Bachelorarbeit, 2024
56 Seiten, Note: 1,6
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Michael Meusers Konzept des „Doing Masculinity“ zu analysieren, um zu erklären, wie es zur männlichen Jugendgewalt beitragen kann. Weiterhin wird untersucht, welche Kompetenzen und Haltungen Schulsozialarbeiter_innen benötigen, um geschlechtssensible Maßnahmen zur Gewaltprävention umzusetzen und welche Herausforderungen dabei im schulischen Kontext auftreten können.
3.1 Michael Meusers Ansatz des Doing Masculinity
Der Ansatz des „Doing Masculinity“ von Michael Meuser geht davon aus, dass Männ- lichkeit keine statische, naturgegebene Eigenschaft ist, sondern eine soziale Konstruktion, die durch Interaktionen und Inszenierungen im Alltag ständig neu geschaffen wird (vgl. Meuser 2010, S. 63). Meuser sieht in „Doing Masculinity“ nicht nur eine Praxis, sondern ein Prinzip der Erzeugung, das die Mechanismen der Konstruktion von Männlichkeit un- tersucht (vgl. Meuser 2010, S. 123). Regeln, Normen und Erwartungen, denen Männern nachkommen müssen, um als „echte Männer“ anerkannt zu werden, stehen im Mittel- punkt (vgl. West & Zimmerman 1987, S. 136f.). Eine grundlegende Vorstellung ist, dass Männer kulturelle Vorstellungen von Männlichkeit verfolgen und diese durch soziale In- teraktionen und Darstellungen fortlaufend bestätigen müssen (vgl. West & Zimmerman 1987, S. 129; West & Zimmerman 1987, S. 146). Dabei greifen Männer auf verschiedene Strategien wie den Wettbewerb und die Abwertung von Frauen und anderen Männern zurück (vgl. Meuser 2002, S. 61). Somit hebt Meuser hervor, dass es sich bei „Doing Masculinity“ um eine ständige, allgegenwärtige Herausforderung handelt, da Männlich- keit angesichts des Strukturwandels im Geschlechterverhältnis immer wieder neu justiert werden muss (vgl. Lengersdorf & Meuser 2022, S. 115f.). Wodurch deutlich wird, dass die Entstehung von Männlichkeit ein sich ständig verändernder Prozess ist (vgl. Meuser 2010, S. 63). Ziel des Ansatzes, ist es die komplexen Mechanismen der Männlichkeits- bildung in verschiedenen sozialen Situationen zu zeigen und zu untersuchen. Er erlaubt es, die Vielschichtigkeit und den Wandel der Männlichkeit, sowie dessen Relevanz für die Konstruktionen der Identität zu analysieren (vgl. Gildemeister 2010, S. 137). Ein Bei- spiel zur Anwendung des Ansatzes, könnte die männliche Inszenierung im schulischen Kontext darstellen. Hierdurch können Prozesse des „Doing Masculinity“ beobachtet wer- den, wenn Schüler_innen Verhaltensweisen zeigen, die sie als „richtige Männer“ aner- kennen lassen, um so in der Peer Group respektiert zu werden. Der Ansatz von Michael Meuser stellt insgesamt einen bedeutenden Rahmen der Analyse dar, um Männlichkeit als einen dynamischen und interaktiven Prozess sozialer Konstruktion zu verstehen und kritisch zu hinterfragen, anstatt sie als unveränderliches Merkmal zu betrachten.
1. Einleitung: Stellt die Relevanz von Jugendgewalt in Deutschland dar, betont den Anstieg und die Rolle der Schule, und führt Michael Meusers Konzept des „Doing Masculinity“ als neuen theoretischen Ansatz ein.
2. Ausmaß und Entwicklung von Jugendgewalt: Erläutert den Begriff Jugendgewalt, untersucht ihre Ursachen, Risiko- und Schutzfaktoren sowie die Entwicklungstrends in Deutschland, inklusive Geschlechtsunterschiede bei Tatverdächtigen.
3. Theoretische Grundlagen der Männlichkeitsforschung: Beleuchtet Michael Meusers „Doing Masculinity“-Ansatz sowie ergänzende Theorien von Bourdieu und Connell, um Männlichkeit als soziale Konstruktion zu verstehen.
4. Die Sozialisation von männlichen Jugendlichen: Definiert Sozialisation im Jugendalter, analysiert Michael Meusers Sicht auf männliche Sozialisation und beleuchtet den Einfluss von Familie und Peer Groups auf die Entwicklung männlicher Identität.
