Masterarbeit, 2024
53 Seiten, Note: 1,3
Diese Arbeit untersucht Eduard Mörikes Märchen "Das Stuttgarter Hutzelmännlein" im Kontext der politischen und privaten Turbulenzen um das Revolutionsjahr 1848. Sie analysiert, wie Mörike, entgegen der gängigen Forschung, seine politische Haltung verschlüsselt in seinen Werken ausdrückte und sein Märchen als Wunsch nach Harmonie und als verdeckte Kritik an den zeitgenössischen politischen Verhältnissen verstanden werden kann.
2.2 Mörikes Kommentare zum Zeitgeschehen in seinen Briefen
Der Blick auf die Briefkommunikation eines Schriftstellers bietet die Möglichkeit, Eindrü-cke von der Wahrnehmung politischer Ereignisse und sozialer Verhältnisse zu gewinnen.36 Mörike war unmittelbarer Zeitzeuge dieser turbulenten Jahre im Königreich Württemberg und in den deutschen Staaten, aber sein Blick ging auch über die Grenzen der deutschen Staaten hinweg nach Frankreich, wie die folgenden Äußerungen in seinen Briefen aufzeigen werden. Mörike zeigt Anfang des Jahres 1848 ein großes Interesse an den politischen Ent-wicklungen in Frankreich. „Die Nachrichten aus Frankreich aber verschlingen billig jedes andres Interesse"37, schreibt er am 10. Februar an Familie Hartlaub. Eineinhalb Monate spä-ter spricht er von einem „Sturm der Weltbegebenheiten"38 und fragt rhetorisch: „Wer hat sich in diesen paar Wochen nicht größer als sein ganzes Leben lang empfunden?"39 Derartige Zeichen seines politischen Interesses zeigen sich in dieser Phase lediglich im Briefwechsel mit Hartlaub. Dieser war von den revolutionären Bewegungen begeistert und schaffte es, auch seinen Schriftstellerkollegen in den Bann zu ziehen.40 Trotzdem äußert Mörike seine persönliche Haltung zu den Entwicklungen sehr selten und bleibt in seinen Äußerungen weitestgehend vage. So existiert kein briefliches Zeugnis, in dem er sich explizit als Befürworter der revolutionären Bewegungen äußert. Durch einige kürzere Bemerkungen lässt sich aller-dings seine Haltung zumindest ansatzweise nachvollziehen. Bezüglich der Nationalversammlung in Frankfurt schreibt er Hartlaub, auch diesem werde sicherlich „ein Stein vom Herzen weggefallen“41 sein, als er von der Wahl Erzherzog Johanns zum Reichsverweser erfahren hat.42 Es sei ihm „siedend heiss“43 geworden, als er von den Tumulten während einer Sitzung in der Nationalversammlung gehört hat. Daraus ist zu schließen, dass er sich eine zielführende und erfolgreiche Arbeit des Frankfurter Parlaments erhofft hat und er dieses Gremium in dieser Phase befürwortet hat. Im selben Brief erwähnt er auch die Lektüre einer Schrift über Robert Blums, die ihm „sehr angenehm“44 gewesen sei. Blum war als Abgeordneter einer der führenden Köpfe der linken Demokraten und wurde aufgrund seiner tragenden Rolle in der Wiener Oktoberrevolution hingerichtet. 45 David Friedrich Strauß hatte sich im Stuttgarter Landtag gegen das Bedauernsvotum zum Tod Blums gewandt, was Mörike als „seltsame Faxen“46 missbilligt und damit den Streit seines Freundes mit der linken Fraktion kritisiert. Auch den Präsidenten der Nationalversammlung, Heinrich von Gagern, schätzte Mörike einem Brief an Hartlaub zufolge sehr.47 Der als liberal angesehene Politiker setzte sich in seinem Amt für einen politischen Ausgleich ein und war auf einen moderaten Kurs bedacht.48 Kritik äußert er primär an den adeligen Herrschern. Mehrfach zeigt er eine Abneigung gegen die Fürsten der deutschen Gebiete und verurteilt „den dummen Hochmuth des preuss. Königs“49. Mörike würdigt das „siegreiche Volk“50 und bedauert, dass die Obrigkeiten durch ihre ablehnende Haltung die Möglichkeit einer „wahren Liebe“51 zum Volk verwehren.
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in Eduard Mörikes politische Interessen um 1848 ein, die oft übersehen wurden, und stellt das Märchen "Das Stuttgarter Hutzelmännlein" als zentrales Untersuchungsobjekt vor, um Mörikes politische Haltung zu analysieren.
