Examensarbeit, 2007
114 Seiten, Note: 2,0
Didaktik für das Fach Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen
1. Einleitung
1.1 Zum Stand der Forschung
1.2 Zur Symbolik des Wassers
1.3 Wasser und Weiblichkeit: Die Frau als Wasser
2. Die Wasserfrau in der Literatur: Von der Antike bis zur Romantik
2.1 Paracelsus und die Lehre der Elementargeister
2.2 Exkurs: Die Wasserfrau im Volksmärchen der Brüder Grimm
3. Die Wasserfrau in der Spätromantik
3.1 Friedrich de la Motte Fouqués Undine
3.1.1 Undine – die Wasserfrau
3.1.2 Die Landschaft als Allegorie der beiden Liebenden
3.1.3 Von der Kindfrau zur domestizierten Weiblichkeit
3.2 Hans Christian Andersens Die kleine Meerfrau
3.2.1 „Dreiecksgeschichte […] aus der Perspektive des Opfers“
3.3 Eduard Mörikes Historie von der schönen Lau
3.3.1 Die verbannte Wasserfrau oder Wie die Lau in den Topf kam
3.3.2 Die Historie als Machtkampf zwischen Patriarchat und Matriarchat
4. Die Wasserfrau im Poetischen Realismus
4.1 Die Wasserfrau in den Werken Theodor Fontanes
4.1.1 Die Verbundenheit der Wasserfrau zu ihrem Element
4.1.2 Die (Wasser-)Frau als das Andere, das Aparte
4.1.3 Weiblichkeitsentwürfe bei Fontane
4.2 Wilhelm Raabes Die Innerste
4.2.1 Die Gefährdung der Ordnung durch das ‚Andere’
4.3 Theodor Storms Auf der Universität
4.3.1 Idealisierung der (Wasser-)Frau als Angst vor Selbstverlust
5. „Bilder und immer wieder Bilder.“ Zur Imagination des Weiblichen.
6. Fazit
Diese Arbeit analysiert die literarische Figur der „Wasserfrau“ in Erzähltexten der Spätromantik und des Poetischen Realismus. Das primäre Ziel ist es, die geschlechtsspezifischen Disparitäten des 19. Jahrhunderts zu untersuchen und aufzuzeigen, wie männliche Imaginationen des Weiblichen – etwa als Dämonin, verführerische Kindfrau oder morbide Frau – zur Domestizierung oder Marginalisierung der Frau beitragen, da diese Konzepte oft im Widerspruch zur realen sozialen Rolle der Frau standen.
3.1.1. Undine – die Wasserfrau
Die aquatische Herkunft Undines wird vom Autor gleich zu Beginn angedeutet:
Mitten durch das Gespräch hatte der Fremde [Huldbrand, A.S.] schon bisweilen ein Plätschern am niedrigen Fensterlein vernommen, als sprütze Jemand Wasser dagegen. Der Alte [Undines Pflegevater, A.S.] runzelte bei diesem Geräusche jedesmal unzufrieden die Stirn; als aber endlich ein ganzer Guß gegen die Scheiben flog, und durch den schlechtverwahrten Rahmen in die Stube herein sprudelte, stand er unwillig auf, und rief drohend nach dem Fenster hin: Undine! Wirst Du endlich einmal die Kindereien lassen.
Die Wandlungsfähigkeit der Wasserwesen, den Kreislauf und die Veränderlichkeit der Natur versinnbildlichend, ist auch Undine noch eigen: Sie wird vom neckenden Plätschern am Fenster zum zerstörerischen Guss gegen die Scheibe.
1. Einleitung: Die Einleitung steckt das Forschungsfeld ab und definiert die Untersuchung der Wasserfrau als männliche Imagination in der Spätromantik und dem Realismus.
2. Die Wasserfrau in der Literatur: Von der Antike bis zur Romantik: Dieses Kapitel zeichnet die Motivgeschichte der Wasserwesen von antiken Sirenen und Nymphen bis hin zu den Elementargeisterlehren des Paracelsus nach.
3. Die Wasserfrau in der Spätromantik: Hier wird die Wasserfrau als romantisches Wunderbares anhand von Fouqué, Andersen und Mörike unter dem Aspekt der gescheiterten Integration in die Menschenwelt betrachtet.
4. Die Wasserfrau im Poetischen Realismus: Dieses Kapitel untersucht die Umdeutung der Wasserfrau-Motive in eine realistische Erzählweise, in der soziale Zwänge und die Rolle der Frau als Ehefrau im Vordergrund stehen.
5. „Bilder und immer wieder Bilder.“ Zur Imagination des Weiblichen.: Dieser Abschnitt reflektiert die Konstruktion des Weiblichen als männliches Projektionsfeld zwischen Heiliger und Hure.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und formuliert eine Minimaldefinition der Wasserfrau für den Realismus, die auf ihrer kühlen Distanz und ihrer Rolle als Außenseiterin basiert.
Wasserfrau, Spätromantik, Poetischer Realismus, Weiblichkeit, Imagination, Elementargeister, Gender, Patriarchat, Domestizierung, Femme fatale, Femme fragile, Symbolik, Literaturwissenschaft, Geschlechterdiskurs, Identität
Die Arbeit untersucht das literarische Motiv der Wasserfrau in Werken der Spätromantik und des Poetischen Realismus und wie dieses zur Darstellung und Codierung von Weiblichkeitsbildern im 19. Jahrhundert genutzt wurde.
Zentrale Themen sind die Symbolik des Wassers, das Verhältnis zwischen Natur und Zivilisation, die männliche Imagination des Weiblichen sowie die gesellschaftliche Rolle der Frau in dieser Epoche.
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie literarische Konzeptionen der Wasserfrau als Projektionsfläche für männliche Wünsche und Ängste dienten und warum diese Figuren fast immer scheitern oder domestiziert werden müssen.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die motivgeschichtliche Aspekte mit kulturwissenschaftlichen und feministischen Perspektiven verbindet, um die soziale Codierung der Geschlechter zu deuten.
Der Hauptteil analysiert spezifische Texte wie Fouqués „Undine“, Andersens „Die kleine Meerfrau“ und Mörikes „Historie von der schönen Lau“ (Romantik) sowie Werke von Fontane, Raabe und Storm (Realisus).
Wichtige Begriffe sind Wasserfrau, Domestizierung, Patriarchat, Femme fatale, Geschlechterdiskurs und Imagination.
Da der Realismus den Anspruch erhebt, die Wirklichkeit abzubilden, verschwindet die explizit übernatürliche Komponente. Die Wasserfrau wird stattdessen durch eine Aura des „Aparten“ und eine kühle Distanz als moderne Außenseiterin konstruiert.
Das Motiv der gestörten Mahrtenehe dient als strukturelles Muster, das das Scheitern der Beziehung zwischen einem menschlichen Mann und einem übernatürlichen Wesen aufgrund von Tabubrüchen und gesellschaftlicher Inkompatibilität beschreibt.
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