Masterarbeit, 2025
86 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Die Orestie
2.1 Literarhistorischer Kontext der Entstehung des Werkes
2.2 Zur Tötung Klytaimestras: Gründe und werkästhetische Motive
2.2.1 Kausalzusammenhang zwischen Verfehlung und Strafe
2.2.2 Zur Rechtslage von Frauen im antiken Athen
2.2.3 Das Motiv des Drachentraums
2.2.4 Männlichkeitskonzepte in der Antike
2.3 Die Gerichtsverhandlung Orests
3. Das Nibelungenlied
3.1 Zur Korrelation von Gender und Gewalt im Mittelalter
3.2 Die verschiedenen Fassungen des Nibelungenliedes
3.3 Zur Tötung Kriemhilds: Gründe und werkästhetische Motive
3.3.1 Das Motiv der triuwe
3.3.2 Die Motivik der Träume
3.3.3 Genderkonzepte im Mittelalter
4. Emilia Galotti
4.1 Der Virginia-Stoff im Kontext der Empfindsamkeit
4.2 Zur Tötung Emilias: Gründe und werkästhetische Motive
4.2.1 Zur Rechtslage von Frauen im 18. Jahrhundert
4.2.2 Das Motiv des Perlentraums
4.2.3 Das Scheitern inkompetenter Autoritätsfiguren: Genderaspekte im Werk
5. Zusammenfassung und Fazit
Diese Masterarbeit untersucht anhand dreier literarischer Werke aus unterschiedlichen Epochen – Aischylos’ Orestie, dem Nibelungenlied und Lessings Emilia Galotti – inwiefern patriarchale Machtstrukturen und Gewaltverhältnisse im literarischen Diskurs mit aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen zu struktureller Gewalt und dem Begriff des „Femizids“ in Verbindung stehen. Die Arbeit analysiert dabei, wie die Protagonistinnen in den jeweiligen Werken durch geschlechtsspezifische Rollennormen und gewaltbasierte Machtverhältnisse definiert werden und wie ihre gewaltsamen Tode in den jeweiligen epochentypischen Diskursen legitimiert oder kritisiert werden.
2.2.3 Das Motiv des Drachentraums
Im Folgenden erfolgt eine Betrachtung des Drachentraumes der Protagonistin Klytaimestra. Bemerkenswert ist, dass der Traum nicht von Klytaimestra selbst erzählt wird, sondern dass über diesen handlungstreibenden Traum ihrem Sohn Orest am Grab Agamemnons berichtet wird:
Orestes: […] Doch liegt zu fragen abseits nicht der Bahn, / Weshalb Weihgüsse sie gesandt, aus welchem Grund / Sie hinterher geehrt ein unheilbares Leid […]
Chroführerin: Ich weiß es […] Aus Träumen heraus, / Von nachtdurchschauerter Ängste Graus geschüttelt, sandt / Weihgüsse her, die hier, das gottverhaßte Weib.
Orestes: Erfuhrt den Traum ihr, daß ihr klar ihn künden könnt?
Chroführerin: Als gebär sie einen Drachen, war’s, wie selbst sie sagt.
Orestes: Und wo denn zielt sie hin und hat ihr Haupt, die Mär?
Chroführerin: In Windeln hab sie wie ein Kind gebettet ihn -
Orestes: Und was für Fraß begehrte der neugeborne Wurm?
Chroführerin: Sie selber reichte ihm die Brust im Traute dar.
Orestes: Wie? Blieb denn unverletzt ihr Busen von dem Greul?
Chroführerin: Nein; mit der Milch sog’s Klumpen dicken Bluts heraus.
Orestes: Nicht wahrlich eitler Wahn kann dieses Traumbild sein. […] Orestes: […] Das Traumbild möge mir erfüllungsbringend sein.