2. Mörike und die politischen Entwicklungen um 1848: Dieser Abschnitt beleuchtet die politischen Ereignisse in Württemberg und Mörikes Reaktionen darauf, seine Kommentare zum Zeitgeschehen in Briefen, sein literarisches Umfeld sowie die politischen Tendenzen in seinen Werken und seine Lebensumstände um 1848.
3. Politik und Harmonie im Stuttgarter Hutzelmännlein: Das Kapitel analysiert Mörikes Äußerungen zum "Hutzelmännlein", den historischen Hintergrund der Erzählung, die symbolische Funktion der Figur des Hutzelmännleins als Tröster, Liebeshelfer und "Datte", sowie die Bedeutung der "Historie von der schönen Lau" und des "Krakenzahns im Bleilot" für die Darstellung von Politik und Harmonie.
4. Schlussbetrachtungen: Das Fazit fasst zusammen, dass Mörike in seinem Märchen eine idealisierte Darstellung des alten Württembergs schuf, die ein harmonisches Verhältnis zwischen Herrscher und Volk abbildet und somit eine verdeckte Kritik an den politischen Zuständen nach 1848 darstellt.
Eduard Mörike, Das Stuttgarter Hutzelmännlein, 1848 Revolution, Vormärz, Württemberg, Politik, Harmonie, Biedermeier, Literatur, Historie, Hutzelmännlein (Figur), Krakenzahn, Friedensstiftung, Gesellschaft, Volksfest, politische Chiffren.
Diese Arbeit untersucht, wie Eduard Mörike in seinem Märchen "Das Stuttgarter Hutzelmännlein" auf die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche seiner Zeit um 1848 reagierte und dabei seine Sehnsucht nach Harmonie ausdrückte.
Die zentralen Themenfelder sind Mörikes politische Haltung, die historischen Ereignisse in Württemberg (Vormärz, Revolution 1848), die Analyse von "Das Stuttgarter Hutzelmännlein" auf politische und harmonische Elemente sowie die Verbindung von Mörikes Lebensumständen mit seinem Werk.
Das primäre Ziel ist es, die Frage zu beantworten, wie Mörikes Märchen "Das Stuttgarter Hutzelmännlein" im Kontext seiner Erfahrungen der turbulenten Jahre um 1848 gelesen werden kann, insbesondere im Hinblick auf politische und harmonische Botschaften.
Die Arbeit verfolgt einen gesellschaftstheoretischen Ansatz, indem sie Mörikes Werk im Rahmen seiner privaten und politischen Situation analysiert und historische sowie literaturwissenschaftliche Quellen heranzieht.
Der Hauptteil behandelt die politischen Entwicklungen um 1848, Mörikes politische Kommentare in seinen Briefen, sein literarisches Umfeld, die politischen Tendenzen in seinen Werken, seine Lebensumstände und eine detaillierte Analyse von "Das Stuttgarter Hutzelmännlein" hinsichtlich seiner politischen und harmonischen Elemente.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Eduard Mörike, Das Stuttgarter Hutzelmännlein, 1848 Revolution, Vormärz, Württemberg, Politik, Harmonie, Biedermeier, Literatur, historische Chiffren.
Mörike äußert sich in seinen Briefen versteckt und diskret als Sympathisant der politischen Revolutionsbewegung, distanziert sich aber von radikalen Ansichten und gewaltsamen Ausschreitungen, wobei er im Verlauf der Revolution zunehmend Resignation zeigte.
Mörike stilisiert im Märchen ein harmonisches Bild des alten Württembergs und seiner Herrscher, wie Graf Eberhard, die das Wohl des Volkes fördern. Dies wird als versteckte Kritik an der restaurativen Politik und den fehlenden Kooperationen König Wilhelms I. nach 1848 interpretiert.
Das Hutzelmännlein fungiert als zentrale, allgegenwärtige Figur, die als Tröster und Liebeshelfer agiert, die Handlungsstränge verbindet und entscheidend dazu beiträgt, dass Seppes Reise ein harmonisches Ende findet und sich die Charaktere vereinigen können.
Die gräfliche Hochzeit symbolisiert eine harmonische Vereinigung zweier Adelshäuser, die auch als politische Vereinigung und Ausgleich widerstreitender Kräfte gelesen werden kann, was im Kontext der Arbeit als Wunschbild für das politisch zerrüttete Württemberg verstanden wird.
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