Diplomarbeit, 2009
108 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung – eine Feldskizze
2 Bezugsrahmen
2.1 Der Beobachter – eine Figur
2.1.1 Der „blinde Fleck“ des Beobachtenden
2.1.2 Die wissenschaftliche Beobachtung
2.1.3 Die Beobachtung des Neuen
2.2 Die Kybernetik – eine Erkenntnistheorie
2.2.1 Kybernetik zweiter Ordnung
2.2.2 Die Autopoiese – ein Konzept
2.3 Die „Laws of Form“ – ein Kalkül
3 Unbekanntes Nichtwissen – ein Phänomen
3.1 Daten – Informationen - Wissen
3.2 Die Organisation von Wissen und Nichtwissen
3.3 Wissenschaftliche Ansätze
3.4 Nichtwissensdimensionen
3.4.1 Wissen
3.4.2 Intentionalität
3.4.3 Zeitliche Stabilität
3.4.4 Erweiterungen
3.5 Nichtwissenskulturen
3.6 Vertrauen
4 Szenarien – eine qualitative Methode
4.1 Zukunftsforschung
4.2 Strategische Frühaufklärung
4.2.1 Qualitätskriterien
4.2.2 Trends und Trendforschende
4.2.3 Wild Cards
5 Kommunikation
5.1 Szenarien als Kommunikationsinstrument
5.2 Sprache
5.3 Kunst
5.4 Hypothesen
6 Heuristik
6.1 Anforderungen
6.2 Werkzeugaktualisierung
6.2.1 Irritationsvariable [ ]
6.2.2 Sinnübersetzung
6.2.3 Kommunikation
6.3 Anwendung
6.3.1 Datenbasis
6.3.2 Datenreflexion
6.3.3 Dateninspiration
6.3.4 Beobachtung und Kommunikation
7 Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, ein Reflexionswerkzeug für Entscheidungsprozesse in Unternehmen zu entwickeln, das Entscheidungsträger beim Umgang mit unbekanntem Nichtwissen unterstützt. Die Forschungsfrage widmet sich der Herausforderung, wie Reflexion über das „Nichtwissen, dass wir nicht wissen“ in Situationen mangelnder Informationen und Unsicherheit praktisch gestaltet werden kann, um Unternehmen vitaler und offener für Überraschungen zu machen.
2.1.1 Der „blinde Fleck“ des Beobachtenden
Eine jede Beobachtung, verstanden als Basisoperation und bestehend aus der Tätigkeit des Unterscheidens und Bezeichnens, hat ihren „blinden Fleck“ (von Foerster 1993a, S. 26-28). Der Beobachter sieht nicht, dass er eine Unterscheidung trifft und wie er sie trifft. Damit ist der Forscher im Moment der Beobachtung erster Ordnung nicht in der Lage, bestimmte Muster zu erkennen. Dirk Baecker formuliert:
Man kann nicht etwas bezeichnen, ohne anderes unbezeichnet zu lassen .... man kann nicht einmal sehen, daß [sic] man anderes nicht bezeichnet, denn man sieht ja genau und nur das, was man gerade bezeichnet ... man kann nicht einmal sehen, daß [sic] man eine Unterscheidung trifft um eine Bezeichnung vorzunehmen. (Baecker 1999, S. 23-24).
Die Unterscheidung produziert eine Zweiheit, eine Zwei-Seiten-Form. Beide Seiten sind anwesend, können aber nur nacheinander aktualisiert werden. Erst die Beobachtung der Beobachtung des Beobachters (Beobachtung zweiter Ordnung) ermöglicht den blinden Fleck der Beobachtung erster Ordnung zu erkennen. Dabei kann nur beobachtet werden, wie – mit welcher Unterscheidung – beobachtet wird, nicht was beobachtet wird. Auch die Beobachtung zweiter Ordnung ist wiederum blind für das, was sie nicht bezeichnet. Allerdings kann die Beobachterin zweiter Ordnung aus dem, was sie sieht, auf sich selbst schließen.
1 Einleitung – eine Feldskizze: Die Einleitung skizziert die Problematik von Risiken in einer ungewissen Zukunft und begründet die Notwendigkeit, sich mit systemischem Nichtwissen in Unternehmen auseinanderzusetzen.
