Masterarbeit, 2025
160 Seiten, Note: 1.0
Diese Masterarbeit analysiert Fremdkapitalinstrumente bei Schweizer Banken mit dem Hauptziel, deren strukturelle und strategische Charakteristika sowie ihre operative Anwendung unter Berücksichtigung aktueller volkswirtschaftlicher und regulatorischer Rahmenbedingungen zu beschreiben. Die zentrale Forschungsfrage lautet: "Welche Fremdkapitalinstrumente setzen Schweizer Banken ein und was sind deren Charakteristika?"
2.4.2. Die Bedeutung der Refinanzierung
Das nachfolgende Kapitel thematisiert die Refinanzierung im Bankwesen und stellt so gleich den Ausgangspunkt für die in Kapitel 2.5. untersuchten Fremdkapitalinstrumente dar.
Als Refinanzierung bezeichnet man die Mittel- und Liquiditätsbeschaffung von Banken, welche die Basis für die Kreditvergabe darstellt. Die Refinanzierung erfolgt dabei min destens zu einem gesetzlich vorgeschrieben Anteil an Eigenkapital. Der verbleibende Refinanzierungsbedarf wird dabei mit verschiedenen Formen von Fremdkapital gedeckt. Die Refinanzierung kann sowohl fristen- und betragskongruent als auch inkongruent er folgen (Schramm, 2018).
Die bisherigen Ausführungen haben verdeutlicht, dass Banken die volkswirtschaftlich wichtige Aufgabe haben, die Realwirtschaft mit Krediten zu versorgen. Für die Kredit vergabe benötigen sie neben gesetzlich vorgeschriebenem Eigenkapital zusätzlich auch fremde Mittel. Dieses Kapitel thematisiert im Folgenden die Kreditvergabe einer Bank, welche sich von der Kreditvergabe von Nicht-Banken unterscheidet. Bevor die Kredit vergabe der Banken erläutert wird, erfolgt ein kurzer Exkurs zur weit verbreiteten Auf fassung über die Geld- und Kreditschöpfung durch die Banken:
Der ehemalige Präsident der Schweizerischen Nationalbank Thomas Jordan betonte be reits 2018 in einem Referat die Emotionalität der Geldschöpfung und Kreditvergabe, wel che Bankenkritiker oftmals zum Anlass nehmen die These zu vertreten, dass Banken Geld aus dem Nichts schöpfen können7. Durch dieses stark verkürzt gezeichnete Bild der Geldschöpfung kann der Eindruck entstehen, dass Banken für sich selbst Geld er schaffen könnten, welches ihnen im Folgenden zur freien Verfügung steht (Jordan, 2018, S. 7). Die nachfolgenden Beispiele sollen illustrieren, dass dies nicht respektive nur sehr stark vereinfacht in der Realität zutrifft und Banken durchaus auf Fremdkapital von an deren Banken und Nicht-Banken zur Refinanzierung ihres Kredit- und Hypothekarge schäfts angewiesen sind.
Zunächst wird die Kreditgewährung einer Bank gegenüber einem Unternehmen darge stellt. Wichtig ist hierbei anzumerken, dass die Bank diesen ersten Schritt der Kreditvergabe tatsächlich ohne zusätzliches Fremdkapital vollziehen kann. Grundlage dafür ist, dass der Kunde ein Konto bei der Bank hält, auf welches diese den Kreditbetrag gutschreibt (Bauer, 2021, S. 127).
Die nachfolgende Tabelle zeigt zunächst die (vereinfacht dargestellte) Bilanz vor der Kreditvergabe an den Unternehmenskunden:
Aktiva Passiva
Bilanzposition in Mio. CHF Bilanzposition in Mio. CHF
Flüssige Mittel 1’000 Verpflichtungen ggü. Banken 1’500
Forderungen ggü. Kunden 2’000 Verpflichtungen ggü. Kunden 2’800
Hypothekarforderungen 2’500 Anleihen 1’900
Finanzanlagen 1’200 Gesellschaftskapital 500
Gesamt 6’700 Gesamt 6’700
Tabelle 2: Bilanz einer Bank vor der Kreditvergabe
(Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Bauer, 2021, S. 122)
Nachdem die Bank den Kredit für den Kunden über CHF 50 Mio. bewilligt hat, überweist diese ihm den Kreditbetrag auf sein bei derselben Bank geführtes Konto, wodurch sich die beiden Bilanzpositionen Forderungen ggü. Kunden (Aktivseite) und Verpflichtungen ggü. Kunden (Passivseite) um denselben Betrag erhöhen. Somit verlängert sich die Bankbilanz um den entsprechenden Betrag, ohne dass eine Interaktion mit einer Dritten Partei stattgefunden hat (Bauer, 2021, S. 127).
Kapitel 1: Einleitung: Dieses Kapitel führt in den Forschungsgegenstand der Fremdkapitalinstrumente bei Schweizer Banken ein und beschreibt die Forschungs- und Leitfragen der Arbeit.
