Diplomarbeit, 2010
85 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
2. Traditionelle Ansichten zu ein
2.1. Zahlwort, unbestimmter Artikel und Pronomen
2.2. Ein im „Wörterbuch“ von Hermann Paul
2.3. Ein in neuen deutschen Grammatiken
2.4. One in englischen Grammatiken
2.5. Egy in ungarischen Grammatiken
2.6. Gemeinsamkeiten in den drei Sprachen
3. Etymologischer Exkurs zu one
4. Textgrammatische Verwendung von ein
5. Ein in der Duden-Grammatik
6. Ergänzung von Verwendungsweisen von ein
6.1. Dieser eine
6.2. Ein als Nomen
6.3. Die Pluralform von ein
6.4. Vergleichende Ausdrücke mit ein
6.5. Typische Phraseologismen mit ein
6.6. Kurzformen von ein
6.7. Ein und nicht spezifisch verwendete Substantive
6.8. Zu Numeralartikel und Reduzierbarkeit
7. Der unbestimmte Artikel beim Sprachlernen des Kindes
7.1. Jean Piaget über die Sprache des Kleinkindes
7.2. Textgrammatik in der Schule
8. Statistische Auswertung der Verwendungsweisen von ein, anhand des Romans „Das Parfüm“ von Patrick Süskind
9. Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht kontrastiv die Verwendungsweisen des Wortes „ein“ im Deutschen sowie seiner englischen („one“) und ungarischen („egy“) Entsprechungen, mit dem Ziel, die traditionelle, auf Artikel, Pronomen und Zahlwort beschränkte Klassifizierung zu hinterfragen und um weitere Funktionsweisen zu ergänzen.
6.1. Dieser eine
Die erste von mir bemerkte, aber noch in keiner deutschen Grammatik dokumentierte Verwendungsweise von ein ist ein in Kombination mit diese. Ich denke, dass diese eine im Deutschen drei Funktionen hat. Wir werden diese Funktionen parallel mit dem Englischen und Ungarischen untersuchen. Die erste davon ist eine deiktische- oder Zeigefunktion. Diese können wir leicht nachvollziehen, wenn wir uns die folgende Situation vorstellen: Es liegen mehrere Brötchen auf dem Tisch, und der Junge isst eines davon. Die Mutter hat ihn zuvor gebeten, den Müll rauszubringen. Sie bittet ihn noch einmal, worauf der Junge antwortet:
Ich möchte dieses eine Brötchen noch essen, dann mache ich es.
Hadd egyem még ezt az egy zsemlét, utána kiviszem.
Let me eat this one sandwich, after that I take out the garbage.
Eine andere Situation: Ein Pärchen ist im Einkaufszentrum, im Damenmodengeschäft. Die Frau hat schon 15 Kleider anprobiert und bringt jetzt ein neues, das sie anprobieren möchte; der Mann aber will gehen und bittet sie auch darum, worauf die Frau antwortet:
Lass mich noch dieses eine Kleid anprobieren, dann können wir gehen.
Hadd próbáljam fel még ezt az egy ruhát, utána mehetünk.
Let me try this one dress on, after that we can go.
Was ist die Gemeinsamkeit der beiden Beispiele? Offensichtlich ist in beiden Fällen das besprochene Objekt vorhanden, (sonst wäre die deiktische Funktion auch nicht erfüllt) und es soll sich auch in beiden Fällen um das letzte Objekt handeln, das gegessen oder anprobiert wird. Eine andere Besonderheit hierbei ist, dass es außer dem einen Brötchen, das gegessen, und dem einen Kleid, das anprobiert wird, noch (zahlreiche) andere gibt, die gegessen oder anprobiert werden könnten. Es sind also immer mehrere (andere) Objekte vorhanden, sonst hieße es auch nicht dieses eine Brötchen, sondern dieses Brötchen, und auch nicht dieses eine Kleid, sondern dieses Kleid und ebenso nicht azt az egy, sondern azt, sowie nicht that one, sondern that.
