Diplomarbeit, 2006
96 Seiten, Note: 1,2
Einleitung
1. Vorbetrachtungen
1. 1 Stand der Forschung
1.2 Zur Quellenlage und dem historischen Umfeld der Frühphase kolonialer Expansion in Amerika
1.3 Legende vs. Mythos - Differenzierung der Begriffe
2. Grundkonstanten für die Entstehung von Legenden in der Neuen Welt
2.1 Komponentenschema
3. Exemplarischer Quellenvergleich: Schiffstagebuch – Die Sieben Goldenen Städte von Cibola – El Dorado
3.1 Auf der Suche nach Cipango – Die Asienrezeption im Schiffstagebuch des Kolumbus
3.2 Die Sieben Goldenen Städte von Cibola – Visionen eines Geistlichen?
3.3 Spanische und oberdeutsche Expeditionen – Die Suche nach dem El Dorado in den Weiten Südamerikas
4. Zusammenfassung der Teilanalysen
4.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Quellen im Vergleich
4.2 Die singulären Ergebnisse im Komponentenschema
5. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht den Entstehungskontext von Legenden während der frühen kolonialen Expansion in Amerika (1492–1550). Dabei wird analysiert, wie europäische Vorstellungen, ökonomischer Erfolgsdruck und indigene Einflüsse das Bild von sagenhaften Orten und Goldländern prägten und welche Rolle dabei die mittelalterliche Mirabilienbildung spielte.
3.1 Auf der Suche nach Cipango – Die Asienrezeption im Schiffstagebuch des Kolumbus
Das Schiffstagebuch enthält die ersten primären Informationen über die Neue Welt. Die Beschreibungen, die Kolumbus lieferte, decken den Zeitraum vom 3. August des Jahres 1492 bis zum 15. März 1493 ab.
Während die Niña, die Pinta und die Santa Maria durch die heutige karibische Inselwelt segelten, verfasste der Kapitän und Leiter der Expedition Christoph Kolumbus sein Schiffstagebuch. Abgeschirmt von der europäischen Kommunikation vom August des Jahres 1492 bis zum März 1493 war die Expedition, die das Ziel hatte, Asien auf dem Westweg zu erschließen, ohne Einflüsse aus Europa gewesen. Im Vorfeld der Reise wurde die iberische Halbinsel von der maurischen Herrschaft befreit – Granada, die letzte Bastion der islamischen Herrschaft, bildete in einem spanischen Befreiungskampf einen Schlusspunkt, der im Januar 1492 in eben besagter Stadt sein Ende fand. Die siegreiche Beendigung des Krieges gegen die Mauren bot nun ideale Voraussetzungen, sich in Übersee zu engagieren. Die Portugiesen hatten bereits zahlreiche Reisen nach Süden unternommen und die Peripherie Afrikas erkundet. Spanien musste, um mit dem portugiesischen Rivalen im Handel mithalten zu können, ebenfalls Expeditionen durchführen und Ergebnisse erzielen.
Einleitung: Einführung in die Thematik der Mythenbildung in der Neuen Welt und Skizzierung der untersuchten Quellen sowie Forschungsfragen.
1. Vorbetrachtungen: Darstellung des Forschungsstandes und der quellenkritischen Grundlagen sowie definitorische Abgrenzung der Begriffe Legende und Mythos.
2. Grundkonstanten für die Entstehung von Legenden in der Neuen Welt: Vorstellung eines theoretischen Modells (Komponentenschema), das Faktoren wie Bildung, Politik und Fantasie zur Legendenentstehung zusammenführt.
3. Exemplarischer Quellenvergleich: Schiffstagebuch – Die Sieben Goldenen Städte von Cibola – El Dorado: Detaillierte quellenkritische Analyse der drei Fallbeispiele hinsichtlich ihres Entstehungskontexts und Einflusses.
4. Zusammenfassung der Teilanalysen: Synthese der Einzelergebnisse und Diskussion der gemeinsamen sowie unterschiedlichen Muster in den untersuchten Berichten.
5. Schlussbetrachtung: Abschließende Reflexion über die Bedeutung der Legendenbildung als Konstruktionsprozess im Rahmen der kolonialen Expansion.
Koloniale Expansion, Konquistadoren, Legendenbildung, Schiffstagebuch, Christoph Kolumbus, Marcos von Nizza, Philipp von Hutten, El Dorado, Cibola, Cipango, Mirabilien, Indigene Bevölkerung, Mythos, Neue Welt, Goldsuche.
Die Arbeit analysiert die Entstehung von Mythen und Legenden wie El Dorado oder die Sieben Goldenen Städte von Cibola während der frühen europäischen Expansion in Amerika zwischen 1492 und 1550.
Im Mittelpunkt stehen die Berichte von Entdeckern und Konquistadoren, der Einfluss europäischer mittelalterlicher Wissensbestände sowie die Auswirkungen der indigenen Erzählungen auf die Wahrnehmung der Realität in der Neuen Welt.
Ziel ist der Vergleich dreier verschiedener Quellenkontexte, um zu verstehen, wie Legenden durch ein Zusammenspiel von europäischer Bildung, ökonomischem Erfolgsdruck und indigener Kommunikation entstanden sind.
Die Autorin oder der Autor wendet eine vergleichende Quellenanalyse an, gestützt auf sieben festgelegte Kriterien, darunter das historische Umfeld, das Abhängigkeitsverhältnis der Schreiber und die Untersuchung auf intertextuelle Bezüge.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung (Komponentenschema) und eine detaillierte Analyse der Einzelberichte, wobei Kolumbus, Marcos von Nizza und Philipp von Hutten als zentrale Fallbeispiele dienen.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Mirabilienbildung, Konquistadoren, Erfolgsdruck, Transformation, Intertextualität, Goldmotiv und das wechselseitige Abhängigkeitsverhältnis zwischen Krone und Expeditionsteilnehmern.
Es dient als Ausgangspunkt für die Transformation mittelalterlicher Mirabilienbildung, da Kolumbus versuchte, die neu entdeckten karibischen Inseln in einen asiatischen Kontext einzuordnen, um seinen Geldgebern Erfolg zu suggerieren.
Das Schema visualisiert die verschiedenen Einflussfaktoren – von der persönlichen Gier nach Gold bis hin zur politischen Notwendigkeit, der Krone gegenüber Rechenschaft abzulegen – die gemeinsam den Nährboden für die Mythenbildung bildeten.
Die Arbeit verdeutlicht, dass indigene Völker oft gezielt Informationen an die Spanier weitergaben oder bestätigten, um diese durch das Verweisen auf fernere Orte oder Goldgruben zur Weiterreise zu bewegen und sich so vor den Konquistadoren zu schützen.
Da der Beweis der Nichtexistenz lange Zeit nicht erbracht werden konnte und der frühe Tod vieler Abenteurer die Hoffnung auf den Reichtum am Leben hielt, blieb El Dorado bis ins 17. Jahrhundert hinein ein mächtiger Antrieb für Expeditionen.
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