Diplomarbeit, 2005
226 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
2. Kindeswohl und Sorgerecht
2.1. Wohl des Kindes – Versuch einer Definition
2.2. Der Begriff des „Kindeswohls“ im juristischen Sinn
2.3. Sorgerechtsformen
2.4. Erwartungen an die gemeinsame Obsorge in Österreich
2.5. Pro und kontra für das Sorgerecht beider Elternteile
3. Erkenntnisse der Bindungstheorie
3.1. Der Begriff Bindung
3.2. Bindung und Sorgerecht
4. Erkenntnisse der Scheidungs- und Sorgerechtsforschung
4.1. Trennungsprozess
4.2. Beziehung zum Vater
5. Folgen der Scheidung
5.1. Langzeitfolgen
5.2. Folgen der Scheidung auf drei Ebenen (individuelle, familiale, soziale)
5.2.1. Individuelle Ebene
5.2.1.1. Bedeutung der Scheidung für das Kind
5.2.1.2. Schulleistungen
5.2.1.3. Sozialverhalten
5.2.1.4. Selbstwert
5.2.2. Familiale Ebene
5.2.2.1. Auswirkung elterlicher Konflikte
5.2.2.2. Qualität der Beziehung zwischen Kind und nicht betreuendem Elternteil
5.2.3. Soziale Ebene
5.3. Stresserleben und Coping bei Kritischen Familienereignissen (Dettenborn &Walter,2002)
6. Methodik
6.1. UntersuchungsTeilnehmerInnen
7. Untersuchungsplan
7.1. Hypothesen
7.2. Untersuchungsmaterialien
7.2.1. FAGS
7.2.2. KLSE
7.2.3. FFFK
8. Untersuchungsdurchführung
9. Auswertung der Fragebögen
10. Ergebnisse
10.1. Explorative Datenanalyse
10.2. Logistische Regressionsanalyse
10.3. Vergleich der Skalenwerte dieser Erhebung mit derjenigen von Stupka (2002)
10.4. Testung der Hypothsen
10.4.1. Mittelwertsvergleiche
10.4.2. Erstellung des AMOS-Modells
11. Interpretation
12. Diskussion und Kritik
13. Zusammenfassung
Die Diplomarbeit untersucht die Auswirkungen verschiedener Konfliktlösungsstile und Persönlichkeitsvariablen von Kindern auf die Bewertung des gemeinsamen Sorgerechts nach einer Trennung oder Scheidung in Österreich. Das Ziel ist es, Einflussfaktoren zu identifizieren, die eine positive Nachscheidungssituation im Rahmen der gemeinsamen Obsorge fördern und das Kindeswohl sowie die Anpassung der Kinder zu sichern.
Die Möglichkeit der gemeinsamen Obsorge stellt einen Versuch des Gesetzgebers dar, die Wahrscheinlichkeit dieser Probleme zu minimieren.
Gemeinsames Sorgerecht, ein Arrangement welches geteiltes juristisches und/oder „physical“ (Anm. d. Verf.: physical custody bedeutet, dass das Kind zwei gleichwertige Wohnsitze hat) Sorgerecht für Kinder nach einer Scheidung der Eltern einbezieht, hat steigende Popularität seit den 1970ern, mit vielen Staaten die nun eine Präferenz oder Voreingenommenheit für das gemeinsame juristische Sorgerecht haben (Bender, 1994).
„Eine permanente Debatte zwischen Gegnern und Befürwortern des gemeinsamen Sorgerechts setzt sich seit den 1970ern fort, so wie zwischen Untersuchern und Autoren die sich stark gegen (z.B., Goldstein, Freud, & Solnit, 1973; Kuehl, 1989) bzw. für (z.B. Bender, 1994; Roman & Haddad, 1978) das gemeinsame Sorgerecht aussprechen“ (Bauserman, 2002 ins Deutsche vom Verf. übersetzt).
Entscheidend für die Entlastung oder Belastung von Kindern bei Trennung und Scheidung ihrer Eltern ist vor allem die Art der Beziehung der Eltern zu- und miteinander, ihre Fähigkeit und ihr Wille zur Kommunikation, Kooperation und zur wechselseitigen Akzeptanz ihrer nachehelichen Elternverantwortung. Ihre Kinder müssen von beiden Eltern erleben (dürfen), dass ihr Kontakt zu ihnen von beiden Eltern gewünscht und entsprechend gefördert wird. Eltern müssen sensibel bleiben/werden für die Bedürfnisse, Interessen, Nöte, Ängste, Freuden ihrer Kinder. (Proksch, 2002).
