Masterarbeit, 2025
84 Seiten, Note: 2,0
Diese Masterarbeit untersucht die Frage "Wie kann eine geschichtsjournalistische Aufarbeitung des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses aussehen?". Ziel ist es, ein journalistisches Produkt zu konzipieren, das die historischen Ereignisse für ein breites Publikum zugänglich macht und deren aktuelle Relevanz gemäß den Qualitätskriterien von Horst Pöttker beleuchtet.
3.4 Zusammenfassung
Damit wurden nun die wichtigsten Dokumenten-Gattungen aufgelistet, die sich mit dem ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess befassen. Neben den hier aufgezählten existieren zwar noch viele weitere Dokumente, Berichte, Bearbeitungen, Aufarbeitungen und Einordnungen des Prozesses – darunter fallen auch fiktionale Werke wie beispielsweise der Spielfilm ,Die Ermittlung', die TV-Serie ,Das Deutsche Haus' oder das Videospiel ,The Darkest Files'. Insgesamt sind es allerdings viel zu viele, um sie alle zu nennen. Außerdem reichen diejenigen, auf die hier eingegangen wurde, aus, um einen angemessenen Überblick über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Erzeugnisse zu liefern.
Zunächst einmal ist und war es die Errungenschaft der Original-Dokumente, die zum Prozess existieren, überhaupt zugänglich zu sein. Viele dieser Dokumente haben jedoch das Problem, dass sie unübersichtlich sind und nötige Einordnungen fehlen. Das liegt unter anderem daran, dass Materialien (wie beispielsweise die Audio-Mitschnitte des Prozesses) nicht primär mit der Intention entstanden sind, von einer breiten Masse an Menschen konsumiert zu werden.94 Außerdem benötigt das vollständige Durcharbeiten allein aufgrund der besonde- ren Menge an Material (beispielsweise 100 Stunden Hörmaterial auf der DVD ,Der Auschwitzprozess. Tonbandmitschnitte, Protokolle, Dokumente') vergleichsweise viel Zeit.
Der gleiche Punkt trifft auch auf Prozessberichte zu, die häufig einen Umfang von mehreren Hundert Seiten aufweisen.95 Zusätzlich zur Länge ist diese Art der Literatur häufig subjektiv geschrieben, was in Anbetracht des Themas Auschwitz zwar durchaus nachvoll- ziehbar ist, jedoch dem journalistischen Gebot der Objektivität widerspricht. Allein die Tat- sache, dass Zeug*innen der Prozesse aus ihren eigenen Erfahrungen und Erinnerungen be- richten, macht Prozessberichte außerdem anfällig für das Problem, das auch Zeitzeugenge- sprächen oft attestiert wird: dass die Erzählungen fehlerhaft sind und wichtige Details außer Acht lassen.96
Journalistischen Beiträgen auf der anderen Seite - wesentlich kürzer als Original-Dokumente oder Bücher - fehlt (wie auch allen anderen genannten Werken) häufig die angemessene Verknüpfung zur Gegenwart, um ihren Konsument*innen klarzumachen, was den ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess für heute immer noch relevant macht. Zusammenfassend kann daher gesagt werden, dass ein übersichtliches Werk zum ersten Frankfurter Auschwitz- Prozess, das durch abwechslungsreiche Elemente, Hintergrundinformationen sowie aktuelle Verweise die Chance hat, einer breiten Masse an Menschen alle nötigen Informationen zum Prozess zu übermitteln und gleichzeitig plausibel begründet, warum der Prozess bis in die heutige Zeit Bedeutung hat, nicht existiert.
Kapitel 1 Einleitung: Stellt die Relevanz des Themas dar, indem sie aktuelle Umfragen zur Zufriedenheit mit der Demokratie und der Zustimmung zu rechtspopulistischen Parteien aufzeigt und daraus die Notwendigkeit einer besseren Aufarbeitung der NS-Geschichte ableitet.
Kapitel 2 Historische Einordnung: Bietet einen Überblick über die Judenverfolgung, den Holocaust, Konzentrationslager wie Auschwitz und die Auschwitz-Prozesse, um das notwendige historische Hintergrundwissen zu vermitteln.
Kapitel 3 Vorhandene Werke zum ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess: Analysiert verschiedene bestehende Publikationen zum Prozess, darunter Original-Dokumente, Prozessberichte und journalistische Werke, und bewertet deren Eignung für eine breite Öffentlichkeit.
