Forschungsarbeit, 2010
119 Seiten
1. AUSGANGSLAGE UND FRAGESTELLUNG
1.1 Ausgangslage
1.2 Fragestellung
2. SOZIOKULTURELLER HINTERGRUND UND THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
2.1 Soziokultureller Hintergrund
2.2 Theoretischer Bezugsrahmen
3. MATERIAL UND METHODIK
3.1 Ablauf der Datenerhebung
3.2 Methodische Umsetzung und Datenvalidität
3.3 Erstellung eines Dokumentationsbogens
3.4 Statistik
4. ERGEBNISSE
4.1 Untersuchungskollektiv
4.2 Sozio-demographische Daten
4.3 Angaben zu den Herkunftsfamilien der Patientinnen
4.4 Migrationsspezifische Angaben und Trennungsereignisse
4.5 Symptomatik
4.6 Aktuelle Erkrankungssituation
4.7 Transgenerationale Prozesse
5. DISKUSSION DER ERGEBNISSE
5.1 Diskussion der Methodik und zum Untersuchungskollektiv
5.2 Diskussion der Ergebnisse
5.3 Sozialisationsvariablen und ihre Auswirkungen
5.4 Folgen der elterlichen Erziehungsvariablen für die Symptomatik
5.5 Copingstrategien
5.6 Symptomauslösende Konfliktdynamik aus Expertensicht
6. ZUSAMMENFASSUNG
7. ANHANG
7.1 Abkürzungsverzeichnis
7.2 Glossar
7.3 Verzeichnis der Tabellen
7.4 Literaturverzeichnis
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von migrationsbedingten Trennungserlebnissen für die Entstehung späterer psychischer Erkrankungen bei türkischen Patientinnen, wobei der Fokus auf dem Zusammenspiel von soziokulturellen Hintergründen, frühen Sozialisationserfahrungen und transgenerationalen Prozessen liegt.
2.1 Sozio-kultureller Hintergrund
Der überwiegende Teil der türkischen Bevölkerung versteht sich als Teil eines ethnisch-kulturellen Türkentums. Die größte ethnische Minderheit stellten nach offiziellen Angaben von 1974 die Kurden mit ca. 9,2 % dar (Kongar 1992, S. 382). Inoffizielle Schätzungen gehen jedoch von ca. 15 % aus (Kaya 1974, S. 127). Neben den Kurden bilden die Lazen der Schwarzmeerküste ebenfalls eine größere Minderheit neben kleineren Gruppen von Armeniern und Griechen. Auch wenn die einzelnen Ethnien ihre eigenen Traditionen pflegen und an ihre Kinder weitergeben, so hat sich durch die Zugehörigkeit zum Islam über Jahrhunderte ein Wertesystem entwickelt, das für alle islamischen Gruppen bis in die Familien hinein verbindlich ist. Die ethnische Zugehörigkeit der Patientinnen wurde deshalb bei der vorliegenden Untersuchung nicht besonders berücksichtigt.
Um einen Einblick in die innerseelische Ausgangslage im Hinblick auf die Herausforderungen des Migrationsprozesses zu gewinnen, war ein genaueres Wissen über die Stellung der Frau in der türkischen Gesellschaft und die damit einhergehenden Sozialisationserfahrungen bis zum Beginn der Migrationsphase 1973 wichtig.
Die weitgehende Übernahme des Schweizer Zivilgesetzbuches durch M. Kemal Atatürk 1926 führte in der Türkei zur rechtlichen Trennung von Religion und Staat und schaffte die Voraussetzung für die Durchsetzung einer demokratischen Verfassung. Die damit einhergehenden Reformen führten zu einer rechtlichen Gleichstellung von Mann und Frau und führten zu tiefen Einschnitten in das tradierte kulturelle Leben der Türkei. Diese Reformen veränderten in erster Linie das Leben einer politischen Elite und der Oberschicht in den Großstädten, vor allem in Ankara und einem Teil Istanbuls.
1. AUSGANGSLAGE UND FRAGESTELLUNG: Einführung in die Thematik der migrationsbedingten Trennungserlebnisse und Definition der zentralen Forschungsfrage.
2. SOZIOKULTURELLER HINTERGRUND UND THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN: Darstellung der soziokulturellen Prägung türkischer Familien sowie der psychoanalytischen Theorien, die der Untersuchung zugrunde liegen.
3. MATERIAL UND METHODIK: Beschreibung des Datenmaterials aus 86 Anamnesen und der angewandten Methoden zur qualitativen und quantitativen Auswertung.
4. ERGEBNISSE: Präsentation der empirischen Daten zu den Patientinnen, deren Herkunft, Symptomatik und den identifizierten Belastungsfaktoren.
5. DISKUSSION DER ERGEBNISSE: Kritische Auseinandersetzung mit den Befunden im Kontext aktueller migrationspsychologischer Literatur und Diskussion der therapeutischen Implikationen.
6. ZUSAMMENFASSUNG: Zusammenfassende Darstellung der zentralen Erkenntnisse über die Bedeutung des kulturellen Sozialisationsmilieus.
7. ANHANG: Auflistung von Abkürzungen, Glossar der Fachbegriffe, Tabellenverzeichnis und vollständiges Literaturverzeichnis.
Migration, Psychopathologie, türkische Patientinnen, Trennungserlebnisse, Psychoanalyse, Sozialisation, Tradition, Moderne, Bindungsforschung, Akkulturation, Frühstörungen, Traumatisierung, Familiendynamik, Identitätsentwicklung, Geschlechterrollen
Die Arbeit untersucht, wie migrationsbedingte Trennungserlebnisse und das soziokulturelle Erbe die psychische Gesundheit türkischer Patientinnen beeinflussen.
Zu den Schwerpunkten zählen die Bedeutung von Tradition vs. Moderne, die Rolle patriarchaler Familienstrukturen und die Auswirkungen frühkindlicher Sozialisation auf die psychische Stabilität.
Die Arbeit fokussiert sich auf die Frage, welche Bedeutung migrationsbedingte Trennungserlebnisse tatsächlich für die spätere Entstehung psychischer Erkrankungen bei der Zielgruppe haben.
Der Autor führt eine inhaltsanalytische Auswertung von 86 Anamnesen durch, wobei sowohl qualitative als auch quantitativ-statistische Verfahren kombiniert werden.
Im Hauptteil werden neben dem soziokulturellen Hintergrund die empirischen Ergebnisse der Anamnese, die Strukturdiagnosen sowie die Diskussion über transgenerationale Prozesse und Copingstrategien detailliert dargelegt.
Zentrale Begriffe sind Migration, Psychopathologie, Sozialisation, Identitätsentwicklung und Familiendynamik.
Das Konzept der Ehre ist eng mit der Kontrolle weiblicher Sexualität verknüpft; die Arbeit zeigt auf, wie diese kulturelle Norm zu intrapsychischen Konflikten und bei Erschütterung der Beziehungsdynamik zu Symptombildung führen kann.
Der Autor stellt fest, dass die reine Migration als Ereignis keine universelle Krankheitsursache darstellt, sondern vielmehr die vorbestehenden, kulturell verankerten Sozialisationsbedingungen und deren Stabilität im familiären Kontext über die psychische Widerstandsfähigkeit entscheiden.
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