Für Kinder besteht durch eine Scheidung der Eltern ein erhöhtes Risiko für Entwicklungsbelastungen (vgl. Amato, 2000). Es liegt in der Intention dieser Diplomarbeit, zu untersuchen, welche Eigenschaften und Einstellungen Personen aufweisen, die die Nachscheidungssituation im Rahmen der gemeinsamen Obsorge positiv bewerten. Mit positiv bewerten ist hier gemeint, dass die von Proksch (2002) genannten Bedingungen möglichst zufrieden stellend erfüllt werden.
1. Einleitung: Diese Arbeit analysiert die Auswirkungen des Kindschaftsrechts-Änderungsgesetzes 2001 und untersucht, wie Konfliktstile und Elternmerkmale die Bewertung der gemeinsamen Obsorge beeinflussen.
2. Kindeswohl und Sorgerecht: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Kindeswohls im juristischen und philosophischen Kontext und stellt verschiedene Sorgerechtsmodelle sowie die rechtliche Lage in Österreich vor.
3. Erkenntnisse der Bindungstheorie: Hier werden die theoretischen Grundlagen der kindlichen Bindung erläutert und deren Relevanz für Sorgerechtsentscheidungen aufgezeigt.
4. Erkenntnisse der Scheidungs- und Sorgerechtsforschung: Der Fokus liegt auf dem Trennungsprozess und der Bedeutung der Vater-Kind-Beziehung nach einer Scheidung.
5. Folgen der Scheidung: Es werden die Langzeitfolgen der elterlichen Scheidung auf individueller, familialer und sozialer Ebene sowie Stressbewältigungsmechanismen detailliert betrachtet.
6. Methodik: Beschreibung des Forschungsdesigns, der Stichprobe und der allgemeinen Vorgehensweise bei der Datenerhebung.
7. Untersuchungsplan: Darlegung der aufgestellten Hypothesen sowie eine detaillierte Beschreibung der verwendeten Untersuchungsmaterialien, inklusive der psychologischen Skalen.
8. Untersuchungsdurchführung: Erläuterung der Rekrutierung der Probanden und der technischen Umsetzung der Online-Studie.
9. Auswertung der Fragebögen: Zusammenfassung der statistischen Aufbereitung der Daten aus den verwendeten Fragebögen.
10. Ergebnisse: Darstellung der explorativen Analysen, der logistischen Regression und der Ergebnisse der Hypothesentests.
11. Interpretation: Zusammenführung und inhaltliche Einordnung der gewonnenen Ergebnisse unter Einbeziehung des theoretischen Rahmens.
12. Diskussion und Kritik: Kritische Reflexion des Studiendesigns, insbesondere bezüglich der Stichprobengröße und -zusammensetzung.
13. Zusammenfassung: Ein abschließender Überblick über die Zielsetzung, die Methodik und die zentralen Erkenntnisse der Arbeit.
Gemeinsame Obsorge, Sorgerecht, Kindeswohl, Scheidung, Trennung, Elternverantwortung, Bindungstheorie, Konfliktlösung, Nachscheidungssituation, empirische Studie, Erziehung, familiale Anpassung, Co-elterliche Interaktion, psychische Belastung, Beratungsbedarf
Die Diplomarbeit befasst sich mit der gemeinsamen Obsorge nach einer Scheidung in Österreich und untersucht, welche Faktoren dazu beitragen, dass Eltern dieses Modell positiv bewerten.
Zentrale Themen sind das Kindeswohl, die Bindungstheorie, Scheidungsfolgen für Kinder sowie die Qualität der Kooperation zwischen geschiedenen Eltern.
Ziel ist es, Variablen zu identifizieren, die eine Vorhersage darüber erlauben, warum Eltern die gemeinsame Obsorge unterschiedlich (hoch oder niedrig) bewerten.
Es wurde eine empirische Untersuchung durchgeführt, bei der Fragebögen genutzt wurden, um Daten zu co-elterlicher Interaktion, Einstellungen und psychischen Faktoren zu erheben. Diese wurden mittels statistischer Verfahren (Korrelation, Regression, T-Test, AMOS-Modellierung) ausgewertet.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Kindeswohl und Bindung sowie in eine umfassende empirische Studie, die den Zusammenhang zwischen elterlichem Verhalten, Konflikten und der Bewertung der gemeinsamen Obsorge analysiert.
Schlüsselbegriffe sind vor allem Gemeinsame Obsorge, Kindeswohl, Scheidungsforschung, co-elterliche Interaktion und elterliche Konfliktlösung.
Die Studie zeigt einen positiven Zusammenhang zwischen der Berufsausbildung bzw. Bildung der Eltern und der positiven Bewertung der gemeinsamen Sorge, was möglicherweise mit der höheren Kooperationsfähigkeit in höheren sozialen Schichten zusammenhängt.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Eltern, die eine Beratung im Zusammenhang mit der Scheidung in Anspruch nahmen, die gemeinsame Sorge tendenziell positiver bewerten.
Ja, die Ergebnisse zeigen, dass Männer die gemeinsame Sorge insgesamt höher bewerten als Frauen.
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