Magisterarbeit, 2005
99 Seiten, Note: 2,15
1. Einleitung
1.1. Untersuchungsbereich – Begriffsbestimmung
1.2. Forschungslage
1.3. Methodik – Ziel der Untersuchung
2. Grundsätzliche Feststellungen
2.1. Exkurs: Das Boot – Teil einer Trilogie?
2.2. Kriegs- und Antikriegsbücher
3. Die Kriegsprosa nach 1945
3.1. BRD und DDR – Kriegsliteratur im Zerrspiegel der Politik
3.2. Beschreibungskonventionen der Kriegsprosa
3.2.1. Nie wieder Krieg! Kriegsnaturalismus als Zukunftsmahnung
3.2.2. Der deutsche Soldat als Opfer – die Nazis alleinige Täter
3.2.3. Unfähige Führung
3.3. Ansatzpunkte der Kritik
3.3.1. Ausblenden von Politik
3.3.2. Heldenverehrung – Technikglorifizierung?
4. Dokumentarliteratur
4.1. Dokumentarisches – subjektiviert
4.2. Der Dokumentarroman
4.2.1. Faktizität
4.2.2. Subjektivität
5. U-Boot-Literatur
5.1. Zur Entstehung
5.2. Arten und Tendenzen
5.3. Die ‚Buchheim-Debatte’
5.3.1. Wahrheit und Wirklichkeit
5.3.2. Der Mythos Dönitz
5.4. Das Werk im Schatten des Autors
6. Schlussbemerkung
Die Arbeit untersucht Lothar-Günther Buchheims Roman "Das Boot" im Kontext der deutschen Kriegsliteratur nach 1945. Ziel ist es, die spezifische Position des Werks innerhalb dieses Genres zu analysieren, seine Einordnung als Dokumentarroman zu prüfen und die damit verbundenen literarischen sowie historischen Debatten zu beleuchten.
3.2.1. Nie wieder Krieg! Kriegsnaturalismus als Zukunftsmahnung
Eine, die gesamtdeutsche Kriegsliteratur kennzeichnende Darstellungsform des Krieges, ist die sog. ‚harte Schreibweise’, die Hermand als konstituierendes Element der „Romane der Härte“ ausmacht. Der Hauptakzent liegt hierbei verstärkt auf der Darstellung des Furchtbaren und Grauenhaften des Krieges. Plievier schon hatte in Stalingrad diesen harten Realismus vorgegeben:
Vilshofen ließ anhalten, trat an den Panzer heran, blendete seinen Taschenscheinwerfer auf und blickte durch das Einschußloch in das Innere. Das weiße Licht des Scheinwerfers lag jetzt voll auf seinem Gesicht; es war das eines fast Fünfzigjährigen mit vorspringender großer Nase und mit großen klaren Augen. Was diese Augen erblickten, war das Resultat der Wirkung eines detonierten Geschosses im geschlossenen Raum eines Panzerinnern. Der Fahrer saß noch an seinem Platz, ohne Kopf, der war abgerissen. Von der Brust und den Oberarmen war das Fleisch abgeplatzt. Bis zum Gürtel ein Skelett, durch welches Lungen und Herz durchschienen, so saß er da. Die unversehrt gebliebenen Hände, die das Lenkrad noch umfaßten, wirkten an den nackten Armknochen wie übergestreifte Handschuhe. Von den übrigen drei Mann war nichts mehr zu sehen; was sie einmal waren, klebte als blutiger Schaum an den Panzerwänden.
Auch bei Buchheim finden sich solch grauenhaft-surreale Passagen:
Dann taucht ein Schlauchboot auf mit einem Mann darin. Er sitzt wie in einem Schaukelstuhl. Seine Füße hängen über den Gummiwulst fast bis ins Wasser. Die Unterarme hält er nach oben gerichtet, als wolle er Zeitung lesen. Ich wundere mich, wie kurz sie sind. Da erkenne ich im Näherkommen, daß seine beiden Hände fehlen. Er streckt uns schwärzliche Stummel entgegen. Das Gesicht ist eine schwarzgesengte Maske, aus der die Zahnreihen blecken. Einen Augenblick lang verfiel ich der Täuschung, der Mann hätte sich einen schwarzen Strumpf übergezogen. [...]
1. Einleitung: Definiert den Untersuchungsbereich, beleuchtet die Forschungslage und legt die methodische Zielsetzung der Arbeit fest.
2. Grundsätzliche Feststellungen: Klärt den Status des Romans innerhalb einer möglichen Trilogie und diskutiert die Problematik der Kategorisierung von Kriegs- und Antikriegsliteratur.
3. Die Kriegsprosa nach 1945: Analysiert die Unterschiede in der Kriegsliteratur zwischen BRD und DDR sowie gängige Beschreibungskonventionen und Kritikpunkte.
4. Dokumentarliteratur: Erörtert die Typologie des Dokumentarromans und untersucht Buchheims Werk hinsichtlich Faktizität und Subjektivität.
5. U-Boot-Literatur: Analysiert die spezifische U-Boot-Literatur, die Entstehung der "Buchheim-Debatte" und die Auseinandersetzung mit dem Mythos Dönitz sowie der Person Buchheim.
6. Schlussbemerkung: Fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Sonderstellung von "Das Boot" innerhalb der Kriegsliteratur.
Lothar-Günther Buchheim, Das Boot, Kriegsliteratur, Nachkriegsliteratur, Kriegsprosa, Dokumentarroman, U-Boot-Krieg, Karl Dönitz, Kriegsrealismus, Kriegsverbrechen, Autobiografie, Literaturwissenschaft, deutsche Zeitgeschichte, Erinnerungskultur, Soldatenbild.
Die Arbeit analysiert Lothar-Günther Buchheims Roman "Das Boot" im breiteren Kontext der deutschen Kriegsliteratur nach 1945 und untersucht dessen literarische Einordnung und Rezeption.
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der Kriegsprosa in der BRD und DDR, die Darstellung des Soldaten als Opfer oder Täter, die Rolle der Technik und die Entmythisierung des Seekrieges.
Ziel ist es, den Roman als Dokumentarroman zu verorten und zu zeigen, wie Buchheim durch subjektive, aber auf faktischer Grundlage basierende Erzählweise den "U-Boot-Mythos" kritisch hinterfragt.
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die den Roman in den historischen Kontext einbettet und mit anderen Werken der Kriegsliteratur vergleicht.
Der Hauptteil befasst sich mit den Konventionen der Kriegsprosa, der Rolle der Führung, der Einordnung als Dokumentarroman und der spezifischen Debatte um Buchheims Werk.
Wichtige Begriffe sind u.a. Kriegsliteratur, Dokumentarroman, U-Boot-Krieg, "Das Boot", Geschichtsrevisionismus und die Rolle des Autors.
Der "Fall Eck" dient als Beispiel, um aufzuzeigen, wie Buchheim den Mythos des "sauberen" U-Boot-Krieges demontiert und die Grenze zum Kriegsverbrechen thematisiert.
Der Kommandant wird als ambivalente Figur gezeichnet: einerseits als "gebrochener" Held und Opfer des Krieges, andererseits als potenzieller Täter, der in der Zwangssituation des Krieges agiert.
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