Masterarbeit, 2025
86 Seiten
Diese Masterarbeit untersucht den Einfluss unbewusster Vorurteile (Unconscious Bias) im digitalen B2B-Vertrieb, insbesondere im Kontext von virtuellen Verkaufsgesprächen beim Erwerb von SaaS-Produkten. Das primäre Ziel ist es, die Mechanismen dieser Vorurteile zu verstehen, ihre Auswirkungen auf Verkaufsprozesse zu analysieren und konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen zur Minimierung dieser Verzerrungen abzuleiten.
Unconscious Bias
Ein virtueller Verkaufsraum öffnet sich. Noch bevor das Gespräch beginnt, hat das Gehirn bereits eine Einschätzung der Person auf der anderen Seite des Bildschirms getroffen - basierend auf ihrem Namen, ihrem Akzent oder ihrem Erscheinungsbild. Ohne bewusste Anstrengung entsteht ein Eindruck, der beeinflusst, wie kompetent die Person wirkt, ob ihr Vertrauen entgegengebracht wird und wie überzeugend ihr Angebot erscheint.
Unbewusste Vorurteile begleiten jede Interaktion, selbst wenn Entscheidungen rational und objektiv erscheinen. Sie sind das Ergebnis von Erfahrungen, gesellschaftlichen Normen und medialen Einflüssen, die oft nicht bewusst reflektiert werden. Besonders im digitalen Vertrieb, wo nonverbale Signale begrenzt sind, können diese unbewussten Mechanismen verstärkt wirken und beeinflussen, wem Chancen eingeräumt und welche Geschäftsentscheidungen getroffen werden.
Unbewusste Vorurteile, auch als implizite Vorurteile bezeichnet, wurden erstmals 1995 von den Psychologen Mazarin Banaji und Anthony Greenwald im Rahmen ihrer Forschung zur impliziten sozialen Kognition beschrieben. Sie argumentierten, dass unbewusste Assoziationen und Bewertungen unser Verhalten maßgeblich beeinflussen. Implizite Vorurteile entstehen durch unbewusste Einstellungen und Stereotype, die unsere Wahrnehmung, Entscheidungen und Handlungen beeinflussen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Diese unbewussten Prozesse betreffen häufig bestimmte soziale Gruppen und führen dazu, dass Menschen bestimmten Gruppen automatisch bestimmte Eigenschaften zuschreiben. Dabei handelt es sich nicht um bewusst gesteuerte oder absichtliche Prozesse, sondern um kognitive Mechanismen, die sich der bewussten Kontrolle entziehen.
Jeden Tag müssen Menschen unzählige Entscheidungen treffen – oft unter Zeitdruck und mit begrenzten Informationen. Um diesen Prozess zu erleichtern, nutzt das Gehirn mentale Abkürzungen, sogenannte Heuristiken. Diese unbewussten Denkstrategien ermöglichen schnelle Urteile, können jedoch auch dazu führen, dass Entscheidungen systematisch verzerrt werden. Statt alle verfügbaren Informationen objektiv zu analysieren, greifen Menschen auf Muster, Erfahrungen und Emotionen zurück, um eine Situation intuitiv zu bewerten. Besonders in digitalen Verkaufsgesprächen, in denen weniger nonverbale Hinweise vorhanden sind, könnten Heuristiken eine noch größere Rolle spielen. Ob ein:e Verkäufer:in als kompetent oder vertrauenswürdig wahrgenommen wird, hängt dann nicht nur von fachlichen Argumenten ab, sondern möglicherweise auch von sprachlichen oder optischen Reizen, die unbewusst als Entscheidungsgrundlage herangezogen werden. Um zu verstehen, wie solche Mechanismen Kaufentscheidungen beeinflussen können, ist es wichtig, zentrale Heuristiken und ihre Auswirkungen auf Wahrnehmung und Urteilsbildung genauer zu betrachten.
Kapitel 1: Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung unbewusster Vorurteile im digitalen B2B-Vertrieb ein, formuliert die Forschungsfrage und die Subforschungsfragen und gibt einen Überblick über den Aufbau der Arbeit.
Kapitel 2: Theorie: Hier werden die theoretischen Grundlagen von Unconscious Bias, Heuristiken und Wahrnehmungsverzerrungen durch soziale Kategorisierung detailliert beleuchtet, ebenso wie der digitale Vertrieb in der SaaS-Branche und die Rolle von Videokonferenzen.
