Bachelorarbeit, 2010
79 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Der Friedhof und seine Bedeutung
2.1. Der Friedhof und seine Entwicklung
2.2. Entsorgung der Toten im 18. und 19. Jahrhundert
3. Gräber - Zeichen der Menschwerdung
3.1. Gräber für die Trauerarbeit?
4. Die Bestattung und ihre Entwicklung
4.1 Bestattungsriten in der Gegenwart als Zeichen unserer Lebenswelt
5. Bedeutung und Funktion der Trauerkultur
6. Grabskulpturen- zeitlose Ideale als Abbilder der Liebe und Erotik
7. Der Tod ein beständiger Begleiter
7.1. Tabuthema oder nicht?
7.2. Der Tod im 21. Jahrhundert zwischen Sprachlosigkeit und Dauerpräsenz
8. Fazit
9. Literatur
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die psychologische Bedeutung, Funktion und Entwicklungsgeschichte des Friedhofs in der westlichen Kultur. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, welche psychologischen Schlussfolgerungen über den Menschen und sein Verhältnis zum Tod durch den Friedhof sowie die damit verbundene Trauer- und Bestattungskultur abgeleitet werden können, insbesondere vor dem Hintergrund eines sich wandelnden Todesverständnisses.
3. Gräber und Grabstätten- Zeichen der Menschwerdung
„Das Grab ist auch eine Art Tempel, ein geheiligter Ort, an dem man die Messe zelebrieren kann. Später wird man sagen: Kapelle“ (Aries, 1980, S. 54)
Den zentralen Aspekt eines Friedhofes bilden die Grabstätten. Lehmann (2005) schreibt ihnen eine hohe sozial-, kultur-, und religionsgeschichtliche Bedeutung zu. Der jüdische Philosoph Hans Jonas war der Auffassung, dass das Werkzeug, das Bild und das Grab den Menschen vom Tier unterscheiden würden: „Das Grab ist ein exzellentes menschliches Phänomen, dass die Artefakte von Werkzeug und Bild übersteigt und auf die Glaubensvorstellungen und Metaphysik verweist“(Jonas zitiert nach Globokar, 2002, S. 314). Das Grab hatte für Jonas eine besondere Bedeutung und er sieht es als eine Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Herkunft. Für Schmied (2002) sind Gräber Spiegel vergangener und gegenwärtiger Kulturen. Sie bringen nicht nur die Vorstellungen von Leben und Tod zum Ausdruck, sondern „generell das menschliche Schicksal“ (S. 7). Sie sind nicht nur Zeichen eines grundsätzlich vorhandenen Interesses am Tod, sondern verraten konkrete Unterschiede über die Menschen (Lehmann, 2005).
Für Lehmann (2005) ist das Grab eine Ruhestätte und ein sicherer Aufenthaltsort der Toten, da es vor Leichenschändung, schädigenden irdischen Einflüssen, wie Tiere oder Naturkatastrophen und überirdischen Einflüssen wie Dämonen und Geister schützen soll. Allerdings soll es auch die Lebenden vor den Toten schützen, indem der Tote das Grab nicht mehr verlassen kann und durch seine Wiederkehr die Lebenden stören könnte (Lehmann, 2005; Feldmann, 2004). „Ein Grab ist doch immer die beste Befestigung wider die Stürme des Schicksals.“ (Lichtenberg, 1958, S. 152). Im Gegensatz zu anderen Lebewesen, bestattet nur der Mensch seine Toten und sorgt dafür, dass sie auch nach Eintritt des Todes nicht in Vergessenheit geraten (Lehmann, 2005; Steuer, 1998). Steuer (1998) entschlüsselt das Grab als ein Endergebnis der Bestattung und sieht es als einen Ausschnitt bestimmter Verhaltensweisen der Menschen an, die es ermöglichen, den Einzelnen und Gruppen greifbar zu machen. Das Grab wird als ein wichtiges Mittel angesehen,
1. Einleitung: Einführung in die entwicklungspsychologische Perspektive auf den Tod und Darlegung der Zielsetzung, den Bedeutungswandel des Friedhofs zu untersuchen.
2. Der Friedhof und seine Bedeutung: Analyse der vielfältigen Funktionen des Friedhofs als Ort der Trauer, hygienisches Relikt, ökologisches Biotop und kulturhistorisches Dokument.
2.1. Der Friedhof und seine Entwicklung: Überblick über die historische Entwicklung von Friedhofsanlagen seit der Antike und die religiös motivierte Bedeutung von Begräbnisplätzen.
