Bachelorarbeit, 2025
62 Seiten, Note: 2
Diese Arbeit untersucht, wie tiergestützte Pädagogik erfolgreich in einer Kindertagesstätte implementiert werden kann. Das primäre Ziel ist es, einen wissenschaftlich gestützten Leitfaden und eine Handlungsempfehlung für pädagogische Fachkräfte bereitzustellen, die tiergestützte Pädagogik in ihrer Einrichtung etablieren möchten, ohne sich auf eine bestimmte Tierart festzulegen.
Die Mensch-Tier-Beziehung
2.3.2.Du-Evidenz
Ein weiterer Erklärungsansatz für die Mensch-Tier-Beziehung ist die Du-Evidenz. Ge- prägt wurde der Begriff Du-Evidenz nach Vernooij und Schneider 1922 von Karl Bühler in Bezug auf den zwischenmenschlichen Bereich. „Er verstand darunter die Fähigkeit und das Bewusstsein eines Menschen, eine andere Person als Individuum, als „Du" wahrzunehmen und zu respektieren“ (Vernooij/Schneider 2018, S.7). Im Bereich der Tiergestützten Interventionen bezeichnet die Du-Evidenz „die Tatsache, dass zwi- schen Menschen und höheren Tieren Beziehungen möglich sind, die denen entspre- chen, die Menschen unter sich beziehungsweise Tiere unter sich kennen.“ (Greiffen- hagen/Buck-Werner 2012, S.22). Schon Gotthard Teutsch erklärt den Ansatz der Du- Evidenz im Lexikon der Tierethik von 1987 als die Voraussetzung sozialer Mensch- Tier-Beziehungen: „Du-Evidenz bedeutet, daß einem Lebewesen ein zunächst belie- big anderes Lebewesen durch intensive Begegnung zum individuellen, unverwech- selbaren und insofern auch unersetzlichen Partner wird. Du-Evidenz ist sowohl gegen- seitig wie auch einseitig möglich und setzt keine rational verarbeitete Wahrnehmung des anderen voraus, sondern beruht auf Erleben und Emotion, also Möglichkeiten und Fähigkeiten, die schon beim Kleinkind und beim Säugetier gegeben sind. Auf der glei- chen Basis der Emotionalität beruht das der Du-Evidenz notwendigerweise komple- mentäre Ich-Bewußtsein, das aus dem Erleben und Erfahren eines `Du` notwendiger- weise entsteht.“ (Teutsch 1987). Die Du-Evidenz ist somit „ein Erklärungsmodell dafür, wie wir wissen oder zumindest erahnen können, wie andere fühlen, denken und han- deln. (....) Ohne Zuwendung und Zuneigung könnte die Tiergestützte Therapie nicht funktionieren." (Germann-Tillman et al. 2019, S.30). Die Du-Evidenz scheint also we- niger auf der kognitiven, als vielmehr auf der emotionalen Ebene zu wirken, was wiederum die Folgerung nahelegt, dass sie „möglicherweise eine Voraussetzung für die Fähigkeit ist, Empathie, Mitgefühl für ein anderes Lebewesen empfinden zu kön- nen" (Vernooij/Schneider 2018, S.8). Dennoch ist ein Mindestmaß an Kommunikation vorausgesetzt, welche gelingen kann, wenn „die neurophysiologischen Wahrneh- mungs-, Deutungs- und Reaktionspotentiale und -mechanismen der beteiligten Spe- zies sich ähneln“ (Wesenberg 2020, S.25). Nach Kurt Kotrschal „wird wechselseitiges Verstehen durch die gemeinsamen Prinzipien der Organisation von Verhalten, Per- sönlichkeitsstruktur und Stressbewältigung begünstigt“ (Kotrschal 2009, S.66). Dem- nach haben sowohl Mensch wie auch Tier im Laufe der Evolution so genannte Social Tools entwickelt, welche diesen Beziehungsaufbau begünstigen.
2.3.3.Bindung
Die Bindungstheorie geht zurück auf Bowlby und Ainsworth und behandelte den Kon- takt zwischen dem Kind und seiner primären Bezugsperson. Zusammengefasst von Rauh besagt das Konzept der Bindungstheorie, „dass die frühen sozial-emotionalen Interaktionserfahrungen eine Erwartungsfolie oder ein Erwartungsmodell für künftige Beziehungen zu möglichen Vertrauenspersonen bilden. Dieses anfängliche Arbeits- modell reichert sich im Verlauf der Entwicklung des Kindes an; bei bedeutsamen emo- tionalen Erfahrungen kann es sich verändern“ (Rauh 2002, S.201). Die in den For- schungen zur Bindung klassifizierten Bindungsstile unterscheiden zwischen sicherer Bindung und unsicherer Bindung. Die unsichere Bindung wiederrum kennt drei Bin- dungstypen. Die unsicher-ambivalente Bindung, die unsicher-vermeidende Bindung und das desorientierte/desorganisierte Bindungsmodell (vgl. Siegler et al. 2020, S.449- 460). Eine der führenden deutschen Wissenschaftlerinnen auf dem Gebiet der tierge- stützten Intervention, Prof. Dr. Andrea Beetz hat die Bindungstheorie auf die Mensch- Tier-Beziehung übertragen. Dieser Übertrag stützt sich vor allem auf zwei Pfeiler. Zum ersten auf die Annahme, dass Tiere für den Menschen und zeitgleich auch Menschen für das Tier, Bindungsobjekte darstellen und zum zweiten darauf, dass positive Bin- dungserfahrungen mit einem Tier möglicherweise auf die soziale Situation mit Men- schen übertragen werden könnten (vgl. Beetz 2003a, S.81).
