Magisterarbeit, 2009
107 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1. Erscheinungsformen des Monströsen im 19. Jahrhundert
2. Die Ästhetik des Monströsen
2.1 Die Ästhetisierung des ‚Anderen’
2.2 Der ärztliche Blick und die Inszenierung der Hysterie
3. Wahnsinn und Kriminalität
3.1 Wahnsinn
3.2 Kriminalität
3.3 Die Inszenierung von Bestrafung
4. Sexualität und Devianz
4.1 Sexualität und Gesellschaft: Geschlechterrollen im 19. Jahrhundert
4.2 Sexualität und Wissenschaft: Die Pathologisierung von Sexualität
4.3 Sexualität und Kriminalität: Das Problem der Prostitution
4.4 Das sexuelle Monster: Der Hermaphrodit
5. Literatur und Monstrosität im19. Jahrhundert
5.1 Marquis de Sade: Die Philosophie im Boudoir
5.2 E.T.A. Hoffmann: Die Elixiere des Teufels
5.3 Thomas De Quincey: On Murder
5.4 Charles Baudelaire: Die Blumen des Bösen
5.5 Oscar Wilde: The Picture of Dorian Gray
Resümee
Die Arbeit untersucht die vielschichtigen Inszenierungen des Monströsen im 19. Jahrhundert, wobei sie die engen Wechselwirkungen zwischen medizinischen, juristischen und ästhetisch-literarischen Diskursen analysiert. Das Hauptziel besteht darin aufzuzeigen, wie das "Monster" durch zunehmende Kategorisierung und wissenschaftliche Normierung in kleinere Anomalien aufgegliedert wurde, und wie diese Konstruktionen als Spiegel gesellschaftlicher Ängste und Kontrollmechanismen dienten.
2.1 Die Ästhetisierung des ‚Anderen’
Das von der Norm Abweichende übte nicht erst seit dem 19. Jahrhundert eine Faszination auf die aus, die sich selbst als ‚normal’ betrachteten. Das Böse, das Unmoralische, das Unerlaubte, das Grausame, der Wahnsinn; alles, was nicht mit den Gesetzen der Natur und der Gesellschaft im Einklang stand, selbst das Leid anderer Individuen oder die Zerstörung hatte für viele Menschen stets eine besondere Anziehungskraft, so wie es auch heute noch der Fall ist. Dabei ist fraglich, was das Publikum mehr erregt - das durch die Kunst dargestellte Schreckliche oder katastrophale Ereignisse der Realität:
Das Vergnügen am Schrecklichen – die Kunst läutert es zur reinen Freude empor, ohne an seiner bestürzenden Intensität einen Verlust zu machen. [. . .] De Quincey ist da freilich anderer Ansicht. In seinem Essay On Murder Considered as One of the Fine Arts (1827) bemerkte er nebenhin einmal, daß der Ruf ‘Fire! Fire!’, der von der Straße herkommt, wohl den Zuschauerraum auch des entsetzenerregendsten Bühnenschauspiels entvölkern würde: Alles liefe zum Fenster hin, um den Brand zu sehen und bewiese zugleich: daß der reale Schrecken allemal stärker sei als der vorgestellte der Kunst.15
Die Genußempfindung beim Betrachten von Zerstörung wird zuweilen als ‚ästhetischer Neronismus bezeichnet, und Karl Philipp Moritz meint, wir seien „alle im Grunde unseres Herzens kleine Neronen, denen der Anblick eines brennenden Roms, das Geschrei der Fliehenden, das Gewimmer der Säuglinge gar nicht übel behagen würde.“16 Edmund Burke hat sich schon in seiner 1757 erschienenen Schrift Enquiry into the Origin of our Ideas of the Sublime and Beautiful mit diesem Phänomen beschäftigt und die Anziehungskraft des Schönen mit der sexuellen Lust in Verbindung gebracht, während „sich das Erhabene am Rande von Tod und Gewalt“ befindet:
Einleitung: Die Einleitung umreißt den Bedeutungswandel des Monströsen im 19. Jahrhundert, das zunehmend durch Wissenschaften wie Teratologie und Psychiatrie kategorisierbar gemacht und durch soziale Normierung kontrolliert wurde.
