Masterarbeit, 2023
212 Seiten, Note: 1,0
Diese Masterarbeit befasst sich mit der aktuellen Problematik der Umweltzerstörung und des Klimawandels. Sie nutzt das dystopische Musical „Tanz der Vampire“ als Ausgangspunkt, um ethische Leitlinien für umweltschützendes Verhalten im Rahmen des schulischen Ethikunterrichts zu entwickeln. Das primäre Ziel ist es, eine zukunftsoptimistische Perspektive zu fördern und Resignation entgegenzuwirken, indem das Konzept der Futures Literacy zur Gestaltung nachhaltiger Zukunftsvisionen eingesetzt wird.
Medial vermittelte ethische Einsichten
Bei nahezu allen Narration können ethische Implikationen herausgelesen werden. Einige Erzählun gen intendieren jedoch explizit, ethische Einsichten zu generieren, indem von den Autor:innen eine gewisse Wirkungsweise beabsichtigt ist. So kann auch das Musical „Tanz der Vampire“ als ein Kul turgut betrachtet werden, welches unterschiedlichste normative Botschaften transportiert. Dietmar Mieth, Professor für Moraltheologie, hat sich ausgiebig mit den Potenzialen narrativer Ethik hinsicht lich der Vermittlung ethischer Einsichten befasst, sich hierbei allerdings vorwiegend auf literarische Texte bezogen. Diese Aspekte gilt es nun ansatzweise darzulegen, um im weiteren Verlauf der Arbeit das Stück „Tanz der Vampire“ als ein Angebot narrativer Ethik zu begreifen.
Eine Erzählung, die potenziell in der Lage ist, ethische Einsichten zu schaffen, betitelt Mieth als „ethisches Modell“, welches pränormativ, also an sich nicht normativ ist: „Ethische Modelle sind offen für miteinander in Konflikt stehende Interpretationen. Sie sind stets Ergebnis von Interpretati onen“ (Mieth 2007: 224). Ethische Modelle können jedoch als „vorbereitend normativ“ gelten, da „[...] sich aufgrund von in den Modellen enthaltenen Maximen auch verallgemeinerungsfähige Nor men ableiten lassen“ (ebd.: 224-225). Das ethische Potenzial medialer Angebote, die narrative Ethik transportieren, rührt Mieth zufolge daher, dass Erzählungen an die individuellen Erfahrungen der Menschen anknüpfen, die stets eng mit Emotionen verbunden sind. Zudem kann sich das menschliche Individuum nur mittels der Erfahrung die Welt erschließen: „Erfahrung im Ganzen erschließt die Welt; Erfahrung erschließt aber auch Bereiche des Lebens und Handelns in ihrer jeweiligen Eigen gesetzlichkeit. Die lebensweltlich-alltägliche, die geschichtliche, die ästhetische und die religiöse Welt sind nicht aufeinander reduzierbar“ (ebd.: 219). Der ästhetischen Erfahrung kommt bezüglich des Schaffens ethischer Einsichten durch narrative Ethik eine zentrale Rolle zu. Diese enthält dem Autor Marcus Düwell zufolge „[...] das Moment des Genießens, eine Reflexivität, die Selbstzweck lichkeit und die sinnlich-geistige Präsentation“ (ebd.). Demnach sind unter anderem das Lesen von Büchern, das Schauen von Filmen, das Besuchen von Theaterstücken und das Betrachten von Bildern als ästhetische Erfahrungen zu verstehen. Es geht hierbei um den Genuss der medial dargebotenen Reize als Selbstzweck, um die Reflexion der wahrgenommen Inhalte sowie deren sinnlich-geistige Präsentation in dem Sinne, dass das Wahrgenommene Sinneserfahrungen ermöglicht und damit an bereits vorhandene, subjektive Erfahrungen anknüpft und somit Raum für neue Denkanstöße bietet.
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das übergeordnete Thema der Umweltzerstörung ein und positioniert das Musical „Tanz der Vampire“ als ein dystopisches Szenario, das für den Ethikunterricht zur Förderung der Futures Literacy genutzt werden kann.
2. Narrative Ethik: Hier wird die narrative Ethik als Ansatz zur Vermittlung ethischer Einsichten beleuchtet, der Begriff der „Futures Literacy“ definiert und die 17 Nachhaltigkeitsziele der UNO als Kontext für zukunftsfähiges Denken etabliert. Zudem werden Utopien und Dystopien als theatrale philosophische Werkzeuge sowie drei Analysemodelle (Mieth, Kohlberg, Campbell) vorgestellt.
3. Die Handlung des Musicals – „Tanz der Vampire“ als Dystopie: Das Kapitel bietet einen kurzen Überblick über die historische Entstehung und die Handlung des Musicals „Tanz der Vampire“ und ordnet es explizit als Dystopie ein, die sich mit menschlicher Gier und deren zerstörerischen Konsequenzen auseinandersetzt.
4. Analyse und Interpretation der Figuren und Texte – Wenn sich die Menschheit aus Gier selbst ausrottet: Es erfolgt eine detaillierte Analyse der Hauptfiguren und homogenen Gruppen des Musicals sowie der im Stück verhandelten philosophischen Themenkomplexe wie die Natur des Menschen, Begierde und Vernunft, Traum oder Wirklichkeit, Ewigkeit und Vergänglichkeit, Gesellschaftsordnung und die Relativität von Moral, inklusive ihrer ethischen Implikationen.
