Fachbuch, 2010
343 Seiten
Vorwort
Synopse der gesundheitspolitischen Aussagen zur Prävention in den Parteiprogrammen der im Bundestag vertretenen Parteien (2007 bis 2009)
1. Einleitung
2. Epidemiologie des Alkoholmissbrauchs bei Kindern und Jugendlichen
3. Trinkkulturen
Erster Exkurs: Alkohol als „Kulturgut“? – Von der Kultur des Wegsehens zur Kultur des Hinschauens
4. Das Rauschtrinken bei Kindern und Jugendlichen
4.1. Rauschtrinken
4.2. „Komatrinken“, „Kampftrinken“ und „Kofferraumsaufen“
4.3. Binge drinking
4.4. Akute Alkoholvergiftung
4.5. Früher Beginn des Alkoholkonsums und das Rauschtrinken bei Kindern und Jugendlichen
5. Eine Risikodiskussion
5.1. Risikogruppen von Kindern und Jugendlichen für Alkoholmissbrauch
5.2. Risikofaktoren für Alkoholmissbrauch im Kindes- und Jugendalter
5.3. Funktionen des Alkoholkonsums im Kindes- und Jugendalter
5.4. Alkoholabhängigkeit
5.5. Ein Fallbeispiel: Die 16-jährige „Jessica“
6. Zahlen, Daten und Fakten
6.1. Was bedeutet „Evidenz“ bei wissenschaftlichen Studien?
6.2. Was ist eigentlich Alkoholkontrollpolitik?
6.3. Zahlen, Daten und Fakten
7. Alkoholprävention
7.1. Verhaltensprävention
7.2. Verhältnisprävention
7.3. Präventionstheorien, Menschenbild und ethische Aspekte
7.4. Akteure, Gegenakteure und Best practice-Instrumente der globalen und europäischen Alkoholkontrollpolitik
7.5. Erhöhung der Alkoholpreise
Zweiter Exkurs: Prohibition in den USA 1900 bis 1933
Dritter Exkurs: Alkoholkontrollpolitik in Skandinavien
7.6. Entwicklung von Alkohol-Aktionsplänen in der EU
7.7. Alkoholkontrollpolitik in Deutschland
Vierter Exkurs: Die Entwicklung des Branntweinmonopols in Deutschland
7.8. Gute Chancen der Alkoholprävention durch Gemeindemobilisierung
7.9. Diskussion alkoholpolitischer Massnahmen am Beispiel des Schutzes der deutschen Jugend vor weinhaltigen Premixgetränken
8. Zusammenfassung und Ausblick
8.1. Verhaltenspräventive Massnahmen
8.2. Verhältnispräventive Massnahmen
8.3. Ausblick
Ziel der Arbeit ist es, ein tieferes Verständnis für die Rahmenbedingungen der Alkoholpolitik in Deutschland zu schaffen und evidenzbasierte Strategien zur Reduktion von Alkoholkonsum und alkoholbedingten Schäden bei Kindern und Jugendlichen aufzuzeigen, um den Kinder- und Jugendschutz zu verbessern.
Fallbeispiel: Die 16-jährige „Jessica“
„Jessica“ wohnt in einer westdeutschen Kleinstadt. Sie absolvierte vor Beginn des Klinikaufenthaltes eine 14-tägige Entgiftungsbehandlung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Sie kam 16-jährig mit einer Polytoxikomanie (Alkohol- und Cannabisabhängigkeit) und einer Traumastörung unmittelbar aus der Entgiftung zur Aufnahme in die Dietrich Bonhoeffer Klinik, um sich wegen ihres fortgesetzten Alkohol- und Cannabismissbrauchs einer sechsmonatigen stationären Entwöhnungsbehandlung zu unterziehen. Sie wurde von einem Streetworker aus der ambulanten Jugendhilfe in die Klinik begleitet, der sie zuvor zwei Monate ambulant betreut hatte. Er hatte dafür gesorgt, dass sie sich in einer Fachstelle Sucht auf die stationäre Entwöhnung vorbereitete.