5. Männlichkeit und Gewalt: Untersucht Gewalt als sozial konstruiertes Phänomen, das eng mit der Herstellung und Bestätigung männlicher Identität verbunden ist, und analysiert die Rolle von Gewalt bei der Demonstration von Stärke und Dominanz.
6. Schulsozialarbeit: Definiert und beleuchtet die Entwicklung der Schulsozialarbeit, beschreibt ihre Zielgruppen und Aufgaben sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen für ihre Tätigkeit.
7. Geschlechtssensible Pädagogik in der Schulsozialarbeit: Analysiert die erforderlichen Kompetenzen und Haltungen von Schulsozialarbeiter_innen für geschlechtssensible Gewaltprävention und diskutiert spezifische Herausforderungen in verschiedenen Schulformen.
8. Meusers Ansatz in der Schulsozialarbeit: Untersucht die praktischen Implikationen und Umsetzungsmöglichkeiten von Meusers „Doing Masculinity“-Ansatz für die geschlechtssensible Gewaltprävention in der Schulsozialarbeit, inklusive primärer, sekundärer und tertiärer Prävention.
9. Fazit: Fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, betont die Relevanz von Meusers Ansatz für das Verständnis männlicher Jugendgewalt und die Notwendigkeit geschlechtssensibler Präventionsmaßnahmen in der Schulsozialarbeit.
Jugendgewalt, männliche Sozialisation, Doing Masculinity, Michael Meuser, Schulsozialarbeit, Geschlechterrollen, Gewaltprävention, Peer Group, hegemoniale Männlichkeit, Pierre Bourdieu, Geschlechtssensibilität, Adoleszenz, Risikofaktoren, soziale Konstruktion, Männlichkeitsforschung
Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen männlicher Sozialisation und Jugendgewalt, insbesondere unter Berücksichtigung von Michael Meusers Ansatz des „Doing Masculinity“, und dessen Relevanz für die Präventionsarbeit in der Schulsozialarbeit.
Die zentralen Themenfelder sind Jugendgewalt, Männlichkeitsforschung (insbesondere „Doing Masculinity“), Sozialisation männlicher Jugendlicher, die Verbindung von Männlichkeit und Gewalt sowie die geschlechtssensible Pädagogik in der Schulsozialarbeit.
Das primäre Ziel ist es, zu verstehen, wie Michael Meusers Ansatz männliche Jugendgewalt erklären kann, welche Kompetenzen Schulsozialarbeiter_innen für geschlechtssensible Gewaltprävention benötigen und welche Herausforderungen bei der Implementierung im schulischen Kontext auftreten.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und der Integration soziologischer Konzepte, um ein umfassendes Verständnis der Thematik zu entwickeln.
Der Hauptteil behandelt das Ausmaß und die Entwicklung von Jugendgewalt, theoretische Grundlagen der Männlichkeitsforschung (Meuser, Bourdieu, Connell), die Sozialisation männlicher Jugendlicher, den Zusammenhang zwischen Männlichkeit und Gewalt, sowie die Rolle und Umsetzung geschlechtssensibler Pädagogik in der Schulsozialarbeit.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Jugendgewalt, männliche Sozialisation, Doing Masculinity, Michael Meuser, Schulsozialarbeit, Gewaltprävention und Geschlechtssensibilität.
Meusers Ansatz erklärt männliche Jugendgewalt als Resultat der sozialen Konstruktion von Männlichkeit, bei der Gewalt als Ressource zur Demonstration und Absicherung von Männlichkeit in alltäglichen Interaktionen dient.
Laut Meuser spielen Peer Groups eine entscheidende Rolle als Lernumgebung und Authentizitätsraum, in dem männliche Jugendliche ihre Männlichkeit durch Wettbewerb, Abgrenzung und Rituale erproben, bestätigen und hierarchisieren können.
Schulsozialarbeit kann dies durch gezielte Trainings- und Workshopangebote, die Reflexion von Männlichkeitsnormen, die Förderung emotionaler Intelligenz und Empathie, sowie die Nutzung kreativer Formate und digitaler Medien zur Diskussion geschlechtersensibler Themen.
Herausforderungen umfassen die Anpassung an unterschiedliche Schulumfelder und Bildungsniveaus, die Sensibilisierung des Lehrpersonals, die Einbindung der Eltern und das Management institutioneller Barrieren sowie fehlender Ressourcen.
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