Bachelorarbeit, 2025
60 Seiten, Note: 1,0
Die vorliegende Bachelorarbeit zielt darauf ab, die Positionen der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) zur Sexualpädagogik von Kindern und Jugendlichen systematisch zu analysieren und deren Begründungsmuster sowie ihre erziehungswissenschaftliche Positionierung zu beleuchten.
K2 Frühsexualisierung
Die AfD kritisiert im Rahmen ihrer Bildungspolitik deutlich eine aus ihrer Sicht stattfindende Frühsexualisierung von Kindern. Die zentrale Position wird unterstrichen durch Aussagen wie: „Nein zu ,Gender-Mainstreaming' und Frühsexualisierung“ (AfD 2016a, S. 55). Nach Auffassung der Partei werden Kinder und Jugendliche durch bestimmte Bildungsinhalte oder -konzepte zu früh mit aus ihrer Sicht unangemessenen sexualpädagogischen Themen konfrontiert.
Wissens- und Begründungsdimension:
Aus pädagogischer Richtung richtet sich die Kritik der AfD insbesondere gegen die ,Sexualpädagogik der Vielfalt‘. Diese wird als übergriffig und rücksichtslos beschrieben, da sie Kinder und Jugendliche in ihrer Geschlechtsidentität verwirre, psychische Schäden hinterlasse und die „natürliche Entwicklung von Jungen und Mädchen“ (AfD 2024, S. 8) behindere. Stattdessen fordert die Partei eine altersgemäße Sexualerziehung ab der Pubertät, die auf einer „wertneutralen und altersentsprechenden Wissensvermittlung" (ebd.) basieren soll. Diese müsse sich an „biologischen, ethischen, religiösen, kulturellen und sozialen Tatsachen und Bezügen der Geschlechtlichkeit des Menschen“ (AfD 2017, S. 33-34) orientieren. Konkret wird kritisiert, dass Lernarrangements im Bildungsplan etwa „lustbetonte Selbstberührungen“ (AfD 2017, S. 35) thematisieren oder „geschlechtsvertauschte Rollenspiele“ (AfD 2017, S. 35) im Unterricht einsetzen. Auch Unterrichtsmaterialien wie das Buch „Janosch: Mutter sag, wer macht die Kinder?“ (ebd., S.36) werden als „Eingriff in das natürliche Schamgefühl und in die individuelle Intimsphäre der Kinder“ (ebd.) bewertet. Sie kritisieren dabei, dass sich die Sexualaufklärung an sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten orientiert, statt an der Lebenswelt der Mehrheit. Stattdessen sollen Lehrmaterialien sich an Mehrheitsverhältnissen orientieren und ein „lebensbejahendes Konzept“ (AfD 2017, S. 42) vertreten, in dem Kinder als Teil einer stabilen, traditionellen Persönlichkeitsentwicklung verstanden werden. Auch hier stützt sich ein Großteil der Begründung auf eine material-wertethische Argumentation. Die Frühsexualisierung beginne laut der AfD bereits in Krippe, Kindergarten und Grundschule. Sie stelle eine Verunsicherung der Kinder in Bezug auf ihre sexuelle Identität dar und sei geeignet, die Identitätsentwicklung von Kindern zu stören oder gar zu zerstören. Kinder werden aus Sicht der AfD ideologischen Einflüssen ausgesetzt, wodurch nicht nur das Individuum, sondern auch kollektive Werte wie Familie und kulturelle Identität gefährdet werden. Die AfD spricht sich deswegen gegen eine sogenannte Frühsexualisierung von Kindern durch staatliche Institutionen aus und kritisiert: „Die Kindheit ist eine besondere Zeit, eine Zeit der Freiheit, eine Zeit der Aufnahme- und Prägefähigkeit und eine Zeit der Unschuld. Dies erfordert besondere Vorsicht im Umgang mit unseren Kindern“ (AfD 2016b, S. 1). An dieser Stelle zeigen sich deutlich die zuvor in Kapitel 2.3 identifizierten typischen rechtspopulistischen Narrative, die Kindheit als wertvolle und unschuldige Zeit begreifen und Kinder als schützenswerte Wesen darstellen, denen eine kindliche Sexualität abgesprochen wird. Dabei wird durch Aussagen wie „Die Erotisierung von Kindern“ (AfD 2017, S. 36) zugleich ein Bedrohungsszenario geschaffen, in dem staatliche sexualpädagogische Bildungsinhalte als Gefahr für diese kindliche Unschuld dargestellt werden. Die Konzeption von Geschlecht als „soziales Konstrukt‘ wird in diesem Zusammenhang als besonders problematisch dargestellt. Der,Bildungsplan bis 18' basiere damit auf einem „postfaktischen“ (AfD 2017, S. 35) Konzept, das einen Angriff auf die „biologische Tatsache“ (ebd.) von Geschlecht darstelle. Obwohl hier ein Bezug zu erziehungswissenschaftlicher Theorie (Geschlecht als sozi-
Kapitel 1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die gesellschaftliche Relevanz von Vielfalt und die zunehmende Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität, woraus die Forschungsfrage zur Position der AfD in Bezug auf Sexualpädagogik abgeleitet wird.