2 Bezugsrahmen: Das Kapitel führt zentrale erkenntnistheoretische Konzepte wie die Figur des Beobachters, die Kybernetik zweiter Ordnung und das Kalkül der „Laws of Form“ ein, um das Verständnis von Nichtwissen theoretisch zu fundieren.
3 Unbekanntes Nichtwissen – ein Phänomen: Hier wird Nichtwissen als heterogenes Phänomen analysiert, inklusive seiner verschiedenen Dimensionen und der Bedeutung von Vertrauen in komplexen sozialen Systemen.
4 Szenarien – eine qualitative Methode: Die Szenario-Technik wird als qualitative Methode zur Strategischen Frühaufklärung eingeführt, um zukünftige Entwicklungen und Diskontinuitäten reflexiv zu erschließen.
5 Kommunikation: Dieses Kapitel beleuchtet Kommunikation als spezifische Operation sozialer Systeme und untersucht deren Rolle im Management von Wissens- und Nichtwissensprozessen.
6 Heuristik: Es wird ein praktisches Navigationswerkzeug für den Umgang mit Nichtwissen entwickelt, welches Kreativität, Kunst und eine ritualisierte Reflexionskultur integriert.
7 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert für eine Ritualisierung der Beobachtung zweiter Ordnung in Unternehmen, um die Kommunikationskompetenz im Umgang mit dem Unbestimmten zu stärken.
Nichtwissen, Unbekanntes Nichtwissen, Szenario-Technik, Kybernetik, Beobachter, Systemische Reflexion, Wissensmanagement, Kommunikation, Komplexität, Strategische Frühaufklärung, Selbstbezüglichkeit, Risikowissen, Wild Cards, Kontruktivismus, Entscheidungsfolgen
Die Arbeit untersucht den Umgang mit „unbekanntem Nichtwissen“ in Unternehmen. Sie analysiert, wie Entscheidungsträger in komplexen und unsicheren Umfeldern durch Reflexion und Kommunikation handlungsfähig bleiben können, anstatt sich nur auf vermeintlich sicheres Expertenwissen zu verlassen.
Zentrale Felder sind die Systemtheorie, die Wissenssoziologie, die Zukunftsforschung mittels Szenarien sowie die Bedeutung von Kommunikation und Kunst als Reflexionsinstrumente für Organisationen.
Das Ziel ist die Gestaltung eines Reflexionswerkzeugs, das Unternehmen hilft, das Phänomen des unbekannten Nichtwissens zu erkennen, zu moderieren und als Ressource für strategisches Handeln zu nutzen.
Die Arbeit nutzt qualitative Ansätze der Organisations- und Wissensforschung, kombiniert mit systemtheoretischen und kybernetischen Perspektiven. Zudem werden Kreativitätstechniken und künstlerische Interventionen als Methoden zur Reflexion und Sinnbildung herangezogen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Kybernetik, Beobachterfigur), eine phänomenologische Einordnung des Nichtwissens, die methodische Anwendung durch Szenario-Technik sowie die Entwicklung einer Heuristik zur praktischen Umsetzung in Form von Experimenten.
Neben „unbekanntem Nichtwissen“ und „systemischem Nichtwissen“ sind Begriffe wie „beobachtendes System“, „blinder Fleck“, „Irritationsvariable“ und „Sinnübersetzung“ zentral für das Verständnis des vorgestellten Ansatzes.
Wild Cards sind unerwartete, diskontinuierliche Ereignisse. Die Arbeit nutzt sie, um zu zeigen, dass klassische Planungsansätze oft an solchen Überraschungen scheitern und Organisationen stattdessen eine „Überraschungsoffenheit“ entwickeln sollten.
Kunst fungiert als Irritationsmedium, das etablierte Denkmuster aufbricht. Sie erlaubt es, Unbestimmtheit sinnlich erfahrbar zu machen und durch „Sinnübersetzung“ alternative Perspektiven zu generieren, die in rational-linearen Entscheidungskontexten oft ausgeblendet werden.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

