Masterarbeit, 2025
69 Seiten
Kinder und Jugendliche in der Heimerziehung sind häufig mit belastenden Beziehungserfahrungen und vielfältigen psychosozialen Herausforderungen konfrontiert. Sie haben unter anderem Gewalt, sexuellen Missbrauch, Vernachlässigung oder abrupte Trennungen erlebt. Vor dem Hintergrund dieser schwierigen Lebenslagen kommt der Gestaltung von verlässlichen und förderlichen Bindungserfahrungen eine zentrale Bedeutung für ihre Entwicklung zu. Die Bindungsforschung hat gezeigt, dass frühe Bindungsbeziehungen die spätere Beziehungsfähigkeit bis ins Erwachsenenalter hinein prägen.
Dies bringt besondere Anforderungen an das Fachwissen, die Reflexionsfähigkeit, soziale Kompetenzen und die Belastbarkeit der Fachkräfte in stationären Unterbringungsformen mit. Zusätzlich erschweren rahmenorganisatorische Störfaktoren wie der Schichtdienst, eine hohe Fluktuationsrate bei Mitarbeitenden und Kindern sowie eine für die Heimerziehung unzureichende Ausbildung eine intensive Beziehungsarbeit, die Grundlage für förderliche Bindungen ist. Aufgrund zunehmender multipler und komplexer Störungsbilder benötigen viele fremduntergebrachte Kinder zusätzlich zu den Hilfemaßnahmen in der Heimerziehung psychiatrisch-therapeutische Unterstützung und damit die zwei Hilfesysteme zugleich. Das Konzept des Therapeutischen Milieus“ versucht, alle Umweltfaktoren bewusst in die Reflexion der Wirkfaktoren in der Heimerziehung einzubeziehen. Es legt seinen Fokus insbesondere auf die Beziehungsgestaltung und alltägliche Interaktionen. Damit strebt es eine „Therapeutisierung“ des Alltags an, sondern liefert ein Zusammendenken theoretischer Wissensbestände und ein pädagogisches Handlungskonzept. In Verbindung mit der Bindungstheorie eröffnet sich damit ein theoretischer Bezugsrahmen, dessen Nutzen es für den Aufbau förderlicher Bindungsbeziehungen in der Heimerziehung zu untersuchen gilt.
Daraus ergibt sich die zentrale Leitfrage dieser Masterthesis: Wie kann das Konzept des „Therapeutischen Milieus“ dazu beitragen, dass Kinder in der Heimerziehung positive Bindungserfahrungen machen?
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