Bachelorarbeit, 2022
66 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Bezeichnungen der Sprache
3 Das judenspanische Schriftsystem
4 Gründe für den fortschreitenden Sprachtod
4.1 Zerfall des Osmanischen Reichs
4.2 Prestigeverlust des Judenspanischen als Handelssprache
4.3 Der Holocaust
4.4 Alliance Israélite Universelle
4.5 Sprachkontakt
5 Aktuelle Maßnahmen in der Türkei zum Erhalt des Judenspanischen
5.1 Judenspanische Presse
5.2 Ottoman Turkish Sephardic Culture Research Center
5.3 Netflixserie Kulüp
6. Sprecherbefragung
6.1 Beurteilung der Sprecherbefragung
7 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Situation des vom Aussterben bedrohten Judenspanischen in der heutigen Türkei, beleuchtet die historischen Ursachen für dessen Rückgang und analysiert die verschiedenen Initiativen zur Bewahrung dieser Sprache anhand einer eigens durchgeführten Sprecherbefragung.
4.1 Zerfall des Osmanischen Reichs
Die von der Iberischen Halbinsel vertriebenen sephardischen Juden flohen in alle vier Himmelsrichtungen. Die Abbildung 2 zeigt diesbezüglich die diversen Migrationsrouten der vertriebenen Sepharden. Wie bereits angesprochen wurde, entschied sich die Mehrheit für das den Juden gegenüber gastfreundliche Osmanische Reich. In der Grafik ist der absolute Höhepunkt des Osmanischen Reichs zu sehen, und zwar das 17.Jahrhundert. Die Osmanen erstreckten sich über drei Kontinente. Sie dehnten ihre Macht immer weiter aus und eroberten zahlreiche, die in der Abbildung gelbmarkierten, Länder.
Ihre Macht hielt jedoch nicht ewig an, denn im Laufe der nächsten Jahrhunderte verloren die Osmanen Gebiete an die Habsburger Monarchie sowie an das Zarenreich. Der Machtbereich der Osmanen wurde immer kleiner und ihr Niedergang stand kurz bevor. Das Ende des Osmanischen Reichs wurde durch den im Jahr 1919 zwischen den Osmanen und den Siegern des Ersten Weltkriegs vereinbarten Vertrag von Sèvres eingeleitet. Jener Vertrag beinhaltete die unter der Entente abgesprochene Aufteilung der osmanischen Territorien. Zwar zerfiel das Osmanische Reich nach der Unterzeichnung des Vertrages, jedoch blieb sein Kern stets standhaft. Unter der Führung von Gazi Mustafa Kemal Atatürk kämpften die Türken für ihre Unabhängigkeit im Türkischen Befreiungskrieg (tr. Kurtuluş Savaşı), der die Gründung der türkischen Republik im Jahr 1923 zur Folge hatte.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Geschichte der sephardischen Juden ein und definiert die zentralen Forschungsfragen sowie die methodische Vorgehensweise der Bachelorarbeit.
2 Bezeichnungen der Sprache: Das Kapitel beleuchtet die Vielfalt der Namen für das Judenspanische, die aus der weltweiten Diaspora resultieren und die Recherche erschweren.
3 Das judenspanische Schriftsystem: Hier werden die historischen Schriftsysteme wie die hebräische Quadratschrift, die Raschi-Schrift und das Solitreo beschrieben.
4 Gründe für den fortschreitenden Sprachtod: Dieses Kapitel analysiert tiefgreifend die historischen, politischen und sozialen Ursachen, die zum Rückgang des Judenspanischen geführt haben.
5 Aktuelle Maßnahmen in der Türkei zum Erhalt des Judenspanischen: Hier werden gegenwärtige Bemühungen vorgestellt, um die Sprache durch Presse, Forschung und mediale Projekte in der Türkei zu bewahren.
6. Sprecherbefragung: Dieses Kapitel wertet die Ergebnisse der empirischen Studie aus, um den aktuellen Sprachgebrauch und die Fähigkeiten der in der Türkei lebenden Sepharden zu ermitteln.
6.1 Beurteilung der Sprecherbefragung: Eine Zusammenfassung und kritische Reflexion der erhobenen Daten über den Zustand des Judenspanischen.
7 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Beantwortung der Forschungsfragen und einem Ausblick auf die Zukunftsaussichten des Judenspanischen in der Türkei.
Judenspanisch, Sepharden, Türkei, Sprachtod, Osmanisches Reich, Atatürk, Alliance Israélite Universelle, Holocaust, Sprachkontakt, Sprecherbefragung, Sprachrettung, Ladino, Sprachentwicklung, Identität, Intergenerationale Weitergabe.
Die Arbeit befasst sich mit der bedrohten Sprache der sephardischen Juden in der heutigen Türkei, ihrer historischen Entwicklung und den aktuellen Bemühungen, sie vor dem Aussterben zu bewahren.
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Sprachgeschichte, den Gründen für den Sprachtod, den aktuellen Rettungsmaßnahmen sowie einer empirischen Studie zur Sprachkompetenz der heutigen Generation.
Die zentrale Frage lautet: "Was wird in der heutigen Türkei unternommen, um die Sprache der sephardischen Juden am Leben zu halten und wie sieht die aktuelle Situation des Judenspanischen in der Türkei aus?"
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie auf eine empirische Bestandsaufnahme durch eine im Sommer 2022 durchgeführte Sprecherbefragung unter 32 sephardischen Juden.
Der Hauptteil analysiert die historischen Ursachen (Zerfall des Osmanischen Reichs, Holocaust, Schriftreform, Alliance Israélite Universelle) und untersucht, wie Medien, Schulen und Kulturzentren heute versuchen, die Sprache zu erhalten.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Judenspanisch, Sepharden, Sprachtod, Sprachrettung, Identität und Sprachkontakt.
Die Befragung zeigt, dass die Situation des Judenspanischen und des Judentums in Izmir im Vergleich zu Istanbul deutlich prekärer ist, wobei einige Befragte den Sprachtod bereits als unumkehrbar betrachten.
Die Studie belegt, dass die intergenerationale Weitergabe nahezu vollständig unterbrochen ist, da Eltern ihre Kinder kaum in der Sprache unterrichten und diese stattdessen vorwiegend Türkisch oder Spanisch lernen.
Durch die staatliche Schriftreform in den 1920er Jahren, bei der die lateinische Schrift eingeführt wurde, ging das Wissen um die ursprünglich verwendeten Schriftsysteme wie die Raschi-Schrift und Solitreo verloren.
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