Wissenschaftlicher Aufsatz, 2010
12 Seiten
1. Einleitung
2. Grundlagen der kommunalen Selbstverwaltung
2.1 Verfassungsrechtliche Garantie nach Art. 28 Abs. 2 GG
2.2 Begriff der Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft
3. Sachverhalt und rechtliche Auseinandersetzung
3.1 Privatisierung des Weihnachtsmarktes
3.2 Rechtliche Würdigung der Feststellungsklage
4. Grenzen der Aufgabenentledigung und Privatisierungsmodelle
4.1 Formen der Privatisierung (formell und funktionell)
4.2 Zulässigkeit der Übertragung bei kulturell bedeutsamen Einrichtungen
5. Zusammenfassung und Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die verfassungsrechtlichen Grenzen der Privatisierung kommunaler Aufgaben am Beispiel traditionsreicher öffentlicher Einrichtungen wie Weihnachtsmärkten, um zu klären, ob Gemeinden sich ihrer Verantwortung für solche kulturell und sozial bedeutsamen Angelegenheiten vollständig entziehen dürfen.
Zum Sachverhalt:
Der Kläger, Inhaber eines Imbissstandes, den er im März 2004 von einem anderen Marktbeschicker erwarb, wandte sich mit einer Feststellungsklage gegen die 1997 erfolgte “Privatisierung” des O. Weihnachtsmarktes. Die Bekl. hatte bis zu diesem Zeitpunkt über Jahrzehnte den Weihnachtsmarkt in O. selbst veranstaltet. Ausweislich einer Presseinformation zum Weihnachtsmarkt 1996 fand u. a. ein Rahmenprogramm auf dem Weihnachtsmarktgelände statt. So traten der Nikolaus, eine Puppenbühne an verschiedenen Tagen mit Puppentheaterstücken, ein Posaunenchor sowie ein Musikverein und andere Musikanten sowie ein Zauberer und Gaukler an verschiedenen Tagen auf.
Unter dem 12.09.1996 beschloss die Stadtverordnetenversammlung der Bekl., den Magistrat der Stadt zu beauftragen, die Vergabe des Weihnachtsmarktes ab 1997 an einen Dritten vorzubereiten. Die abschließende Auswahl sollte durch den Magistrat erfolgen unter der Maßgabe, dass der Einfluss des Magistrats auf die Gestaltung des Weihnachtsmarktes sicherzustellen sei. Nach Durchführung verschiedener Bewerbergespräche übertrug der Magistrat der Bekl. die Vergabe des O. Weihnachtsmarktes an den Beigeladenen zu 1 mit Vertrag vom 26.09.1997. Noch am Tage des Vertragsschlusses übertrug der Beigeladene zu 1, ein Verein mit ca. 100 Mitgliedern, die schwerpunktmäßig aus dem Kreise des örtlichen Einzelhandels stammen, der Beigeladenen zu 2 vertraglich die Ausrichtung des Weihnachtsmarktes.
1. Einleitung: Einführung in die historische Bedeutung der kommunalen Selbstverwaltung als Fundament des staatlichen Organisationsgefüges.
2. Grundlagen der kommunalen Selbstverwaltung: Erläuterung der verfassungsrechtlichen Garantien aus Art. 28 Abs. 2 GG und der Definition der Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft.
3. Sachverhalt und rechtliche Auseinandersetzung: Darstellung des konkreten Falles einer umstrittenen Privatisierung eines kommunalen Weihnachtsmarktes und der klagerechtlichen Zulässigkeitsfragen.
4. Grenzen der Aufgabenentledigung und Privatisierungsmodelle: Analyse der verschiedenen Privatisierungsformen und der damit verbundenen verfassungsrechtlichen Schranken für Gemeinden.
5. Zusammenfassung und Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Pflicht zur Sicherung und Wahrung des kommunalen Aufgabenbestandes bei traditionsreichen Veranstaltungen.
Kommunale Selbstverwaltung, Art. 28 GG, Privatisierung, Weihnachtsmarkt, Daseinsvorsorge, Aufgabenbestandsgarantie, Feststellungsklage, Organisationshoheit, Gemeinde, Verwaltungsrecht, Gemeinwohl, kommunale Eigenverantwortung, Konzessionsmodell, Submissionsmodell.
Die Arbeit analysiert die rechtliche Zulässigkeit der Privatisierung kommunaler Einrichtungen, die einen kulturellen und sozialen Charakter aufweisen, wie etwa einen Weihnachtsmarkt.
Zentrale Themen sind die kommunale Selbstverwaltungsgarantie, die Grenzen der Aufgabenprivatisierung und das Gebot der gemeindlichen Daseinsvorsorge.
Es wird untersucht, ob sich Gemeinden ihrer Verantwortung für traditionsreiche öffentliche Aufgaben durch eine vollständige Übertragung an Dritte entziehen dürfen oder ob sie Steuerungsmöglichkeiten behalten müssen.
Es handelt sich um eine juristische Analyse, die auf der Auslegung des Grundgesetzes (insbesondere Art. 28 Abs. 2 GG) sowie auf der Auswertung aktueller Rechtsprechung und rechtswissenschaftlicher Literatur basiert.
Der Hauptteil deckt sowohl die theoretischen Grundlagen der Selbstverwaltung als auch eine detaillierte Fallstudie zur Privatisierungspraxis inklusive der rechtlichen Auseinandersetzung mit den damit verbundenen Verträgen ab.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie kommunale Selbstverwaltung, Privatisierung, Daseinsvorsorge und verfassungsrechtlicher Aufgabenbestand einordnen.
Eine vollständige Übertragung entzieht der Gemeinde die Möglichkeit, das soziale Miteinander und die kulturelle Tradition zu steuern, was verfassungsrechtlich aufgrund der Verbundenheit mit den Einwohnerinteressen kritisch gesehen wird.
Die Gemeinde muss sicherstellen, dass auch bei privater Durchführung die Interessen der Bürger gewahrt bleiben, weshalb sie sich Kontroll- und Einwirkungsbefugnisse vorbehalten muss.
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