Kapitel 3: Empirische Forschung: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen der Untersuchung, das qualitative Experteninterviews mit einem Szenario-Technik (Vignettendesign) kombiniert, um den Einfluss von Akzent und äußeren Merkmalen zu analysieren.
Kapitel 4: Ergebnisse: Die zentralen Ergebnisse der Interviews und des Vignettenexperiments werden zusammengefasst, wobei aufgezeigt wird, wie sprachliche und visuelle Merkmale die Wahrnehmung von B2B-Entscheidungsträger:innen beeinflussen.
Kapitel 5: Diskussion und Schlussfolgerungen: Das letzte Kapitel diskutiert die Ergebnisse im Kontext der theoretischen Grundlagen, formuliert Handlungsempfehlungen für Unternehmen und beleuchtet die Limitationen der Arbeit.
Unbewusste Vorurteile, ethnische Herkunft, digitaler B2B-Vertrieb, Wahrnehmung von Verkäufer:innen, Vignettenexperiment, Kaufentscheidungsprozess, Heuristiken, Stereotype, soziale Kategorisierung, Sprachliche Merkmale, Aussehen, Vertrauenswürdigkeit, Kompetenz, Bias-Reduktion.
Die Arbeit untersucht, wie unbewusste Vorurteile die Kaufentscheidungen von B2B-Entscheidungsträger:innen im digitalen Vertrieb, insbesondere beim Erwerb von SaaS-Produkten, beeinflussen.
Zentrale Themenfelder sind Unconscious Bias, digitaler B2B-Vertrieb in der SaaS-Branche, Wahrnehmung von Verkäufer:innen, Entscheidungsprozesse, sowie Maßnahmen zur Reduzierung von Vorurteilen.
Die primäre Forschungsfrage lautet: "Wie beeinflussen unbewusste Vorurteile in Bezug auf die ethnische Herkunft von Verkäufer:innen die Kaufentscheidungen von B2B-Entscheidungsträger:innen in virtuellen Verkaufsgesprächen beim Erwerb von SaaS-Produkten?"
Zur Beantwortung der Forschungsfragen wird eine qualitative Methodenkombination aus leitfadengestützten Interviews und einem Vignettenexperiment eingesetzt, bei dem Akzent, Name und Erscheinungsbild systematisch variiert wurden.
Der Hauptteil der Arbeit behandelt die theoretischen Grundlagen von Unconscious Bias und Heuristiken, die Besonderheiten des digitalen SaaS-Vertriebs, die angewandten Forschungsmethoden und die detaillierten Ergebnisse der empirischen Untersuchung.
Schlüsselwörter wie "Unbewusste Vorurteile", "ethnische Herkunft", "digitaler B2B-Vertrieb", "Wahrnehmung von Verkäufer:innen", "Vignettenexperiment" und "Kaufentscheidungsprozess" charakterisieren die Arbeit.
Die Ergebnisse zeigten einen Widerspruch zwischen Skalabewertungen und der finalen Auswahlentscheidung. Obwohl einige Verkäufer hohe Punktzahlen erhielten, wurde oft der Person mit vertrautem Namen und klarer Sprache der Vorzug gegeben, was auf unbewusste Affinitäten und den "Affinity Bias" hindeutet, der rationale Kriterien überlagert.
Namen und äußere Merkmale können unbewusst eine Rolle spielen, indem sie kulturelle Assoziationen und Stereotypen aktivieren, noch bevor ein Gespräch stattfindet. Auch Kleidung und Gesichtsausdruck können die Gesamteinschätzung einer Person positiv oder negativ beeinflussen, selbst wenn keine rationalen Gründe dafür vorliegen (Cloven-Hoof-Effekt).
Vorgeschlagene Maßnahmen umfassen Bewusstseinsförderung durch Trainings, die Überarbeitung von Bewertungssystemen mit standardisierten Kriterien, die Förderung von Diversität in Einkaufsteams sowie transparente Reflexionsrunden nach Auswahlprozessen. Auch technologische Lösungen wie anonymisierte Gespräche oder KI-gestützte Analysen wurden diskutiert.
In virtuellen Verkaufsgesprächen ist der Vertrauensaufbau schwieriger, da nonverbale Signale wie Mimik, Gestik und Körpersprache nur begrenzt wahrnehmbar sind. Persönliche Gespräche bieten mehr Möglichkeiten für den Aufbau einer zwischenmenschlichen Verbindung und erleichtern das Erkennen von Sympathie.
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