Examensarbeit, 2008
54 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
I. Wissenschaftliche Positionen zu Tomboy
II. Der Diskurs
III. Der Gender-Diskurs
1. Judith Butlers Theorie
2. Kritik an Butler
3. Weiterführende Überlegungen
IV. Pop-Literatur
V. Besondere Verfahren des Textes
1. Das Pastiche
2. a) Sampling
2. b) Meinecke: „Ich als Text“
3. Die Überschneidung von Diskursen im Text
4. Die BASF-Liste
5. Die Weinger-Exzerpte
VI. Besondere Figuren und Motive
1. Judith Butler als Romanfigur
2. Angelo/ Angela
3. Masturbation
4. Vivian und Korinna
5. Mode
6. Susan Sontag; Anmerkungen zu ‚Camp’
7. Das Spiegel-Motiv
Schluss
Die Arbeit untersucht den Gender-Diskurs in Thomas Meineckes Roman „Tomboy“ und analysiert dessen zentrale Funktion innerhalb des Werkes. Dabei wird erörtert, wie der Roman theoretische Diskurse – insbesondere den dekonstruktivistischen Feminismus nach Judith Butler – literarisch verarbeitet, archiviert und in neue Kontexte überführt.
4. Die BASF-Liste
„1966, als ich in Brunbsbüttel eingeschult wurde und meinen ersten Chemiebaukasten geschenkt bekam, umfaßte das Verkaufsprogramm der BASF etwa fünftausend Produkte, führte Petersen mit spitzer Stimme aus: Kunststoff-Sortimente für die verschiedensten Anwendungsgebiete als Werkstoffe zur Verarbeitung durch Spritzguß, Blasen, Extrudieren, Kalandrieren, Tiefziehen, Gießen, Aufschäumen und Sintern wie Lupolen, Luparen, Oppanol, Luran, Terluran, Polystyrol, Styropor, Iporka, Ultramid, Vinoflex, Palatal; Kunststoff-Dispersionen als Veredelungsprodukte für die Klebstoff-, Papier-, Verpackungs- und Textilindustrie wie Acronal, Diofan, Propiofan; Lackrohstoffe, zum Beispiel Plastopal, Ludopal, Luprenal, Larodur; Weichmacher wie Palatinol oder Plastomoll; Lösungsmittel, Glykol und Glykolderivate; Glysantin-Kühlerfrostschutz; Vorprodukte für Synthesefasern; Kondensationsprodukte auf Basis Harnstoff-Phenol-Melamin für die holzverarbeitende Industrie wie Kaurit-Leim und Kauresin-Leim sowie für die Textil- und Papierindustrie; weiters organische Vor- und Zwischenprodukte für die pharmazeutische und kosmetische Industrie; Katalysatoren; anorganische Grundchemikalien; Farbstoffe zum Färben und Bedrucken von Textilien aller Art, zum Färben von Lacken, Papier, Leder, Kunststoffen und anderem; darüber hinaus Hilfs- und Veredelungsprodukte für die Textil-, Leder-, Papier-, Mineralöl-, chemisch-technische Industrie sowie andere Industrien; technische Stickstoffprodukte; Düngemittel, zum Beispiel Nitrophoska und Floranid; des weiteren Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel wie Pyramin, U 46, Polyram-Combi, Kumulus und Perfekthion; sowie, last but not least, das gute alte Magnetophonband BASF. Als ihr erhitzter Nachbar endlich fertig war, mußte Vivian Atkinson lauthals loslachen; womit sie ihn schlagartig verunsicherte, wenn nicht sogar beleidigte.“
Einleitung: Einführung in das Thema der Arbeit, die den Gender-Diskurs und dessen Funktion in Thomas Meineckes Roman „Tomboy“ in den Fokus rückt.
I. Wissenschaftliche Positionen zu Tomboy: Darstellung der Ansätze zur Dekonstruktion von Geschlechterrollen im Roman sowie die Einordnung in die Pop-Literatur.
II. Der Diskurs: Erläuterung des Diskursbegriffs nach Michel Foucault, um die analytische Grundlage für die Untersuchung des Gender-Diskurses zu schaffen.
III. Der Gender-Diskurs: Detaillierte Darstellung der Theorie von Judith Butler und deren Kritiker, die das theoretische Rückgrat der Analyse bildet.
IV. Pop-Literatur: Definition und Einordnung von Pop-Literatur als Verfahren zur Archivierung und spielerischen Kombination von Diskursen.
V. Besondere Verfahren des Textes: Untersuchung der spezifischen Erzähltechniken wie Pastiche, Sampling und der Arbeit mit Listen als Form der literarischen Archivierung.
VI. Besondere Figuren und Motive: Analyse der Figuren (wie Butler als Romanfigur, Angela/Angelo, Vivian und Korinna) sowie zentraler Motive wie Mode, Masturbation und das Spiegel-Motiv.
Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Bestätigung der zentralen Rolle des Gender-Diskurses für die Struktur des Romans.
Gender-Diskurs, Pop-Literatur, Judith Butler, Dekonstruktion, Pastiche, Sampling, Identität, Performativität, Archivierung, Thomas Meinecke, Tomboy, Diskursanalyse, Mode, Spiegel-Motiv, Geschlechterrolle
Die vorliegende Arbeit untersucht den Gender-Diskurs in Thomas Meineckes Pop-Roman „Tomboy“ und dessen spezifische Funktion innerhalb des Erzähltextes.
Die zentralen Themen umfassen die literarische Verarbeitung von Gender-Theorien, insbesondere die von Judith Butler, die Analyse von Pop-Literatur-Verfahren wie Sampling sowie die Bedeutung von Identitätskonstruktionen durch Mode und Spiegel-Motive.
Das primäre Ziel ist es, die Funktion des Gender-Diskurses im Roman zu analysieren und aufzuzeigen, wie das Werk verschiedene theoretische Diskurse durch performative Verfahren in einen neuen literarischen Zusammenhang bringt.
Die Arbeit nutzt einen diskurstheoretischen Ansatz basierend auf Michel Foucault sowie die dekonstruktivistische Feminismus-Theorie nach Judith Butler, um die narrativen Verfahren des Romans zu analysieren.
Der Hauptteil behandelt die wissenschaftlichen Positionen zum Roman, definiert den Diskursbegriff, arbeitet die Butler'sche Theorie auf und analysiert detailliert die spezifischen Textverfahren (Pastiche, Sampling, Listen) sowie besondere Figuren und Motive.
Wichtige Begriffe sind Gender-Diskurs, Pop-Literatur, Judith Butler, Dekonstruktion, Pastiche, Sampling, Identität, Performativität und Archivierung.
Die Liste dient als Paradebeispiel für das Verfahren der Archivierung innerhalb des Romans; sie zeigt, wie der Text durch die Anhäufung von Fachbegriffen poetische Qualitäten gewinnt und sich von einem äußeren Bezug löst.
Angela fungiert als irritierendes Objekt und „Diskursereignis“, das die Thesen zur Geschlechtsidentität sowohl illustriert als auch durch ihr Verhalten – wie die „Male Impersonation“ – auf die Spitze treibt und in Frage stellt.
Diese Schlussfrage des Romans wird als entscheidend bewertet, da sie das Thema der Oberfläche und des Scheins als Schlüsselkategorien zur Beschreibung des Werkes unterstreicht, in dem keine tieferliegende Essenz auszumachen ist.
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