltensauffälligkeiten.
5 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Verhaltensauffälligkeiten als bedeutsame Mitteilungsversuche zu sehen sind, und diskutiert die Herausforderungen einer psychoanalytisch orientierten pädagogischen Praxis.
Psychoanalytische Pädagogik, Geistige Behinderung, Verhaltensauffälligkeiten, Symptomhandlungen, Szenisches Verstehen, Dietmut Niedecken, Übertragung, Gegenübertragung, Ich-Entwicklung, Beziehungsgestaltung, Sozialisation, Pädagogische Reflexion, Lebensgeschichte, Psychohygiene, Entwicklungschancen
Die Arbeit untersucht das Phänomen von Verhaltensauffälligkeiten bei Menschen mit geistiger Behinderung und sucht nach Erklärungsmodellen innerhalb der psychoanalytischen Pädagogik.
Im Zentrum stehen die Konzepte zur Entstehung von Verhaltensweisen als Ausdrucksmittel, die Dynamik von Übertragung und Gegenübertragung in pädagogischen Beziehungen sowie die Bedeutung von gesellschaftlichen Phantasmen im Umgang mit Behinderung.
Das Ziel ist es, für Pädagogen einen verstehenden Zugang zu problematischen Verhaltensweisen zu eröffnen, anstatt diese lediglich als Symptome einer Behinderung abzutun.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse fachspezifischer Literatur zur psychoanalytischen Pädagogik, insbesondere unter Berücksichtigung der Ansätze von Dietmut Niedecken und Alfred Lorenzer.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung psychoanalytischer Pädagogik sowie die detaillierte Vorstellung und Bewertung des Konzepts von Niedecken und der Methode des Szenischen Verstehens.
Die Arbeit ist maßgeblich geprägt durch Begriffe wie Psychoanalytische Pädagogik, Verhaltensauffälligkeiten, Szenisches Verstehen und Ich-Entwicklung.
Nach Niedecken sind Phantasmen tief in der Gesellschaft verankerte Vorstellungen und unbewusste Einstellungen gegenüber Behinderung, die das pädagogische Handeln und die Entwicklung des Kindes maßgeblich beeinflussen und oft zu einer Stigmatisierung führen.
Das Konzept ermöglicht es Pädagogen, die in der Beziehung zwischen ihnen und dem Kind reproduzierten, unbewussten Konfliktmuster zu erkennen und durch eigene Reflexion professionell auf diese zu reagieren.
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