Kapitel 2. Theoretischer Rahmen und Forschungsstand: Hier wird die AfD als rechtspopulistische Partei eingeordnet, der Begriff des Populismus definiert und die rechtspopulistische Instrumentalisierung erziehungswissenschaftlicher Themen sowie zentrale Konzepte der Sexualpädagogik dargestellt.
Kapitel 3. Methodisches Vorgehen: Das Kapitel beschreibt die Anwendung der vierstufigen Dokumentenanalyse nach Mayring zur Validierung der ausgewählten Quellen sowie die Durchführung einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz zur systematischen Auswertung der Parteidokumente.
Kapitel 4. Kategorienbasierte Auswertung und Diskussion der Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die durch die Analyse gewonnenen zentralen Positionen der AfD zur Sexualpädagogik, gruppiert in Hauptkategorien wie ideologische Indoktrination, Frühsexualisierung, traditionelle Familie und Erziehungshoheit, und diskutiert deren argumentative Begründungsmuster.
Kapitel 5. Fazit: Das Fazit fasst die methodischen und inhaltlichen Haupterkenntnisse zusammen, die zeigen, dass die AfD eine stark konservative und traditionsgebundene Position zur Sexualpädagogik vertritt und Konzepte wie Vielfalt und Selbstbestimmung ablehnt.
AfD, Sexualpädagogik, Rechtspopulismus, Kindheit, Gender-Mainstreaming, Sexualerziehung, Familie, Bildungspolitik, Indoktrination, Diskriminierung, Verfassungsschutz, traditionelle Werte, Vielfalt, Qualitative Inhaltsanalyse, Argumentationsmuster
Die Arbeit analysiert die Positionen und Begründungsmuster der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) hinsichtlich der Sexualpädagogik von Kindern und Jugendlichen aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive.
Die zentralen Themenfelder umfassen die Bildungspolitik der AfD, Sexualpädagogik, Konzepte kindlicher Sexualität, die Diskussion um Geschlechtsidentität ("Gender") und die Instrumentalisierung pädagogischer Diskurse durch Rechtspopulismus.
Das primäre Ziel ist es, die Forschungsfrage „Welche Positionen nimmt die AfD hinsichtlich Sexualpädagogik von Kindern und Jugendlichen ein und wie begründet sie diese?“ systematisch zu beantworten.
Die Arbeit verwendet eine Kombination aus Dokumentenanalyse nach Mayring zur Validierung der Quellen und einer inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz zur Auswertung der Parteidokumente.
Im Hauptteil werden die durch die Analyse identifizierten Positionen der AfD in Bezug auf Sexualpädagogik dargestellt und diskutiert, insbesondere unter den Hauptkategorien ideologische Indoktrination, Frühsexualisierung, traditionelle Familie und Erziehungshoheit, sowie die zugrunde liegenden Argumentationsmuster.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie AfD, Sexualpädagogik, Rechtspopulismus, Kindheit, Gender-Mainstreaming, Sexualerziehung, Familie und Bildungspolitik.
Die AfD wird als Partei bewertet, die sexualpädagogische Konzepte nicht wissenschaftlich diskutiert, sondern normativ ablehnt und als ideologisch motivierte Eingriffe darstellt, oft mit dem Ziel, Ängste zu schüren und die traditionelle Familie zu verteidigen.
Die AfD kritisiert insbesondere die „Sexualpädagogik der Vielfalt“, „Gender-Mainstreaming“ und den „Bildungsplan bis 18“, die sie als übergriffig, identitätsverwirrend und als Bedrohung für die „natürliche Entwicklung“ von Kindern ansieht.
Die Analyse zeigt, dass material-wertethische Argumentationen dominieren, wobei traditionelle Werte und ein konservatives Familienbild als normative Maßstäbe herangezogen werden. Moralisch-prinzipiengestützte Argumente treten seltener auf.
Eine fundierte wissenschaftliche Auseinandersetzung ist erforderlich, um problematischen Freiräumen für politische Instrumentalisierung entgegenzuwirken und eine sachliche, reflektierte Behandlung kindlicher Sexualität aus pädagogischer und gesellschaftspolitischer Sicht zu gewährleisten.
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