Die Szene, in der die Chroführerin Orest von dem Traum seiner Mutter Klytaimestra berichtet, veranschaulicht, wie dieser Traum maßgeblich dazu beiträgt, die nachfolgende Handlung einzuleiten. Nicht nur veranlasst zunächst der Traum Klytaimestra dazu, ein Opfer am Grab ihres von ihr selbst ermordeten Mannes Agamemnon zu erbringen. Als Orest am Grab von dem Ablauf des Traums erfährt, sieht er den beschriebenen Drachen als Zeichen, selbst zu diesem werden zu müssen, sprich: seine Mutter aus Rache für die Tötung des Vaters ebenfalls zu töten. Diese Passage macht deutlich, welch schicksalhafte Bedeutung den Träumen in der Antike zugeschrieben wurden.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die aktuelle gesellschaftliche Problematik von geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen ein, thematisiert den Begriff des Femizids und stellt die Forschungsfrage sowie den methodischen Ansatz der Arbeit vor.
2. Die Orestie: Dieses Kapitel analysiert das Werk des Aischylos im Kontext der attischen Demokratie, untersucht die Hintergründe der Tötung Klytaimestras, die Rolle der Träume als Handlungstreiber und die Gerichtsverhandlung Orests als Bruch mit der zyklischen Blutrache.
3. Das Nibelungenlied: Der Fokus liegt hier auf der Korrelation von Gender und Gewalt im Mittelalter, den Unterschieden zwischen den Fassungen B und C, der Rolle der „triuwe“ sowie der negativen Sympathielenkung der Protagonistin Kriemhild.
4. Emilia Galotti: Das Kapitel befasst sich mit der Situation der Frau im 18. Jahrhundert, der Ideologie der Empfindsamkeit, dem Tugend-Laster-Schema und dem Scheitern der Autoritätsfiguren im Lessing-Drama.
5. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit synthetisiert die Erkenntnisse der drei Analysen und ordnet die Ergebnisse kritisch im Hinblick auf den modernen Femizid-Begriff sowie die patriarchale Dynamik in den behandelten Werken ein.
Gender, Gewalt, Literaturwissenschaft, Femizid, patriarchale Machtstrukturen, Antike, Mittelalter, Aufklärung, Orestie, Nibelungenlied, Emilia Galotti, Männlichkeitskonstrukte, Geschlechterrollen, Blutrache, Tugendethik.
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Gender und Gewalt in drei literarischen Schlüsselwerken unterschiedlicher Epochen, um patriarchale Machtstrukturen und deren literarische Spiegelung aufzuzeigen.
Die Arbeit konzentriert sich auf die Legitimation von Gewalt gegen Frauen, das Spannungsfeld zwischen individueller Handlung und gesellschaftlichen Konventionen sowie die Entwicklung von Rechts- und Machtkonzepten.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie (patriarchale) Machtverhältnisse in der Literatur dargestellt werden und ob diese mit heutigen Diskursen über strukturelle Gewalt und Femizide in Verbindung gebracht werden können.
Es wird eine intertextuelle und vergleichende Analyse durchgeführt, gestützt durch feministische Theorien, Gender Studies sowie ethische und rechtswissenschaftliche Ansätze zur Hinterfragung von Gewalt.
Der Hauptteil gliedert sich in drei Werkanalysen: Die Orestie (Schuld, Rache, göttliche vs. menschliche Justiz), das Nibelungenlied (Rolle der „triuwe“, Männerbünde) und Emilia Galotti (Empfindsamkeit, poetische Gerechtigkeit, patriarchale Autorität).
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Gender, hegemoniale Männlichkeit, patriarchale Macht, Blutrache, Tugendhaftigkeit, Empfindsamkeit und strukturelle Gewalt.
Die Arbeit prüft, ob die Tötungen der Protagonistinnen den modernen Femizid-Begriff erfüllen, kommt jedoch zu dem Schluss, dass es sich primär um Rache- oder moralisch begründete Kontexte handelt, wobei die Gewaltstrukturen dennoch genderbasiert legitimiert werden.
Träume dienen als schicksalhafte Vorahnungen und Handlungstreiber, wobei ihr Einfluss von der Antike (göttliche Intervention) bis hin zur Aufklärung (Internalisierung durch das Individuum) abnimmt.
Emilias Tötung unterscheidet sich dadurch, dass sie als Flucht vor sinnlicher Verführung und als Akt der Selbstbestimmung innerhalb eines stark internalisierten Tugendkodex dargestellt wird, wobei der Vater Odoardo als ausführende Instanz versagt.
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