Kapitel 1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Forschungsfrage zur Implementierung tiergestützter Pädagogik in Kindertagesstätten vor und beleuchtet die Notwendigkeit wissenschaftlich fundierter Ansätze aufgrund mangelhafter Qualität in der Praxis.
Kapitel 2. Grundlagen der tiergestützten Arbeit: Hier werden die historische Entwicklung, die Definitionen verschiedener Einsatzfelder sowie die Wirkweisen und Effekte tiergestützter Interventionen auf den Menschen ausführlich beschrieben.
Kapitel 3. Vorentscheidungen zur Implementierung tiergestützter Pädagogik in der Kindertagesstätte: Dieses Kapitel behandelt die wichtigen Vorüberlegungen, wie personelle und kommunikative Voraussetzungen, rechtliche Grundlagen und die Kriterien für die Auswahl des geeigneten Tieres.
Kapitel 4. Pädagogische Umsetzung tiergestützter Pädagogik in der Kindertagesstätte: Es wird die praktische Durchführung tiergestützter Angebote erläutert, einschliesslich der Zieldefinition, verschiedenen Einsatzebenen (freie, gelenkte, ritualisierte Interaktion) und der Bedeutung von Beobachtung und Dokumentation.
Kapitel 5. Evaluation und Qualität tiergestützter Pädagogik in der Kindertagesstätte: Das Kapitel befasst sich mit den gesetzlichen Grundlagen der Qualitätssicherung, geeigneten Evaluationsmethoden und dem Prozess der kontinuierlichen Qualitätsentwicklung im Bereich der tiergestützten Pädagogik.
Kapitel 6. Fazit: Die wichtigsten Erkenntnisse der gesamten Arbeit werden zusammengefasst und daraus konkrete Handlungsempfehlungen für die erfolgreiche Implementierung tiergestützter Pädagogik in Kindertagesstätten abgeleitet.
tiergestützte Pädagogik, wissenschaftliche Grundlagen tiergestützter Arbeit, historische Entwicklung, Implementierung, Leitfaden, Elementarpädagogik, Mensch-Tier-Beziehung, Kindertagesstätte, Qualitätssicherung, Hygiene, Tierschutzgesetz, Du-Evidenz, Bindungstheorie, Kommunikation, Tierauswahl, Evaluation
Diese Arbeit befasst sich mit der erfolgreichen Implementierung tiergestützter Pädagogik in Kindertagesstätten und dient als wissenschaftlich fundierter Leitfaden für pädagogische Fachkräfte.
Zentrale Themenfelder umfassen die Grundlagen und historische Entwicklung tiergestützter Arbeit, rechtliche Rahmenbedingungen, die Auswahl geeigneter Tiere, die pädagogische Umsetzung sowie die Evaluation und Qualitätssicherung.
Das primäre Ziel ist es, die Frage zu beantworten, wie tiergestützte Pädagogik gewinnbringend und qualitativ hochwertig in einer Kindertagesstätte implementiert werden kann, ohne eine spezifische Tierart vorzugeben.
Die Arbeit basiert auf umfassenden Literaturrecherchen und dem Einbezug von Informationen relevanter Dachverbände und Fachgruppen, um eine fundierte Analyse zu gewährleisten.
Der Hauptteil behandelt die Grundlagen der tiergestützten Arbeit, Vorentscheidungen zur Implementierung, die praktische pädagogische Umsetzung in der Kindertagesstätte sowie die Evaluation und Qualitätssicherung.
Charakterisierende Schlüsselwörter sind unter anderem: tiergestützte Pädagogik, Elementarpädagogik, Implementierung, Leitfaden, Qualitätssicherung, Mensch-Tier-Beziehung und Tierschutzgesetz.
Eine zertifizierte Ausbildung, beispielsweise nach ISAAT oder ESAAT-Richtlinien, ist entscheidend, um den professionellen Einsatz und eine gelungene Implementierung tiergestützter Pädagogik zu gewährleisten und unseriöse Angebote zu vermeiden.
Diese Gesetze definieren bindende Rahmenbedingungen für den Einsatz von Tieren, einschliesslich artgerechter Haltung, Hygienekonzepte und Genehmigungsverfahren, um das Wohl von Mensch und Tier zu sichern.
Die Wahl der Tierart und des Settings muss sich an den individuellen Bedürfnissen der Kinder, den personellen, finanziellen und räumlichen Ressourcen sowie dem hedonischen Budget des Tieres orientieren, um positive Effekte zu erzielen und Überforderung zu vermeiden.
"Du-Evidenz" beschreibt die Fähigkeit, ein Tier als individuellen, unverwechselbaren Partner wahrzunehmen, basierend auf emotionalem Erleben. Die "Bindungstheorie" nach Beetz überträgt Konzepte von Bowlby und Ainsworth auf die Mensch-Tier-Beziehung, postulierend, dass Tiere Bindungsobjekte sein und positive Bindungserfahrungen zu Menschen übertragen können.
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