Kapitel 4 Grundlagen für die Multimedia-Reportage: Begründet die Wahl der Multimedia-Reportage als Darstellungsform für das Thema, definiert die Zielgruppe und beleuchtet den Forschungsstand zu multimedialen Qualitätskriterien.
Kapitel 5 Geschichtsjournalismus und seine Qualitätsmerkmale (nach Horst Pöttker): Untersucht die Wichtigkeit und Entwicklung des Geschichtsjournalismus in den Medien und stellt dessen Qualitätsmerkmale nach Horst Pöttker (Wahrheit, Verständlichkeit, Aktualität) detailliert dar.
Kapitel 6 Schaffungsbericht zur Multimedia-Reportage: Beschreibt den Entstehungsprozess der multimedialen Reportage, ihre thematische Gliederung sowie die Integration multimedialer Inhalte und die Zusammenarbeit mit Historikerinnen.
Kapitel 7 Zusammenfassung und Bewertung: Fasst die Erkenntnisse über die verschiedenen Darstellungsformen zusammen und bewertet die erstellte Multimedia-Reportage anhand von Pöttkers Qualitätskriterien, wobei sie ihre Relevanz für die Gegenwart hervorhebt.
Auschwitz-Prozess, Geschichtsjournalismus, Multimedia-Reportage, Holocaust, Nationalsozialismus, Qualitätskriterien, Horst Pöttker, Erinnerungskultur, Demokratie, Rechtsextremismus, Zeugenaussagen, Medienkonvergenz, Storytelling, historische Aufarbeitung, Deutschland
Die Arbeit untersucht, wie eine geschichtsjournalistische Aufarbeitung des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses gestaltet werden kann, um seine Relevanz für die Gegenwart zu verdeutlichen und ein breites Publikum zu erreichen.
Die zentralen Themenfelder sind die historische Einordnung des Nationalsozialismus und Holocaust, die Analyse vorhandener Publikationen zum Auschwitz-Prozess, Qualitätskriterien des Geschichtsjournalismus und die Konzeption einer Multimedia-Reportage.
Das primäre Ziel ist es, die Forschungsfrage "Wie kann eine geschichtsjournalistische Aufarbeitung des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses aussehen?" durch die Erstellung einer Multimedia-Reportage zu beantworten, die Pöttkers Qualitätskriterien erfüllt.
Die Arbeit verwendet eine Analyse des Forschungsstands zu bestehenden Werken und multimedialen Qualitätskriterien, insbesondere nach Horst Pöttker, als Grundlage für die Konzeption einer eigenen journalistischen Publikation.
Im Hauptteil werden die historische Einordnung, die Analyse bestehender Werke zum Frankfurter Auschwitz-Prozess, die Grundlagen und Qualitätsmerkmale des Geschichtsjournalismus sowie die Konzeption der Multimedia-Reportage detailliert behandelt.
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Auschwitz-Prozess, Geschichtsjournalismus, Multimedia-Reportage, Holocaust, Nationalsozialismus, Qualitätskriterien, Horst Pöttker, Erinnerungskultur, Demokratie und Rechtsextremismus charakterisiert.
Eine Multimedia-Reportage wird gewählt, da sie komplexe Themen publikumsfreundlich darstellen kann, die sinkende Aufmerksamkeitsspanne berücksichtigt und ein junges Publikum über verschiedene Medienkanäle anspricht.
Pöttkers Qualitätskriterien, insbesondere Wahrheit (Richtigkeit, Vollständigkeit, Unabhängigkeit), Verständlichkeit (bis hin zu Unterhaltsamkeit) und Aktualität, dienen als zentrale Orientierung für die Konzeption und Bewertung der Multimedia-Reportage.
Die Arbeit stellt Bezüge zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen her, wie dem Anstieg rechter Gesinnung in Deutschland und dem Nahostkonflikt, um die dauerhafte Bedeutung der Lehren aus dem Auschwitz-Prozess zu untermauern.
Viele vorhandene Werke sind entweder zu umfangreich und unübersichtlich, subjektiv gefärbt oder es fehlt ihnen an einem Bezug zur Gegenwart, was ihre Eignung für ein breites Publikum einschränkt.
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