Magisterarbeit, 2007
94 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
1 Machiavelli
1.1 Das Leben des Niccolo Machiavelli
1.2 Die Grundbegriffe
1.2.1 Fortuna
1.2.2 Necessita
1.2.3 Virtu
1.3 Machiavellis Menschenbild
1.4 Machiavellis Verständnis der Politik
1.5 Die Rolle der Religion
1.6 Das Verhältnis von Discorsi und Il Principe
1.7 Der Vorläufer der Staatsraison
1.8 Demokratie oder Diktatur ?
1.9 Machiavellismus
2 Macht
2.1 Vom Wesen der Macht
2.2 Das rationale Element
2.3 Die Ethik der Macht
2.4 Autorität
2.5 Gewaltstaaten
3 Weimarer Republik
3.1 Entstehung
3.2 Die Krisenjahre 1919-1923
3.3 Relative Stabilität zwischen 1924 und 1929
3.4 Krise und Untergang
3.5 Zwischenbilanz
4 Hitlers Machtpolitik
4.1 Der Weg zur Macht
4.2 Übernahme und Ausbau der Macht
4.3 Ausweitung der Macht bis 1938
4.4 Außenpolitik
4.5 Motivierung und Motivationen der Bevölkerung
4.6 Polizei und SS: zwischen Macht und Gewalt
4.7 Jenseits der Machtpolitik: Euthanasie und Judenvernichtung
4.7.1 Rassenpolitik
4.7.2 Euthanasie
4.7.3 Judenvernichtung
4.8 Programm der Herrschaft
4.9 Der Krieg
4.10 Das Ende
4.11 Hitler und Machiavelli
5 Fazit
Diese Arbeit untersucht die Machtpolitik Adolf Hitlers unter dem spezifischen Blickwinkel von Niccolò Machiavellis politischer Theorie. Das primäre Ziel besteht darin zu analysieren, ob und inwieweit sich Hitlers Herrschaftspraxis mit den Lehren Machiavellis rechtfertigen lässt oder ob sie grundlegend davon abweicht.
1.1 Das Leben des Niccolo Machiavelli
Niccolo Machiavelli wurde am 3. Mai 1469 in Florenz geboren. Seine Heimatstadt war eine der einflussreichsten Metropolen in der italienischen Renaissance, auch wenn sie zum Zeitpunkt seiner Geburt bereits ihren Zenit überschritten hatte.3 Die Familie zählte sich eigentlich zum Patriziertum, doch war sie von der um sich greifenden, zunehmenden Verarmung in Florenz betroffen. Sein Vater Bernado di Niccolo Bouninsegna war Doktor der Rechtswissenschaft und als Anwalt tätig. Seinem geringem Vermögen und Einfluss nach gehörte die Familie eher zur oberen Mittelschicht. Deshalb erhielt Niccolo zwar eine humanistische aber verkürzte Ausbildung, er sprach nämlich nur Latein, kein Griechisch oder Hebräisch. Deshalb konnte er später viele Quellen nicht im Original lesen.
Über die Herkunft des Familiennamens schreibt de Grazia: „The present tale has additional interest, recalling that the Machiavegli escutcheon consists of a cross azure, field argent, und four nails, also azure, that stick in the four angels made by the cross. the nails represent the bad nails that nailed Christ to the cross. They sometimes appear in devices of families with connections to the Crusades or the Holy Land as soldiers or pilgrims. We do not know who of the family fist acquired the cross and nails symbol or how the family itself came to be called Machiavegli, but in the late thirteenth century one ancestor, a penitent and contemplative, had evidently gone on the Holy Land and at a ripe old age there in so holy state that he was counted as one of the blessed. Among the older family appear two first names that are unusual and clearly related to nails-Chiovello and Chiodo. The family last name, wich we have seen Niccolò and others spell in various ways, can be broken down into the Latin Mal(i) plus Clavus(-i) or Clavellus(-i) = „bad nail(s).“ Niccolo is sure to know that this origin can be put to his family name. What may be his first signed letter, that of 29 April 1499, as Chancellor of the Second Chancery, carries the signature „Nicholaus Maclavellus Cancellarius.“4
Machiavelli: In diesem Kapitel werden das Leben Machiavellis, seine zentralen Begriffe wie Fortuna, Necessita und Virtu sowie seine Sicht auf Staat und Politik dargelegt.
Macht: Der Abschnitt definiert den Begriff der Macht in Abgrenzung zur Gewalt und untersucht deren soziale und rationale Grundlagen sowie ethische Aspekte.
Weimarer Republik: Dieses Kapitel analysiert die instabile Entstehung, die Krisenphasen sowie den schrittweisen Untergang der Weimarer Republik bis hin zur Ernennung Hitlers.
Hitlers Machtpolitik: Hier wird Hitlers Aufstieg, seine Konsolidierung der Macht, die Gleichschaltung der Gesellschaft und seine außenpolitische Strategie unter machiavellistischen Kriterien bewertet.
Fazit: Die Schlussbetrachtung stellt fest, dass Hitlers Herrschaft nicht als machiavellistisch im Sinne der Theorie zu bezeichnen ist, da sie den Staat vernichtete statt ihn zu stabilisieren.
Machiavelli, Il Principe, Discorsi, Machtpolitik, Adolf Hitler, Weimarer Republik, Macht, Gewalt, Staatsraison, Virtu, Fortuna, Necessita, Totalitarismus, Herrschaftstechnik, Nationalsozialismus
Die Arbeit analysiert die Machtpolitik Adolf Hitlers im direkten Vergleich mit der politischen Theorie von Niccolò Machiavelli, um die Übereinstimmungen und Unterschiede in der Herrschaftspraxis aufzuzeigen.
Zentrale Themen sind das Wesen politischer Macht, die Entstehungs- und Krisengeschichte der Weimarer Republik sowie die Methoden, mit denen Hitler seine Macht übernahm und ausbaute.
Das Ziel ist die Prüfung der Hypothese, ob Hitlers Handeln als machiavellistisch bezeichnet werden kann, insbesondere im Hinblick auf den Erhalt und die Festigung des Staates.
Der Autor führt eine theoretische Analyse durch, indem er politikwissenschaftliche Konzepte (v.a. Machiavelli) auf die historische Praxis der Machtausübung in der Weimarer Republik und im Dritten Reich anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Machiavelli-Interpretation, die Untersuchung von Machtstrukturen sowie eine chronologische und thematische Aufarbeitung des Aufstiegs und der Herrschaft Hitlers.
Die wichtigsten Begriffe sind Machiavelli, Machtpolitik, Hitler, Weimarer Republik, Gewalt, Staatsraison, sowie die zentralen Konzepte der Fortuna, Necessita und Virtu.
Der Autor macht deutlich, dass Macht auf einem sozialen Anerkennungssystem und Korrespondenz der Interessen basiert, während Gewalt lediglich instrumentell ist und oft ein Anzeichen für den Verlust von wirklicher Macht darstellt.
Er argumentiert gegen die isolierte Betrachtung beider Werke und sieht sie als zusammengehörig, wobei die Discorsi eher als allgemeine Staatslehre und das Principe als Krisenrezept für Notlagen zu verstehen sind.
Der Autor verneint dies deutlich; er klassifiziert Hitler eher als Pseudomachiavellisten, da Hitlers Politik den Staat nicht erneuerte und stabilisierte, sondern in den Untergang führte.
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