„Jessica“ hat einen alkoholabhängigen Vater, der verstorben ist und eine medikamentenabhängige Mutter. Nachdem sie im Elternhaus früh Gewalt durch den Vater erfahren und Trauma- und Bindungsstörungen entwickelt hatte, hatte ein Nachbar nach einem erneuten Gewaltvorfall das Jugendamt eingeschaltet, das die häusliche Situation prüfte und nach Gerichtsbeschluss „Jessica“ im Alter von 2 ½ Jahren in eine Pflegefamilie gab. Ihren leiblichen Eltern wurde das Sorgerecht entzogen. Doch auch die Pflegeeltern kamen mit „Jessica“ kaum zurecht, und so kam es zu starken Beziehungskonflikten. Die Pflegefamilie wechselte dreimal den Wohnort. Als „Jessica“ 7 Jahre alt war, verstarb bereits ihr leiblicher Vater, zu dem sie seit der Trennung von den leiblichen Eltern keinen Kontakt mehr hatte, an Alkoholfolgestörungen. Im Alter von 8 Jahren kam sie wegen einer Angststörung in eine Kinder- und Jugendpsychiatrie in stationäre Behandlung.
Sie besuchte ab 6 Jahren die Grundschule, unterbrochen nur durch den Psychiatrieaufenthalt, doppelte nach einem Schulwechsel die 5. Klasse der Hauptschule und kam anschließend wegen ihrer Lern- und Verhaltensstörungen in die 6. Klasse einer Förderschule.
1. Einleitung: Beleuchtet die gesellschaftliche Schadensbilanz durch Alkohol und fordert eine evidenzbasierte Alkoholkontrollpolitik.
2. Epidemiologie des Alkoholmissbrauchs bei Kindern und Jugendlichen: Analysiert aktuelle Trends und Prävalenzraten beim Alkoholkonsum in dieser Altersgruppe.
3. Trinkkulturen: Diskutiert kulturelle Unterschiede im Umgang mit Alkohol und die Notwendigkeit einer Kultur des Hinschauens.
4. Das Rauschtrinken bei Kindern und Jugendlichen: Definiert und kategorisiert Begriffe wie Komatrinken und Binge drinking sowie deren Folgen.
5. Eine Risikodiskussion: Identifiziert Risikogruppen, Faktoren für Abhängigkeit und beleuchtet das Fallbeispiel „Jessica“.
6. Zahlen, Daten und Fakten: Erläutert evidenzbasierte Begriffe und liefert eine Faktenübersicht zu Alkoholfolgeschäden und Kosten.
7. Alkoholprävention: Untersucht Strategien der Verhaltens- und Verhältnisprävention sowie die Rolle politischer Akteure.
8. Zusammenfassung und Ausblick: Führt die Argumente zusammen und fordert eine politische Neuausrichtung in der Alkoholprävention.
Alkoholmissbrauch, Kinder und Jugendliche, Rauschtrinken, Binge drinking, Alkoholkontrollpolitik, Verhältnisprävention, Verhaltensprävention, Alkoholabhängigkeit, Suchtprävention, Gesundheitsschutz, Alkoholpreise, Alkoholwerbung, Jugendschutzgesetz, Public Health, Evidence based.
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik des exzessiven Alkoholkonsums (Rauschtrinken) bei Kindern und Jugendlichen und fordert eine evidenzbasierte Alkoholkontrollpolitik zur Reduzierung alkoholbedingter Schäden.
Zentrale Themen sind die Epidemiologie des jugendlichen Alkoholkonsums, Präventionsstrategien (Verhaltens- vs. Verhältnisprävention), die Rolle der Alkoholindustrie und die notwendige politische Regulierung des Alkoholmarktes.
Das Ziel ist die Förderung eines tieferen Verständnisses für die notwendigen Voraussetzungen einer wirksamen Alkoholpolitik in Deutschland, um den Kinder- und Jugendschutz effektiver zu gewährleisten.
Die Arbeit basiert auf der Analyse zahlreicher aktueller epidemiologischer Studien, einer Literaturanalyse und der Auswertung klinischer Erfahrungen.
Der Hauptteil behandelt die epidemiologische Situation, Risikodiskussionen, die Differenzierung verschiedener Trinkkonzepte, präventionspädagogische Ansätze und die politische Implementierung evidenzbasierter Maßnahmen.
Alkoholmissbrauch, Binge drinking, Verhältnisprävention, Jugendschutz, Alkoholkontrollpolitik.
Das Fallbeispiel verdeutlicht die typische Kette von familiären Vorbelastungen, komorbiden psychischen Störungen und der Entwicklung einer Polytoxikomanie bei gefährdeten Jugendlichen.
Der Autor kritisiert eine zu starke Einflussnahme der Alkohollobby und ein „Täuschen“ durch wirkungslose Selbstverpflichtungen der Industrie statt einer konsequenten, evidenzbasierten gesetzlichen Marktregulierung.
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