Bachelorarbeit, 2010
40 Seiten, Note: 1,3
1. Beobachtungen: Wir alle sind Voyeure
2. Einteilung in Ebenen der Beobachtersituation
3. Position des Blicks und Koppelung
3.1 Erste einführende Teilsequenz: ein räumlicher Überblick
3.2 Zweite einführende Teilsequenz: vom schweifenden Blick zum Hinsehen
3.3 Dritte einführende Teilsequenz: vom Hinsehen zum Beobachten
4. Das Kinodispositiv als Voraussetzung für die Koppelung des Blickes
5. Dispositive in „Rear Window“
5.1 Das Kinodispositiv
5.2 Das Fernsehdispositiv
5.3 Die Grenzen des Fernsehdispositivs
6. Die Koppelung des Blickes - „Ohnmachtsanfälle“
6.1 Die Ohnmacht des Voyeurs
6.2 Die mittelbare Ohnmacht des Voyeurs
6.3 Die Ohnmacht des Zuschauers
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Alfred Hitchcock in seinem Film „Rear Window“ eine aktive Kopplung des Zuschauers an den Blick der Kamera sowie an die Figur Jeffries herstellt. Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch spezifische apparative Anordnungen und filmische Inszenierungen der Zuschauer in eine voyeuristische Beobachterrolle gedrängt wird und wie Hitchcock diese Koppelung nutzt, um Momente des Kontrollverlusts, sogenannte „Ohnmachtsanfälle“, zu erzeugen.
3. Position des Blickes und Koppelung
Um die Positionierung des Zuschauers, der Kamera und des Protagonisten, welche die Sehbedingungen für den Großteil des Films vorgibt, zu erklären, soll eine Einführungssequenz des Films analysiert werden. Als Einführungssequenz soll der Abschnitt des Films festgelegt werden, der vom Vorspann bis zum ersten Auftritt Stellas und ihrem Monolog über die voyeuristische Gesellschaft reicht. Die ersten neun Minuten des Films sind insofern genauer zu analysieren, weil in diesen die Koppelung des Zuschauers an die Kamera aktiv vollzogen wird. In der Einleitung wurde diesbezüglich angemerkt, dass die Koppelung des Zuschauers an die Kamera an sich keine herausragende Feststellung ist, da jeder Film diesem Prinzip unterliegt. In „Rear Window“ wird dem Zuschauer jedoch explizit gezeigt, wie sich diese Koppelung vollzieht. Dies wird anhand dieser Einführungssequenz erklärt werden, die in drei Teile gegliedert analysiert wird, wobei jeder für sich eine eigene Funktion für die Vorbereitung und Positionierung des Blickes von Zuschauer und Protagonist hat.
1. Beobachtungen: Wir alle sind Voyeure: Einführung in den voyeuristischen Blick in „Rear Window“ und die Konstruktion der Beobachtersituationen durch Hitchcock.
2. Einteilung in Ebenen der Beobachtersituation: Definition zweier Ebenen der Betrachtersituation, die als Grundgerüst für die Analyse der Koppelung von Kamera, Zuschauer und Jeffries dienen.
3. Position des Blickes und Koppelung: Detaillierte Analyse der Einführungssequenz in drei Teilsequenzen, um die aktive Herstellung der Koppelung zwischen Zuschauer und Kamera zu verdeutlichen.
4. Das Kinodispositiv als Voraussetzung für die Koppelung des Blickes: Untersuchung der apparativen Anordnung im Kino als notwendige Voraussetzung für den Realitätseindruck und die Teilhabe des Zuschauers.
5. Dispositive in „Rear Window“: Anwendung des Kinodispositivs und des Fernsehdispositivs auf die spezifische Anordnung Jeffries' an seine Fenster.
6. Die Koppelung des Blickes - „Ohnmachtsanfälle“: Erarbeitung von drei Stufen des Kontrollverlusts beim Beobachten, die durch die Koppelung der Blicke entstehen.
Alfred Hitchcock, Rear Window, Voyeurismus, Kinodispositiv, Fernsehdispositiv, Koppelung, Blickführung, Betrachtersituation, Ohnmachtsanfälle, Jeffries, subjektive Kamera, mediale Anordnung, Teilhabe, Filmtheorie, Beobachter
Die Arbeit untersucht die Mechanismen, mit denen Alfred Hitchcock in „Rear Window“ den Zuschauer an den Blick der Kamera und des Protagonisten Jeffries koppelt, um eine voyeuristische Betrachterhaltung zu konstruieren.
Im Zentrum stehen der voyeuristische Blick, die apparativen Bedingungen des Kinos und Fernsehens (Dispositive) sowie die psychologischen und narrativen Wirkungen dieser Anordnungen auf den Zuschauer.
Das Ziel ist die Analyse der aktiven Koppelung des Zuschauers an den Film und die Untersuchung der „Ohnmachtsanfälle“, die eintreten, wenn diese Koppelung zu einem Kontrollverlust beim Beobachten führt.
Es wird eine medienwissenschaftliche Filmanalyse durchgeführt, die Konzepte der Dispositiv-Theorie (nach Jean-Louis Baudry und Knut Hickethier) mit einer strukturellen Ebenenanalyse verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der räumlichen Ebenen, die Untersuchung der Kinobedingungen, die Anwendung von TV-Dispositiven auf das Fenster-Motiv und die systematische Erarbeitung der „Ohnmachtsanfälle“.
Die Arbeit lässt sich vor allem über Begriffe wie Voyeurismus, Dispositiv, Koppelung, Betrachtersituation und mediale Anordnung charakterisieren.
Der Begriff beschreibt Momente, in denen der Protagonist Jeffries oder der Zuschauer im Kino die Kontrolle über die Betrachtersituation verlieren, weil die schützende Distanz zwischen Beobachter und Beobachtetem plötzlich aufgehoben wird.
Die Nacht verstärkt das Kinodispositiv, da die Dunkelheit im Hof den Blick stärker auf die erleuchteten Fenster fokussiert und die Möglichkeiten zur Ablenkung minimiert, wodurch der Zuschauer stärker in die Illusion der Teilhabe eingebunden wird.
Während der Kinobesucher durch die architektonische und technische Anordnung des Kinos fixiert ist, ist Jeffries in eine filmische Anordnung übertragen, die Elemente des Kinos (fokussierte Sicht durch den Rahmen) mit Elementen des Fernsehens (Zappen durch verschiedene „Programme“) verbindet.
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