1. Erscheinungsformen des Monströsen im 19. Jahrhundert: Dieses Kapitel thematisiert den Übergang von mythischen Vorstellungen über die Entstehung von Monstern hin zu einer wissenschaftlichen Klassifizierung, in der der Wissenschaftler die Rolle des "Vaters" und Schöpfers übernimmt.
2. Die Ästhetik des Monströsen: Die Untersuchung beleuchtet die Faszination für das Schreckliche und Grausame, insbesondere die Theatralisierung von Krankheit und Leid, am Beispiel der Hysterie-Forschung von Jean-Martin Charcot.
3. Wahnsinn und Kriminalität: Hier wird die Verschiebung des Wahnsinnsbegriffs hin zu einer sozialen Gefahr diskutiert, die in enger Verknüpfung mit Kriminalität und der staatlichen Kontrolle durch Psychiatrie und Strafjustiz steht.
4. Sexualität und Devianz: Das Kapitel analysiert die Pathologisierung abweichender Sexualität, die starren Geschlechterrollen des 19. Jahrhunderts und die staatlichen Versuche, Prostitution durch Regulierung und Überwachung zu beherrschen.
5. Literatur und Monstrosität im 19. Jahrhundert: Die Analyse literarischer Werke von Sade, Hoffmann, De Quincey, Baudelaire und Wilde zeigt, wie Autoren das Monströse, das Verbrechen und das Abgründige aufgreifen, um die moralischen Normen ihrer Zeit zu hinterfragen oder ästhetisch zu überhöhen.
Resümee: Die Zusammenfassung resümiert die enge Verflechtung der behandelten Bereiche und konstatiert, dass das 19. Jahrhundert das Monströse durch ständige Überwachung und medizinisch-wissenschaftliche Normalisierungsnetze zu bändigen suchte.
Monstrosität, 19. Jahrhundert, Psychiatrie, Hysterie, Kriminalität, Wahnsinn, Sexualität, Pathologisierung, Normierung, Décadence, Ästhetik, Disziplinargesellschaft, Literatur, Abweichung, Degeneration.
Die Arbeit untersucht, wie sich die Wahrnehmung, Inszenierung und Kontrolle des "Monströsen" – also des Abweichenden – im 19. Jahrhundert verändert hat und in welchen gesellschaftlichen sowie wissenschaftlichen Diskursen dies verhandelt wurde.
Zentrale Themen sind die Ästhetik des Schrecklichen, das Verhältnis von Wahnsinn und Kriminalität, die Pathologisierung von Sexualität sowie die Darstellung dieser Phänomene in der Literatur des 19. Jahrhunderts.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie das "Monster" durch medizinische, juristische und soziale Kategorisierung zu einem Forschungsobjekt wurde, das diszipliniert und normalisiert werden musste, um die gesellschaftliche Ordnung aufrechtzuerhalten.
Es handelt sich um eine kultur- und literaturwissenschaftliche Analyse, die vor allem auf den theoretischen Grundlagen von Michel Foucault (insbesondere zur Geschichte der Klinik, des Wahnsinns und der Sexualität) basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der ästhetischen Ansätze (inklusive der Hysterie), die Verbindung von Wahnsinn und Kriminalität, die Kontrolle der Sexualität und Prostitution sowie eine detaillierte literaturwissenschaftliche Analyse ausgewählter Autoren.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Pathologisierung, Normierung, Disziplinierung, Décadence, Degeneration und das "Andere" charakterisiert.
Die Autorin betont, dass das Monströse per se Inszenierungscharakter besitzt, da es die Aufmerksamkeit auf sich zieht; dies wird insbesondere an der Theatralisierung der Hysterie bei Charcot und der Sträflingsketten-Zeremonien deutlich.
Die Literatur bietet einen Raum, in dem das Böse und Abweichende ästhetisiert und verhandelt werden kann, was oft in explizitem Kontrast zu den moralischen und repressiven Zwängen der medizinischen und juristischen Diskurse des 19. Jahrhunderts steht.
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