Masterarbeit, 2024
103 Seiten, Note: 2,3
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
Diese Masterarbeit untersucht die Qualität lokaler Öffentlichkeiten und das Partizipationsniveau in fünf deutschen Städten mit dem Hauptziel, die strukturellen Merkmale lokaler Öffentlichkeiten zu identifizieren und zu analysieren, wie sie das politische Partizipationsverhalten der Stadtbevölkerung beeinflussen. Eine zentrale Forschungsfrage ist, ob und in welchem Maße bestimmte Eigenschaften der lokalen Öffentlichkeit zur Erklärung der Partizipationswahrscheinlichkeit beitragen.
2.3.1 Lokale Öffentlichkeit
Ein zentraler Teil dieser Arbeit ist die Untersuchung von Öffentlichkeitsstrukturen. Dies umfasst, gemäß des allgemeinen Verständnisses des Öffentlichkeitsbegriffs, all jene Strukturen, die im öffentlichen, gemeinsamen Raum der Bevölkerung vorhanden sind und sich unter anderem dadurch auszeichnen, dass sie der Bevölkerung frei zugänglich sind. So wird beispielsweise allen Bürger*innen der Zugang zu Informationen über ein städtisches Event ermöglicht, in dem auf der Stadtwebseite und über Plakate darüber informiert wird. Der Zugang zu Informationen zu einem privaten Treffen einer Freundesgruppe steht hingegen nur einem ausgewählten Kreis an Bürger*innen zur Verfügung und ist somit nicht öffentlich. Da die Öffentlichkeit als gemeinsames Gut der Gesellschaft verstanden wird, geht mit dem Öffentlichkeitsraum und dessen Ausgestaltung auch eine normative Aufladung einher. Es existiert ein steter (indirekter und direkter) Diskurs in der Gesellschaft, wie dieser gemeinsame Raum gestaltet, genutzt und geregelt werden soll. Der gesellschaftliche Diskurs greift dabei häufig aktuelle Strömungen auf oder wird durch ein bestimmtes Vorkommnis entfacht. Beispiele eines gesellschaftlichen Diskurses der die Ausgestaltung der Öffentlichkeit betrifft sind Diskussionen über Kleidungs-, Sprach- und Verhaltensregeln im öffentlichen Raum oder aber auch die Debatte über die Preisgestaltung öffentlicher Dienstleistungen (Ausstellung eines Reisepasses, Nutzung öffentlicher Toiletten, etc.). Auf der Makroebene werden die Fragen nach dem öffentlichen Zusammenleben der Gesellschaft im hiesigen Kulturraum durch das Konzept der Demokratie beantwortet. Durch die breite Teilhabe und Mitgestaltung von und für Bürger*innen soll der Wille der Mehrheit gefunden und durchgesetzt werden (vgl. Zimmermann 2008).
Der lokale Kontext, sprich die öffentliche „vor Ort“ wird von Bürger*innen dabei als die kleinste, greifbarste und verständlichste politische Einheit aufgefasst, da sie sich auf die unmittelbare Umgebung und Gemeinschaft bezieht, in der die Menschen leben und agieren. Sie steht damit im Gegensatz zur nationalen (und internationalen) Ebene, die für Bürger*innen oft weniger konkret, verständlich und greifbar ist (vgl. van Deth, Tausendpfund 2013: 12). Bereits der französische Politiker Alexis de Tocqueville bezeichnete die lokale Ebene als „Schule der Demokratie‘ und deutete auf die spezielle Wirkung hinsichtlich der Bildung von demokratischen Werten, Normen und politischen Fähigkeiten hin. Der Lokalpolitik wird dabei eine wichtige Rolle zugeschrieben: Die geringe Distanz zwischen den politischen Akteur*innen und Bürger*innen schafft Voraussetzungen für eine optimale Einbindung der Bevölkerung, außerdem kann bei Angelegenheiten vor Ort eine stärkere Betroffenheit vermittelt werden (vgl. ebd.). Die (physische und normative) Ausgestaltung des unmittelbaren Lebensumfeldes wird von den Bürger*innen dabei als Spiegelbild des Handlungssspielraums und der Kompetenz der lokalpolitischen Akteur*innen aufgefasst (vgl. Kost 2021). Die Wahrnehmung der Bürger*innen über die Leistungserbringung der Lokalpolitik beziehungsweise der lokalpolitischen Akteur*innen haben damit erheblichen Einfluss darauf, wie sich Menschen in Bezug auf die Repräsentation, Partizipation und Zufriedenheit mit der lokalen Politik fühlen (vgl. Lewis-Beck, Norpoth, Jacoby, Weisberg 2008). Ein Beispiel: Schafft es eine Kommune oder Stadt, lokale Herausforderungen wie zu wenige Kita-Plätze oder die Zerstörung durch eine plötzliche Flut zu meistern, fühlen sich Bürger*innen bezüglich ihrer individuellen Bedürfnisse vor der Lokalpolitik wahr- und ernstgenommen. Kommt eine Stadt den Bedürfnissen ihrer Bewohner*innen nicht nach, kann das Gefühl entstehen, von der politischen Führung alleine gelassen zu werden und Bürger*innen können sich nicht mit den Handlungen lokalpolitischer Akteur*innen identifizieren.
