Magisterarbeit, 2007
99 Seiten, Note: 2,0
1. Einführung
2. Die Begriffserklärung
2.1. Der Begriff „Transformation“ / „Transition“
2.1.1. Allgemeine Transformation in den postkommunistischen Ländern
2.1.2. Medientransformation
2.2. Der Begriff „Mediensystem“
2.2.1. Funktionen der Medien in demokratischen Gesellschaftssystemen
2.2.2. Beziehungen zwischen Medien und Politik in demokratischen Systemen
2.2.3. Typen von Mediensystemen
3. Der Ausgangszustand - die Medien in der Volksrepublik Polen zu Beginn des Medienwandels im Jahre 1989
3.1. Strukturelle Spezifika
3.2. Juristische Rahmenbedingungen und Zensurbestimmungen
4. Der Transformationsbeginn und die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen
4.1. Die Liberalisierung der Medien nach den Beratungen am Runden Tisch
4.2. Die ersten neuen rechtlichen Regelungen
4.3. Die Liquidierungskommission
5. Die Periodisierung des Transformationsprozesses in den polnischen Medien
5.1. Die Phase des stürmischen Enthusiasmus neuer Verleger und Senderanbieter sowie der staatlich gesteuerten Umgestaltung alter Publikationen
5.2. Die Phase scheinbarer Stabilisierung und sog. unterschwelliger Veränderungen auf dem Presse- und Rundfunkmarkt
5.3. Die Phase des offenen Kampfes um den Medienmarkt
5.4. Die Phase der Restrukturierung des Medienmarktes nach der Vergabe der ersten Sendelizenzen für den privaten Rundfunk und der Expansion der „deutschen“ Wochenzeitschriften
5.5. Die Phase der neuen Aufteilung des Medienmarktes und fortschreitenden Spezialisierung
6. Medientransformation
6.1. Legislative Ebene
6.2. Ökonomische Ebene
6.3. Ebene „Staat-Medien“
6.4. Rundfunk
6.4.1. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk
6.4.2. der öffentlich-rechtliche Hörfunk
6.5. Die Presse
7. Schlussfolgerung
Diese Arbeit analysiert den Transformationsprozess der polnischen Medienlandschaft (Presse und Rundfunk) in der ersten Dekade nach der politischen Wende von 1989 bis 1999. Im Fokus steht dabei die Untersuchung, wie sich das vormals staatlich gelenkte Mediensystem in ein duales, pluralistisches Modell transformierte und welche institutionellen, rechtlichen sowie ökonomischen Faktoren diesen Wandel maßgeblich beeinflussten.
2.1.2. Medientransformation
Um zu verstehen, worauf die Medientransformation in postkommunistischen Ländern beruht, ist es zuerst notwendig, die Charakteristika des kommunistischen Modells der Massenkommunikation darzulegen.
Die kommunistische Medienordnung beruhte auf der von Lenin formulierten Medientheorie. Nach dieser Theorie kommen der Presse drei Funktionen zu: die des kollektiven Propagandisten, des kollektiven Agitators und des kollektiven Organisators. Diese dreifache Funktion beinhaltet die Erziehung der Massen im Sinne der Lehre des Marxismus-Leninismus, die autorisierte Interpretation der Politik der Partei, die Mobilisierung der Bevölkerung in Politik und Produktion sowie die Herstellung von Kommunikationsflüssen innerhalb der Parteigliederungen (vgl. Inkeles 1951: 194; zit. nach Voltmer 2000: 127).
„The Soviet doctrine of journalism, based on Lenin’s writings and practice of journalism, and later elaborated by party ideologists, stressed such principles as partymindedness (patiinost), high ideological content (vysokaya ideinost’), truthfulness (pravdivost’), national/popular character (narodnost’), mass character (massovost’), and criticism and self-criticism (kritika and samokritika) […] The truth was conceived as something more then simple facts, as their deeper meaning. […] the party knew the truth, and, therefore, only it could provide correct interpretation and selection of facts” (Goban-Klas 1999: 14-15).
1. Einführung: Darstellung des politischen Zusammenbruchs sozialistischer Regime und der darauf folgenden medienbezogenen Transformationsprozesse in Mittel- und Osteuropa, mit besonderem Blick auf Polen.
2. Die Begriffserklärung: Definition und theoretische Einbettung der Begriffe „Transformation“ und „Mediensystem“ sowie Analyse der Medientransformation als Teil des Systemwechsels.
3. Der Ausgangszustand - die Medien in der Volksrepublik Polen zu Beginn des Medienwandels im Jahre 1989: Analyse der strukturellen und juristischen Gegebenheiten des polnischen Mediensystems am Vorabend der politischen Wende.
4. Der Transformationsbeginn und die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen: Dokumentation der ersten Liberalisierungsschritte nach dem Runden Tisch sowie der verabschiedeten Zensur- und Presserechtsänderungen.
5. Die Periodisierung des Transformationsprozesses in den polnischen Medien: Detaillierte Darstellung des Medienwandels anhand eines fünfstufigen Periodisierungsmodells von der ersten Aufbruchphase bis zur fortschreitenden Spezialisierung Ende der neunziger Jahre.
6. Medientransformation: Empirische Untersuchung des Wandels auf sechs Ebenen: legislativ, ökonomisch, im Verhältnis Staat-Medien sowie in der Differenzierung von Presse und Rundfunk.
7. Schlussfolgerung: Synthese der Ergebnisse zur erfolgreichen, wenn auch komplexen Medientransformation und Einordnung Polens in die internationalen Transformationsmodelle.
Medientransformation, Polen, Pressefreiheit, Rundfunkgesetz, Systemwechsel, Demokratisierung, Medienlandschaft, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Mediensystem, Journalismus, Transformationsforschung, Medienmarkt, Privatisierung, Zensur, Parteipresse
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der spezifischen Transformationsprozesse, die Presse und Rundfunk in Polen in den zehn Jahren nach der politischen Wende von 1989 durchlaufen haben.
Die Themenfelder umfassen die rechtliche Neugestaltung des Mediensystems, die ökonomischen Veränderungen, das Verhältnis zwischen Medien und Politik sowie die strukturellen Anpassungen der Medienangebote an marktwirtschaftliche Gegebenheiten.
Das Ziel ist eine umfassende Darstellung der Entwicklung der polnischen Medien, eingebettet in die theoretische Transformationsdebatte, um zu klären, welches Modell des Mediensystems sich nach der Wende in Polen herausgebildet hat.
Es handelt sich um eine theoriegeleitete Analyse, die einschlägige Literatur aus dem deutsch-, polnisch- und englischsprachigen Raum sowie Rechtsvorschriften und statistische Daten zum Medienwandel auswertet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Bestandsaufnahme vor 1989, die rechtlichen Rahmenbedingungen ab 1989, die phasenweise Periodisierung des Prozesses sowie die spezifische Untersuchung der legislativen, ökonomischen und strukturellen Medienebenen.
Zentrale Begriffe sind Medientransformation, Demokratisierung, duales Mediensystem, Mediatisierung der Politik sowie die Hallin/Mancini-Modelle der Mediensysteme.
Der Staat wandelte sich vom direkten Zensor zum regulatorischen Akteur, wobei er insbesondere im öffentlich-rechtlichen Rundfunk weiterhin politischen Einfluss ausübte, während der Pressemarkt weitgehend privatisiert wurde.
Die Autorin stellt fest, dass eine eindeutige Einordnung schwierig ist, da Polen Merkmale aller drei Säulen des Modells (mediterran, demokratisch-korporatistisch, liberal) aufweist und möglicherweise eine vierte Säule für postkommunistische Staaten erfordert.
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