5. Transfer zur Thematik der Umweltzerstörung: Dieses Kapitel transferiert die im Musical identifizierten dystopischen Aspekte auf die Thematik der Umweltzerstörung, wobei die menschliche Gier als zentraler Faktor herausgestellt und Foucaults Dispositivanalyse zur Untersuchung von gesellschaftlichen Macht-Wissens-Komplexen angewendet wird. Abschließend wird ein konkreter Unterrichtsentwurf für den Ethikunterricht skizziert.
6. Künftige Wert- und Normorientierungen: Es wird die Notwendigkeit einer Universalmoral für den Umweltschutz argumentiert und konkrete ethische Werte und Normen, inspiriert durch Judith Butler und Hans Jonas, vorgeschlagen. Zudem wird Futures Literacy als positive Strategie zur Entwicklung utopischer Zukunftsvisionen gegenüber dystopischen Szenarien hervorgehhoben.
7. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Kernergebnisse der Arbeit zusammen, unterstreicht die Relevanz der Futures Literacy und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung eines umweltbewussten Ethos in der Gesellschaft.
Dystopien, Ethikunterricht, Futures Literacy, Umweltzerstörung, "Tanz der Vampire", Narrative Ethik, Nachhaltigkeitsziele, Moralentwicklung, Michel Foucault, Dispositivanalyse, Conditio humana, Universalmoral, Judith Butler, Hans Jonas, Gier
Die Arbeit untersucht, wie das dystopische Musical „Tanz der Vampire“ im Ethikunterricht genutzt werden kann, um über Umweltzerstörung zu reflektieren und zukunftsfähige, umweltschützende Verhaltensweisen zu fördern, basierend auf dem Konzept der Futures Literacy.
Zentrale Themenfelder sind die narrative Ethik, Futures Literacy und ihre Verbindung zu den UN-Nachhaltigkeitszielen, die Analyse von Dystopien im Ethikunterricht, die Rolle menschlicher Gier bei der Umweltzerstörung und die Entwicklung universeller ethischer Leitlinien.
Das primäre Ziel ist es, ethische Leitlinien für umweltschützendes Verhalten im Sinne einer Futures Literacy zu entwickeln, indem das Musical "Tanz der Vampire" als Dispositiv der Umweltzerstörung im schulischen Ethikunterricht fruchtbar gemacht wird, um Resignation und Untätigkeit entgegenzuwirken.
Die Arbeit verwendet Ansätze der narrativen Ethik, verschiedene Analysemodelle wie Dietmar Mieths Textanalyseraster, Kohlbergs Stufenmodell der Moralentwicklung und Campbells Prozessmodell der "Heldenreise", sowie Michel Foucaults Dispositivanalyse zur Untersuchung des Musicals und der Umweltzerstörungsthematik.
Der Hauptteil behandelt die detaillierte Handlung und dystopische Einordnung des Musicals, eine tiefgehende Figuren- und Textanalyse, die Verknüpfung philosophischer Themenkomplexe mit ethischen Implikationen und den Transfer der Erkenntnisse auf die Umweltzerstörungsthematik, ergänzt durch Foucaults Dispositivanalyse.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Dystopien, Ethikunterricht, Futures Literacy, Umweltzerstörung, "Tanz der Vampire", Narrative Ethik, Nachhaltigkeitsziele, Moralentwicklung, Michel Foucault, Dispositivanalyse, Conditio humana, Universalmoral, Judith Butler, Hans Jonas und Gier.
Das Musical wird als Dystopie interpretiert, weil es eine negative Zukunftsvision zeichnet, die durch Elemente wie negative Fortschrittlichkeit, ein totalitäres Herrschaftssystem (der Vampire) und die Auflösung individueller Freiheiten (durch Blutdurst) gekennzeichnet ist und die letztlich in der Selbstausrottung der Menschheit mündet.
Menschliche Gier wird als der ausschlaggebende Faktor für die fortschreitende Umweltzerstörung angenommen. Sie äußert sich in maßlosem Konsumverhalten, Ausbeutung natürlicher Ressourcen und rücksichtlosem Handeln, das langfristig zur Zerstörung der eigenen Lebensgrundlagen führt, ähnlich wie der Blutdurst der Vampire im Musical.
Futures Literacy befähigt dazu, verschiedene mögliche Zukünfte zu erforschen und positive Gestaltungsideen als Gegenentwurf zu dystopischen Zukunftsvisionen zu entwickeln. Sie fördert antizipatorisches, reflexives und imaginatives Denken, um innovative und nachhaltige Lösungen für globale Umweltprobleme zu finden.
Zur Analyse der narrativen Ethik im Musical werden Dietmar Mieths Textanalyseraster, Lawrence Kohlbergs Stufenmodell der Moralentwicklung zur Bewertung moralischer Urteile der Figuren und Joseph Campbells Prozessmodell der „Heldenreise“ (modifiziert nach Vogler) zur Analyse der inhaltlichen Charakterentwicklung herangezogen.
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