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage, die sich mit der Problematisierung der traditionellen Dreiteilung von „ein“ in Artikel, Pronomen und Zahlwort befasst.
2. Traditionelle Ansichten zu ein: Zusammenfassung der Lehrmeinungen aus verschiedenen Grammatiken und Wörterbüchern sowie Vergleich mit „one“ und „egy“.
3. Etymologischer Exkurs zu one: Historische Herleitung des englischen unbestimmten Artikels „a“ und des Pronomens „one“ aus demselben etymologischen Ursprung.
4. Textgrammatische Verwendung von ein: Untersuchung der Funktion von „ein“ als Verbindungselement zwischen Sätzen innerhalb eines Textes anhand kontrastiver Beispiele.
5. Ein in der Duden-Grammatik: Analyse der ausführlichen, wenn auch nicht vollkommenen Kategorisierung von „ein“ in der 12. Ausgabe der Duden-Grammatik.
6. Ergänzung von Verwendungsweisen von ein: Detaillierte Darstellung neuer, bislang undokumentierter Funktionen wie „dieser eine“, Nominalisierung, Pluralbildung und Phraseologismen.
7. Der unbestimmte Artikel beim Sprachlernen des Kindes: Untersuchung der kindlichen Sprachentwicklung nach Piaget und deren Bedeutung für den textgrammatischen Unterricht.
8. Statistische Auswertung der Verwendungsweisen von ein, anhand des Romans „Das Parfüm“ von Patrick Süskind: Quantifizierung der Gebrauchsformen von „ein“ in deutschen, englischen und ungarischen Romanübersetzungen.
9. Zusammenfassung: Synthese der Erkenntnisse, die bestätigt, dass „ein“ weit komplexere Funktionen erfüllt als in traditionellen Grammatiken dokumentiert.
ein, unbestimmter Artikel, Zahlwort, Pronomen, textgrammatische Funktion, kontrastive Linguistik, Sprachentwicklung, Kleinkind, Duden-Grammatik, Phraseologismen, Nominalisierung, Definitheit, Spracherwerb, Reduzierbarkeit, Patrick Süskind.
Die Diplomarbeit widmet sich der kontrastiven Analyse des Wortes „ein“ im Deutschen sowie seiner Entsprechungen „one“ (Englisch) und „egy“ (Ungarisch) und zeigt auf, dass diese Wörter weit vielfältigere Funktionen haben, als in traditionellen Grammatiken meist vermutet wird.
Die Arbeit behandelt die grammatischen Rollen von „ein“ als Artikel, Zahlwort und Pronomen, untersucht dessen textgrammatische sowie deiktische Funktionen und beleuchtet die Rolle des Artikels beim kindlichen Spracherwerb.
Das Ziel ist es, die altbekannte These zu hinterfragen, dass „ein“ lediglich als Artikel, Zahlwort oder Pronomen fungiert, und die tatsächliche Komplexität der Verwendungsweisen durch eine kontrastive Analyse offen zu legen.
Der Autor wendet einen kontrastiven Vergleich zwischen den drei Sprachen Deutsch, Englisch und Ungarisch an und nutzt zudem eine statistische Auswertung basierend auf dem Roman „Das Parfüm“ von Patrick Süskind.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, eine textgrammatische Untersuchung, die Ergänzung neuer Verwendungsformen wie „dieser eine“, eine statistische Auswertung sowie einen Exkurs zur Didaktik im Unterricht.
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe unbestimmter Artikel, Zahlwort, Pronomen, kontrastive Linguistik, Textgrammatik und Spracherwerb charakterisieren.
Dieser Versuch dient als Beispiel für den Egozentrismus bei Kleinkindern, um zu verdeutlichen, warum Kinder Schwierigkeiten mit der korrekten Verwendung von Artikeln in einer für den Rezipienten verständlichen Weise haben.
„Dieser eine“ fungiert als eine bisher wenig dokumentierte Verwendungsweise mit deiktischer (zeigender) oder anamnestischer (erinnernder) Funktion, die eine gemeinsame Kenntnis zwischen Sprecher und Hörer voraussetzt.
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