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Forschungsthema ein, erläutert dessen Relevanz und gibt einen Überblick über den Aufbau der Masterarbeit.
2 Theoretischer Rahmen: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Arbeit gelegt, indem Konzepte wie Partizipation und Öffentlichkeit sowie Modelle wie das Civic Voluntarism Modell vorgestellt und diskutiert werden.
3 Zwischenstand: Das Kapitel fasst den bisherigen Erkenntnisstand zur Partizipation und Öffentlichkeit zusammen und leitet die Forschungsfrage ab.
4 Forschungsstand: Es wird der aktuelle Stand der Forschung im Kontext des Untersuchungsgegenstandes dargelegt, um die Einordnung der eigenen Arbeit zu verdeutlichen.
5 Forschungsdesign: Dieses Kapitel beschreibt detailliert die wissenschaftliche Methodik der Studie, einschließlich der Auswahl der Städte, der Datenerhebung und der Entwicklung des Öffentlichkeitsmonitors.
6 Ergebnisse: Hier werden die quantitativen Forschungsergebnisse aus den Dimensionen Information, Partizipation, Vielfalt und Inklusion für die fünf untersuchten Städte präsentiert.
7 Bewertung und Interpretation: Die Ergebnisse werden für jede Stadt einzeln analysiert und interpretiert, wobei stadtspezifische Besonderheiten und deren Implikationen diskutiert werden.
8 Kritik: Das Kapitel reflektiert kritisch das gewählte Forschungsdesign, die Methodik und mögliche Limitationen der Studie.
9 Zusammenfassung und Fazit: Die zentralen Erkenntnisse der Arbeit werden zusammengefasst und ein abschließendes Fazit im Hinblick auf die Forschungsfrage gezogen.
10 Forschungsausblick: Dieses Kapitel gibt Empfehlungen für zukünftige Forschungsarbeiten und mögliche Weiterentwicklungen des Forschungsfeldes.
Lokale Öffentlichkeiten, Partizipation, Öffentlichkeitsqualität, Städteforschung, Civic Voluntarism Modell, Forschungsdesign, Demokratie, Medien, Informationsfluss, Inklusion, Vielfalt, Partizipationsniveau, Bürgerbeteiligung, Politische Kommunikation, Stadtentwicklung
Diese Arbeit befasst sich mit der Untersuchung der Qualität lokaler Öffentlichkeiten und des Niveaus politischer Partizipation in fünf deutschen Städten, um deren wechselseitige Beziehung zu analysieren.
Die zentralen Themenfelder umfassen die lokale Öffentlichkeit, Partizipation, Öffentlichkeitsqualität, Medien und Kommunikation sowie die Rolle des Civic Voluntarism Modells im Kontext städtischer Demokratien.
Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, wie die Ausgestaltung der lokalen Öffentlichkeit das Partizipationsniveau der Stadtbevölkerung beeinflusst und welche Strukturmerkmale der Öffentlichkeit zur Erklärung des politischen Partizipationsverhaltens beitragen.
Es wird ein Most-Similar-Design im Rahmen einer quantitativen Untersuchung angewandt, bei dem ein eigens entwickelter Öffentlichkeitsmonitor zur Erhebung von über 400 Variablen genutzt wird.
Der Hauptteil präsentiert und interpretiert die Ergebnisse der Untersuchung für jede der fünf Städte entlang der Dimensionen Information, Partizipation, Vielfalt und Inklusion.
Schlüsselwörter sind: Lokale Öffentlichkeiten, Partizipation, Öffentlichkeitsqualität, Städteforschung, Civic Voluntarism Modell und Bürgerbeteiligung.
Das "Civic Voluntarism Modell" dient als theoretischer Rahmen zur Einordnung und Analyse der Rahmenbedingungen politischer Partizipation und wird mit dem Öffentlichkeitsmonitor verknüpft, um die Einflussfaktoren auf die Partizipationswahrscheinlichkeit zu erklären.
Die fünf Städte (Gelsenkirchen, Duisburg, Bochum, Halle, Bremen) wurden basierend auf einem Most-Similar-Design ausgewählt. Dies bedeutet, dass sie sich in vielen Rahmenbedingungen ähneln, um Unterschiede in der Öffentlichkeitsqualität und im Partizipationsniveau besser vergleichen zu können.
Die Studie untersuchte die lokalen Öffentlichkeiten anhand von vier Dimensionen: Information (Zugang zu relevanter Information), Partizipation (Möglichkeiten zur Beteiligung), Vielfalt (Medien- und Themenvielfalt) und Inklusion (Zugänglichkeit für alle Bevölkerungsgruppen).
Die Arbeit definiert die "lokale Öffentlichkeit" als die kleinste, greifbarste und verständlichste politische Einheit, die sich auf die unmittelbare Umgebung und Gemeinschaft bezieht, in der Menschen leben und agieren. Sie wird als "Schule der Demokratie" betrachtet, die Bildung von Werten und Fähigkeiten fördert.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