2.2. Entsorgung der Toten im 18. und 19. Jahrhundert: Darstellung des technokratischen Wandels durch Leichenhallen und die Einführung der modernen Feuerbestattung.
3. Gräber - Zeichen der Menschwerdung: Untersuchung der soziokulturellen Bedeutung von Grabstätten als Ausdruck menschlicher Auseinandersetzung mit Sterblichkeit und Identität.
3.1. Gräber für die Trauerarbeit?: Diskussion darüber, inwieweit Gräber als Orte der Trauerbewältigung fungieren und welche psychologische Bedeutung sie für Hinterbliebene haben.
4. Die Bestattung und ihre Entwicklung: Betrachtung der Geschichte der Bestattungsriten und deren Wandel in der Bedeutung für das gesellschaftliche Leben.
4.1 Bestattungsrituale in der Gegenwart als Zeichen unserer Lebenswelt: Analyse aktueller Bestattungsrituale und des Trends hin zu individuellen, oft mediatisierten Abschiedsformen.
5. Bedeutung und Funktion der Trauerkultur: Erörterung der psychologischen Funktion von Trauerkulturen zur Stabilisierung des sozialen Systems und Bewältigung von Verlusterfahrungen.
6. Grabskulpturen- zeitlose Ideale als Abbilder der Liebe und Erotik: Untersuchung der ästhetischen Gestaltung von Gräbern als Ausdruck von romantisierten Todesvorstellungen im 18. und 19. Jahrhundert.
7. Der Tod ein beständiger Begleiter: Historische Einordnung des Todesverständnisses anhand des Werkes von Philippe Ariès.
7.1. Tabuthema oder nicht?: Kritische Auseinandersetzung mit der These der Verdrängung des Todes in der modernen Gesellschaft.
7.2. Der Tod im 21. Jahrhundert zwischen Sprachlosigkeit und Dauerpräsenz: Analyse des Spannungsfeldes zwischen medialer Überpräsenz des Todes und der gleichzeitigen individuellen Sprachlosigkeit.
8. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangsfragen und Reflexion über die Bedeutung des Erhalts einer Trauerkultur für die Zukunft.
9. Literatur: Verzeichnis der verwendeten fachübergreifenden Quellen und Werke.
Friedhof, Bestattungskultur, Trauerarbeit, Grabskulpturen, Lebensspannperspektive, Entwicklungspsychologie, Tod, Sterben, Rituale, Grabgestaltung, Jenseitsvorstellungen, Trauerbewältigung, Mediatisierung des Todes, kultureller Wandel, Identitätswahrung.
Die Arbeit setzt sich mit der kulturhistorischen und psychologischen Bedeutung des Friedhofs sowie dem Wandel der Bestattungs- und Trauerkultur in der westlichen Gesellschaft auseinander.
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte des Friedhofs, die psychologische Funktion von Grabstätten, die Entwicklung von Bestattungsriten sowie die aktuelle gesellschaftliche Debatte um die vermeintliche Verdrängung des Todes.
Das Ziel ist es, zu hinterfragen, welche psychologischen Schlussfolgerungen sich über den Menschen durch den Friedhof und seine Funktionen ableiten lassen und wie sich der Wandel der Bestattungskultur bewerten lässt.
Die Arbeit stützt sich methodisch auf eine tiefgehende Literaturrecherche, wobei kulturhistorische und psychologische Werke unterschiedlicher Fachdisziplinen interdisziplinär ausgewertet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Friedhöfen und deren Entwicklung, die Analyse von Grabmalen und Skulpturen sowie die theoretische Auseinandersetzung mit Trauerprozessen und dem modernen Umgang mit dem Tod.
Wichtige Begriffe sind Friedhof, Trauerkultur, Bestattungsrituale, Trauerarbeit, Grabskulpturen, Identität und der kulturelle Wandel im Umgang mit dem Tod.
Die Autorin betrachtet den Wandel der Bestattungskultur kritisch, sieht darin jedoch nicht zwangsläufig einen Verfall, sondern vielmehr die Entwicklung neuer Ausdrucksformen und eine zunehmende individuelle Selbstbestimmung im Umgang mit dem eigenen Tod.
Die Arbeit beleuchtet die Schwierigkeiten von Erwachsenen, Kindern das Thema Tod sprachlich zu vermitteln, und betont die Notwendigkeit, Kinder in Trauerprozesse einzubeziehen, um ihnen ein gesundes Verständnis und den Umgang mit Verlusterfahrungen zu ermöglichen.
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