Masterarbeit, 2025
150 Seiten, Note: 1,2
Psychologie - Klinische Psychologie, Psychopathologie, Prävention
Diese Masterarbeit untersucht die spezifischen Bedürfnisse trans und nicht-binärer Jugendlicher in der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung und leitet praxisnahe Handlungsempfehlungen für Kliniken ab. Das übergeordnete Ziel ist es, psychosoziale Herausforderungen und Versorgungslücken dieser Zielgruppe zu identifizieren, um die klinische Praxis zu verbessern. Die Forschungsfrage, die im Zentrum steht, lautet: „Welche spezifischen Bedürfnisse müssen bei der Behandlung und Betreuung von trans und nicht-binären Jugendlichen in der kinder- und jugendpsychiatrischen Gesundheitsversorgung berücksichtigt werden und welche Anforderungen an die klinische Praxis können identifiziert werden?“
Transgender in der Kinder- und Jugendpsychiatrie – eine qualitative Studie mit dem Fokus auf „Was braucht Klinik?“
Die Entwicklung von Jugendlichen, die sich als trans oder nicht-binär identifizieren, ist komplex und mit erheblichen Herausforderungen verbunden: Neben den allgemeinen Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz müssen sie ihre Geschlechtsidentität ergründen und oft gegen gesellschaftliche Diskriminierung und Stigmatisierung ankämpfen. Eine EU-Umfrage verdeutlicht, dass Transpersonen in Deutschland Gewalt und Belästigung erfahren und sie ihre Identität in der Schule häufig verbergen mussten (European Union Agency for Fundamental Rights, 2024). Diese belastende Situation erfordert spezifische therapeutische Ansätze und eine Anpassung der Versorgung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie – nachfolgend Kinder- und Jugendpsychiatrie benannt (Günther, Teren & Wolf, 2021, S. 69-76). Trans Jugendliche benötigen spezifische Unterstützung, die sowohl ihre psychischen als auch sozialen Bedürfnisse berücksichtigt (Pauli, 2024, S. 210). Dabei kommt Kliniken und Praxen der Kinder- und Jugendpsychiatrie eine zentrale Rolle zu, da sie oft eine der ersten Anlaufstellen für betroffene Jugendliche und ihre Familien darstellen, wenn es um Fragen der psychischen Gesundheit und geschlechtlichen Identität geht (Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung [DGfS], 2018; Fuchs, 2021; Pauli, 2024, S. 181-182; Romer & Lempp, 2022; Strittmatter & Holtmann, 2020; Wiech et al., 2020, Wiesemann, 2020).
Trotz des wachsenden Bewusstseins für die besonderen Belange von trans und nicht-binären Jugendlichen und einer steigenden Zahl von Fachpublikationen und Leitlinien bleibt die Umsetzung in der klinischen Praxis oft hinter den Anforderungen zurück und die Versorgungssituation vielerorts unzureichend (Strittmatter & Holtmann, 2020). Es fehlt an spezialisierten Angeboten und an einem tiefen Verständnis der einzigartigen Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind, was nicht selten zu einer kargen Versorgung oder sogar retraumatisierenden Erfahrungen führen kann (Holtmann, 2023). Zunehmende Sichtbarkeit, wachsendes gesellschaftliches Bewusstsein für geschlechtliche Vielfalt sowie die steigende Zahl von Kindern und Jugendlichen, die sich als trans oder nicht-binär identifizieren, machen das Thema der Transidentität und Nicht-Binarität in Kliniken der Kinder- und Jugendpsychiatrie besonders relevant. Diese stehen vor der Herausforderung, trans und nicht-binären Jugendlichen eine adäquate Unterstützung zu bieten, die sowohl ihre psychischen als auch ihre sozialen Bedürfnisse berücksichtigt. Studien (Kaufman, Baams & Dubas, 2017; Sterzing, Ratliff, Gartner, McGeough & Johnson, 2017) belegen, dass sie oft unter erheblichen psychischen Belastungen leiden, die durch gesellschaftliche Stigmatisierung und Diskriminierung oder Ablehnung ihrer Geschlechtsidentität hervorgerufen werden und sich häufig in Form von Angststörungen, Depressionen und einem erhöhten Suizidrisiko manifestieren (Burandt, 2024; Rauchfleisch, 2023). Angesichts dieser Herausforderungen wird die Frage, wie diese Jugendlichen in Kliniken adäquat unterstützt werden können, immer dringlicher.
Die Motivation für diese Arbeit entspringt aus der Erkenntnis, dass die bestehenden Versorgungssysteme in der Kinder- und Jugendpsychiatrie häufig nicht ausreichend auf die spezifischen Bedürfnisse von trans und nicht-binären Jugendlichen ausgerichtet sind. Ein weiteres Motiv für diese Arbeit birgt die berufliche Erfahrung der Autorin, die aktuell einen Arbeitskreis zur Implementierung von Gender Leitlinien als Mitarbeiterin in einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik leitet. Diese Perspektive betont die Relevanz des Themas und bietet wertvolle Einblicke in die aktuellen Herausforderungen der klinischen Praxis.
Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, konkrete Maßnahmen und Ansätze zu identifizieren, die die Versorgung und Unterstützung von trans und nicht-binären Jugendlichen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie verbessern können. Trotz Neuausrichtung diagnostischer Grundlagen „werden die spezifischen Entwicklungsbedürfnisse von Jugendlichen sowie die häufig mit Geschlechtsinkongruenz gemeinsam auftretenden psychopathologischen Belastungen in dieser Altersgruppe nicht berücksichtigt.“ (Leonhardt, Fuchs & Sevecke, 2024, S. 748-749). Im Fokus steht daher die Analyse der spezifischen psychosozialen Bedürfnisse anhand von acht geführten narrativen Interviews mit trans und nicht-binären Jugendlichen, um bestehende Versorgungslücken aufzudecken und praxisorientierte Empfehlungen zu formulieren. Diese sollen nicht nur zur Verbesserung der klinischen Praxis beitragen, sondern auch der Sensibilisierung und Weiterbildung von Fachkräften dienen.
1. Einleitung: Führt in die gesellschaftliche Wahrnehmung von Geschlechtsidentität ein und beleuchtet die Notwendigkeit einer adäquaten Berücksichtigung von Transidentität und Nicht-Binarität in der Gesundheitsversorgung, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen.
2. Theoretische Rahmung: Erarbeitet die zentralen Konzepte und Modelle zum Verständnis der psychosozialen und medizinischen Versorgung von trans und nicht-binären Jugendlichen, inklusive historischer Entwicklung, Geschlechtsidentitätsentwicklung und aktuellem Forschungsstand.
3. Qualitative Gesundheitsforschung: Beschreibt das Forschungsdesign und die angewandten qualitativen Methoden, insbesondere narrative Interviews und Narrationsanalyse, zur Erfassung der subjektiven Erfahrungen von trans und nicht-binären Jugendlichen.
4. Ergebnisse: Präsentiert die deskriptive Darstellung der Interviewergebnisse, identifiziert zentrale Bedürfnisse und Herausforderungen sowie spezifische Versorgungsbedarfe und -lücken und vergleicht diese mit dem aktuellen Forschungsstand.
5. Diskussion: Interpretiert die Ergebnisse der narrativen Interviews im Kontext psychosozialer Belastungen, spezifischer Bedürfnisse und struktureller Defizite und leitet praxisnahe Handlungsempfehlungen für die klinische Praxis ab.
6. Fazit und Ausblick: Fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Studie zusammen, betont die Notwendigkeit eines integrativen, flexiblen Versorgungskonzepts und gibt Impulse für zukünftige Forschung und Weiterentwicklung.
Transgender, Nicht-binär, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Narrative Interviews, Psychosoziale Bedürfnisse, Affirmative Therapie, Klinische Praxis, Geschlechtsidentität, Minderheitenstress, Diskriminierung, Versorgungslücken, Resilienz, Selbstbestimmungsgesetz
Die Arbeit befasst sich mit den spezifischen Bedürfnissen von trans und nicht-binären Jugendlichen in der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung und leitet daraus praxisnahe Handlungsempfehlungen für Kliniken ab.
Zentrale Themenfelder sind die psychosozialen Bedürfnisse trans und nicht-binärer Jugendlicher, bestehende Versorgungslücken in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Entwicklung von Geschlechtsidentität, die Anwendung affirmativer Therapieansätze und die Notwendigkeit von Sensibilisierung und Weiterbildung des Fachpersonals.
Das primäre Ziel ist es, psychosoziale Herausforderungen und Versorgungslücken dieser Zielgruppe zu identifizieren und die klinische Praxis zu verbessern. Die Forschungsfrage lautet: „Welche spezifischen Bedürfnisse müssen bei der Behandlung und Betreuung von trans und nicht-binären Jugendlichen in der kinder- und jugendpsychiatrischen Gesundheitsversorgung berücksichtigt werden und welche Anforderungen an die klinische Praxis können identifiziert werden?“
Die Arbeit nutzt eine qualitative Forschungsstrategie, insbesondere narrative Interviews mit trans und nicht-binären Jugendlichen, die mittels Narrationsanalyse ausgewertet werden.
Der Hauptteil der Arbeit präsentiert die deskriptive Darstellung der Interviewergebnisse, identifiziert zentrale Bedürfnisse und Herausforderungen sowie spezifische Versorgungsbedarfe und -lücken und vergleicht diese Erkenntnisse mit dem aktuellen Forschungsstand.
Schlüsselwörter sind Transgender, Nicht-binär, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Narrative Interviews, Psychosoziale Bedürfnisse, Affirmative Therapie, Klinische Praxis, Geschlechtsidentität, Minderheitenstress, Diskriminierung, Versorgungslücken, Resilienz, Selbstbestimmungsgesetz.
Diskriminierung und Stigmatisierung sind zentrale Belastungsfaktoren, die zu einem erhöhten Stresslevel und psychischen Gesundheitsproblemen wie Angststörungen, Depressionen und Suizidalität bei trans und nicht-binären Jugendlichen führen, wie das Minderheitenstressmodell verdeutlicht.
Transidentität beschreibt eine Geschlechtsidentität, die nicht mit dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt. Nicht-Binarität ist ein Überbegriff für Personen, die sich weder ausschließlich als männlich noch als weiblich definieren, sondern sich jenseits der binären Kategorien verorten.
Familiäre Akzeptanz und Unterstützung sind ein wesentlicher Schutzfaktor für die psychische Gesundheit trans Jugendlicher. Studien und Interviewergebnisse zeigen, dass ein unterstützendes soziales Umfeld und insbesondere die Familie das Gefühl der Isolation reduziert und die mentale Gesundheit signifikant verbessert.
Die Hormontherapie kann den Leidensdruck trans Jugendlicher verringern, erfordert jedoch eine enge psychiatrische und endokrinologische Überwachung. Es gibt auch gesellschaftliche Debatten über die Einwilligungsfähigkeit Minderjähriger und Hürden im Zugang zu solchen medizinischen Maßnahmen.
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