Masterarbeit, 2025
73 Seiten, Note: 1,3
Diese Arbeit untersucht, inwiefern Kinderbücher dazu beitragen können, die Identitätsbildung von Kindern im Hinblick auf Toleranz, Verantwortungsbewusstsein und kritisches Denken zu fördern, und wie ihr Einsatz im Religionsunterricht didaktisch gestaltet werden kann. Sie beleuchtet, wie Identitätsbildungsprozesse in Wechselwirkung mit gesellschaftlichen Verhältnissen stehen und durch Kinderbücher kritisch hinterfragt werden können.
2.1.1 Der Identitätsbegriff nach Erikson
Den Grundstein der modernen Identitätsdiskussion legte Erik Homburger Erikson, der 1959 in seinem Werk Identity and the Life Cycle¹ drei seiner Aufsätze aus den vorherigen Jahren aufgrund der zeitgenössischen Relevanz der Thematik neu veröffentlichte. In diesen Aufsätzen, die jeweils aufeinander aufbauen und verschiedene Entwicklungsstadien von Identität behandeln, verdeutlicht Erikson mithilfe klinischer Notizen sein Verständnis des Themengebiets, das er sich über seine Arbeit als Psychoanalytiker erarbeitet hat.
Wenngleich Erikson zwar zwischen einer individuellen Identität und einer Gruppenidentität unterscheidet, liegt sein primärer Fokus jedoch auf der sogenannten Ich-Identität. Er beschreibt diese als das bewusste Gefühl eines Individuums, dass nicht nur die unmittelbare Wahrnehmung der eigenen Übereinstimmung² mit sich selbst sowie des eigenen Fortbestehens in der Zeit erlebt, sondern auch, dass andere Individuen diese Übereinstimmung und das Fortbestehen ebenfalls anerkennen (vgl. Erikson 1973a, S. 18). Somit setzt er für das Vorhandensein einer Identität voraus, dass sie aus einer Wechselwirkung zwischen der eigenen Person und dem direkten Umfeld besteht. Dies wird weiter durch die Annahme vertieft, dass die Ich-Identität die in jedem Menschen innewohnende Überzeugung vertritt, dass das eigene Ich wesentliche Schritte in Richtung einer greifbaren kollektiven Zukunft macht. Man lernt also, sich selbst als ein definiertes und individuelles Ich im Raum einer sozialen Realität zu erleben (vgl. ebd., S. 18). Dies lässt sich dahingehend präzisieren, dass in jeder Gesellschaft individuelle Identitäten existieren. Diese Identitäten können zusammen eine Gruppenidentität ausbilden, die sich abhängig von der eigenen Volksgruppe (sowohl Schichten innerhalb einer Gesellschaft als auch verschiedene Völker an verschiedenen geographischen Standpunkten der Erde), der geschichtlichen Epoche, der Art, wie man seinen Lebensunterhalt verdient und welche gemeinsamen Vorstellungen man vom Guten und Bösen hat unterschiedlich entwickeln (vgl. ebd., S. 11). Jedoch bestimmen diese Umstände nicht nur die Gruppenidentität, sondern nehmen aktiv Einfluss auf die „Ich-Entwicklung“ (ebd., S. 11) von Kindern dieser Gesellschaft, die unter diesen Einflüssen im Laufe der Zeit ihre eigene Identität ausbilden.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet gesellschaftliche Umbrüche und Diskriminierungen, die Kinder betreffen, und begründet die Relevanz der Arbeit zur Identitätsbildung von Kindern mittels Kinderbüchern im Religionsunterricht.
2. Der Identitätsbegriff im wissenschaftlichen Kontext: Dieses Kapitel erläutert den Identitätsbegriff anhand verschiedener Perspektiven (Erikson, Schweitzer) und definiert relevante Teildimensionen wie religiöse, geschlechtliche, sexuelle, körperliche und ethnische Identität, die im schulischen Alltag von Kindern eine Rolle spielen.
3. Identität und Schule: Hier wird die Legitimation der Identitätsbildung als schulischer Inhalt im Kerncurriculum dargelegt und der Religionsunterricht als zentraler Ort emotionalen Lernens und der Identitätsbildung durch den Einsatz von Kinderbüchern hervorgehoben.
4. Methodik: Dieses Kapitel stellt die Erhebungs- und Analysekriterien vor, die zur Auswahl und Untersuchung der Kinderbücher hinsichtlich ihrer didaktischen Eignung und ihres Beitrags zur Identitätsbildung herangezogen wurden.
