Wissenschaftliche Studie, 2010
21 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Quellenkritische Überlegungen
3. Wozu ein Psychogramm Bruckners?
4. Welche Symptome sprechen für eine Neurose Bruckners?
4.1 Zur Methodik
4.2 Exkurs: Kunst und Neurose
4.3.1 Reduziertes Selbstwertgefühl
4.3.2 Infantilität
4.3.3 Magisches Denken: Nekrophilie
4.3.4 Zwangsneurose – Depression
4.3.4.1 Sexuelle Konflikte
5. Fazit
6. Zeittafel
Die Arbeit verfolgt das Ziel, Anton Bruckners Persönlichkeit anhand psychoanalytischer Ansätze zu durchleuchten, um biografische Mythen zu dekonstruieren und einen neuen Zugang zu seinem Werk zu ermöglichen.
4.3.2 Infantilität
Als weiteres Symptom sind bei Bruckner ausgeprägte infantile Züge zu erkennen. Versteht man die Neurose als Weiterbestehen eines ungelösten kindlichen Konflikts im Erwachsenen, so lässt sich folgern, dass der Neurotiker in Folge dieses unbewältigten frühkindlichen Konflikts einen infantilen Eindruck erweckt. Das ist bei Bruckner vielfach der Fall gewesen. Augenzeugenberichten zufolge wurde er beispielsweise bis über sein 40. Lebensjahr hinaus mit „Du“ und „Tonerl“ angesprochen. Viele, die mit Bruckner Umgang hatten, verspürten das Bedürfnis, sich seiner anzunehmen, ihm unter die Arme zu greifen, damit aber auch, ihn zu bevormunden. Bruckner wirkte auf seine Umwelt unmündig. Selbst seine Schüler fühlten sich in die Rolle der Berater gedrängt, und manche dieser Ratschläge hatten für den Musiker schlimme Folgen; er erlitt durch sie zahlreiche persönliche Niederlagen und berufliche Rückschläge. Unter anderem resultiert daraus das Dilemma der verschiedenen Fassungen seiner Sinfonien: Er, der Meister, folgte den Ratschlägen seiner Schüler (!) und überarbeitete seine Werke immer wieder aufs Neue.
Es lässt sich hierin eine für die Neurose typische Wiederholungstendenz ausmachen: So bedingungslos, wie er sich dem Wunsch der Mutter unterordnete, ordnete Bruckner sich sein ganzes Leben lang Autoritäten unter - später waren es Vorgesetzte, Priester, Musikkritiker und andere „Fachleute“. Mit anderen Worten: Die Unterwürfigkeit, die er als Knabe mütterlicher Autorität entgegenbrachte, übertrug er später, offenkundig damit einem Wiederholungszwang folgend, auf andere Personen: Bruckner wagte es nie, ernstlich Kritik an der Autorität zu üben. Er verblieb in diesem Sinne zeitlebens in einer abhängigen, infantilen Haltung.
1. Einleitung: Die Einleitung hinterfragt die psychische Gesundheit Bruckners angesichts seines scheinbar erfolgreichen Lebenswegs und legt den methodischen Grundstein für eine psychografische Untersuchung.
2. Quellenkritische Überlegungen: Dieses Kapitel thematisiert die Schwierigkeit, vorhandene Briefe und Berichte für eine psychopathologische Deutung zu nutzen, da sie ursprünglich nicht für diesen Zweck verfasst wurden.
3. Wozu ein Psychogramm Bruckners?: Hier wird die Kritik an bisherigen, oft verharmlosenden oder anekdotenhaften Biografien geübt und die Notwendigkeit einer tiefergehenden, psychologischen Analyse begründet.
4. Welche Symptome sprechen für eine Neurose Bruckners?: Dieses Kapitel analysiert verschiedene Symptome wie das reduzierte Selbstwertgefühl, infantile Züge und Zwangsstörungen auf Basis der psychoanalytischen Theorie.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Bruckner nicht als geistig minderwertig, sondern als neurotisch gehemmter Mensch zu verstehen ist, dessen kompositorisches Schaffen eng mit der Bewältigung seines inneren Leids verknüpft war.
6. Zeittafel: Die Zeittafel bietet eine chronologische Übersicht der Lebensstationen Bruckners und ergänzt die vorangegangene Problemanalyse durch faktenbasierte Daten.
Anton Bruckner, Psychografie, Neurose, Psychoanalyse, Sigmund Freud, Zwangssymptomatik, Infantilität, Unterwürfigkeit, Schöpferkraft, Biografie, Musikpsychologie, Quellenkritik, künstlerische Krise, Nekrophilie, Depression.
Die Publikation befasst sich mit einer psychografischen Skizze des Komponisten Anton Bruckner und untersucht, inwiefern neurotische Verhaltensweisen sein Leben und sein Werk beeinflusst haben könnten.
Zentrale Themen sind die Analyse von Zwangssymptomen, infantile Verhaltensmuster, das Spannungsfeld zwischen religiösem Glauben und Neurose sowie die Auseinandersetzung mit der bisherigen, teils verklärenden Bruckner-Biografik.
Das Ziel ist es, psychologische Mechanismen aufzudecken, die Bruckners Handeln und seine lebenslange Selbstunsicherheit erklären, um so ein differenzierteres Verständnis seiner Person zu ermöglichen.
Die Arbeit nutzt die tiefenpsychologische Theorie im Sinne Sigmund Freuds und Alfred Adlers, um die vorliegenden biografischen Quellen und Selbstzeugnisse Bruckners interpretativ auszuwerten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine methodische Herleitung, einen Exkurs zur Verbindung von Kunst und Neurose sowie eine detaillierte Auflistung und Analyse einzelner Symptome wie Zählzwang, sexuelle Konflikte und Nekrophilie.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Psychografie, Neurose, Psychoanalyse, Zwangssymptomatik, Infantilität und Musikbiografie charakterisiert.
Sie deutet diese Praxis als Ausdruck von Bruckners ausgeprägter Unterwürfigkeit gegenüber Autoritäten und Schülern, denen er aufgrund seiner infantilen Grundhaltung bei der Überarbeitung seiner Werke unkritisch folgte.
Dieser Aufenthalt dokumentiert einen schweren psychischen Zusammenbruch Bruckners im Jahr 1867, der durch eine massive Zwangssymptomatik und depressive Zustände gekennzeichnet war.
Der Brief zeigt, wie Bruckner eine eigentlich persönliche, emotionale Angelegenheit wie einen Heiratsantrag im formellen Stil eines offiziellen Bittgesuchs an eine Behörde formulierte, was auf eine tiefe Unsicherheit und erotische Konflikte hindeutet.
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