Kapitel 2: Theoretische Fundierung: Hier werden die volkswirtschaftliche Bedeutung von Schweizer Banken, die Akteure des Finanzplatzes, Jahresrechnungen und Refinanzierungsstrukturen detailliert beleuchtet, einschliesslich einer Übersicht über Fremdkapitalinstrumente und regulatorische Rahmenbedingungen.
Kapitel 3: Darstellung der Datenerhebungs- und Datenanalyseverfahren: Dieses Kapitel erläutert die gewählte Methodik, insbesondere die Experteninterviews als Datenerhebung und die inhaltlich-strukturierende Inhaltsanalyse zur Datenverarbeitung, und begründet die Methodenwahl.
Kapitel 4: Darstellung der Interviewergebnisse: Die Ergebnisse der geführten Experteninterviews werden zusammengefasst und durch deduktive sowie induktive Kategorienbildung strukturiert und codiert.
Kapitel 5: Diskussion und Ausblick: Dieses abschliessende Kapitel präsentiert einfache und komplexe Analysen der Ergebnisse, einen Ergebnisbericht, eine kritische Reflexion der Arbeitsqualität, die Einordnung der Ergebnisse und einen Ausblick auf weitere Forschungsfragen.
Fremdkapitalinstrumente, Schweizer Banken, Bilanzstrukturmanagement, Regulatorik, Experteninterviews, Kapitalstruktur, Refinanzierung, Liquiditätsrisiko, Eigenkapital, Kreditgeschäft, Bankenlandschaft, Diversifikation, Zinsrisiken, Nachrangige Anleihen, Pfandbriefe
Die Arbeit analysiert die Fremdkapitalinstrumente bei Schweizer Banken, um deren strukturelle und strategische Charakteristika sowie ihre operative Anwendung im Kontext der aktuellen volkswirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen zu verstehen.
Zentrale Themenfelder sind die volkswirtschaftliche Bedeutung von Banken in der Schweiz, deren Bilanz- und Refinanzierungsstrukturen, eine detaillierte Übersicht verschiedener Fremdkapitalinstrumente und die damit verbundenen regulatorischen Rahmenbedingungen und Entwicklungen.
Das primäre Ziel ist ein detaillierter Überblick über die von Schweizer Banken genutzten Fremdkapitalinstrumente und deren kritische Bewertung. Die zentrale Forschungsfrage lautet: "Welche Fremdkapitalinstrumente setzen Schweizer Banken ein und was sind deren Charakteristika?"
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf fünf leitfadengestützten Experteninterviews mit Fachpersonen aus dem Bankenumfeld basiert. Die Analyse erfolgte mittels einer inhaltlich-strukturierenden Inhaltsanalyse.
Der Hauptteil der Arbeit umfasst die theoretische Fundierung (Volkswirtschaft, Bankenlandschaft, Jahresrechnung, Refinanzierung, Instrumente, Regulatorik), die Methodik (Experteninterviews, Inhaltsanalyse), die Darstellung der Interviewergebnisse sowie eine Diskussion und einen Ausblick.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Fremdkapitalinstrumente, Schweizer Banken, Bilanzstrukturmanagement, Regulatorik, Experteninterviews, Kapitalstruktur, Refinanzierung, Liquiditätsrisiko, Eigenkapital, Kreditgeschäft, Bankenlandschaft, Diversifikation, Zinsrisiken, Nachrangige Anleihen, Pfandbriefe.
Die Diversifikation der Refinanzierungsquellen gilt als strategisch entscheidend, um Risiken zu minimieren und gleichzeitig eine flexible Steuerung der Bilanzstruktur zu ermöglichen. Experten betonen, dass ein gesunder Mix an Instrumenten wichtig ist, um Klumpenrisiken und systemischem Stress entgegenzuwirken.
Der Zusammenbruch der Credit Suisse führte zu einem temporären Vertrauensverlust bei AT1-Anleihen und dem Abzug von Fremdkapital im professionellen Markt. Für kleinere Institute bot sich jedoch die Chance, neue Kunden und zusätzliche Spareinlagen zu gewinnen.
Pfandbriefdarlehen werden von allen Experten als zentrales Fremdkapitalinstrument für Banken mit Hypothekargeschäft angesehen. Sie dienen der langfristigen Refinanzierung, bieten Stabilität und Sicherheit für Investoren und sind ein wichtiges Instrument zur Zinsrisikoreduktion sowie Bilanzsteuerung.
Experten sehen den Markt als eher stabil und wenig dynamisch. Punktuelle Innovationen werden jedoch in der Digitalisierung (z.B. Tokenisierung von Anleihen) und der zunehmenden Bedeutung von Nachhaltigkeitsthemen (Green/Social Bonds) erwartet, welche die Kapitalbeschaffung beeinflussen könnten.
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