5. Literaturanalyse zur Darstellung verschiedener Identitätstypen in Kinderbüchern: Fünf ausgewählte Kinderbücher ("Alle Kinder Bibel", "Ich kann einfach alles sein!", "Muckdiwupp – Auf nach Pifo", "Das kleine Häwas", "Irgendwie Anders") werden detailliert analysiert, um ihre impliziten und expliziten Beiträge zur Identitätsbildung in den verschiedenen Dimensionen aufzuzeigen.
6. Auswertung der Literaturanalyse: Die Analyseergebnisse werden interpretiert und konkrete Implikationen für den Einsatz der Kinderbücher im Religionsunterricht abgeleitet, wobei Vor- und Nachteile sowie didaktische Herausforderungen einzelner Bücher diskutiert werden.
7. Fazit: Das Fazit beantwortet die Forschungsfrage, indem es die Rolle von Kinderbüchern bei der Förderung von Toleranz, Verantwortungsbewusstsein und kritischem Denken hervorhebt und die Bedeutung einer kritischen didaktischen Aufarbeitung im Religionsunterricht betont.
Identitätsbildung, Kinderbücher, Religionsunterricht, Toleranz, Verantwortungsbewusstsein, kritisches Denken, Ich-Identität, Gruppenidentität, Identitätsdimensionen, religiöse Identität, geschlechtliche Identität, sexuelle Identität, körperliche Identität, ethnische Identität, Inklusion, Diskriminierung, Kerncurriculum.
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Kinderbücher die Identitätsbildung von Kindern im Hinblick auf Toleranz, Verantwortungsbewusstsein und kritisches Denken fördern können und wie diese didaktisch sinnvoll im Religionsunterricht eingesetzt werden können.
Zentrale Themenfelder sind der wissenschaftliche Identitätsbegriff, seine verschiedenen Dimensionen (religiös, geschlechtlich, sexuell, körperlich, ethnisch), die Rolle der Schule und des Religionsunterrichts bei der Identitätsbildung sowie die Analyse von Kinderbüchern als didaktisches Material.
Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, "Inwiefern können Kinderbücher dazu beitragen, die Identitätsbildung von Kindern im Hinblick auf Toleranz, Verantwortungsbewusstsein und kritisches Denken zu fördern, und wie lässt sich ihr Einsatz im Religionsunterricht didaktisch gestalten?".
Die Arbeit verwendet eine Literaturanalyse zur Untersuchung von Kinderbüchern. Diese Analyse basiert auf Erhebungs- und Analysekriterien, die wiederum größtenteils auf der Erzähltextanalyse nach Lahn und Meister (2008) fußen.
Im Hauptteil (Kapitel 5) werden fünf ausgewählte Kinderbücher ("Alle Kinder Bibel", "Ich kann einfach alles sein!", "Muckdiwupp – Auf nach Pifo", "Das kleine Häwas", "Irgendwie Anders") detailliert analysiert, um ihre Relevanz für die Darstellung verschiedener Identitätstypen zu untersuchen.
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Identitätsbildung, Kinderbücher, Religionsunterricht, Toleranz, Vielfalt, Geschlechtsidentität, Körperliche Identität und ethnische Identität charakterisiert.
Kinderbücher können Identitätsbildung unterstützen, indem sie Geschichten und Illustrationen bieten, die die Lebenswelt der Schüler:innen abbilden und ihnen Orientierungsmöglichkeiten zur Entwicklung ihrer eigenen Identität und zum sozialen Lernen geben. Sie ermöglichen es, gesellschaftliche Verhältnisse kritisch zu hinterfragen und Andersartigkeit als positiven Wert zu verstehen.
Der Religionsunterricht wird als geeigneter Rahmen gewählt, weil er laut Kerncurriculum neben fachlichen Inhalten auch die humane Bildung der Schüler:innen ermöglichen soll und als Ort des emotionalen Lernens verstanden werden kann, wo Toleranz und Nächstenliebe zentrale Werte sind.
Das Kinderbuch "Irgendwie Anders" wird kritisch bewertet, da seine Botschaft zur Individualität als Eigenschaft Ausgestoßener als zu uneindeutig für jüngere Lesende angesehen wird. Es besteht die Gefahr, dass Individualität als Nachteil verstanden und sich die Kinder abschotten könnten, anstatt Toleranz zu lernen.
Die "Alle Kinder Bibel" bildet eine plurale Gesellschaft auf ihrem Titelbild und in ihren Illustrationen ab, um zu zeigen, dass Menschen unterschiedlicher Hautfarben und Herkünfte gleichwertig sind. Sie enthält Geschichten von Migration und Flucht, um den Umgang mit Fremdheit und Andersartigkeit positiv zu thematisieren.
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